NEW YORK CITY / LONDON (IT BOLTWISE) – Am 18. September bringt „Lāhainā Think Space“ erstmals die Erfahrung auf den NYU-Campus in Manhattan. Das ganztägige Format verknüpft öffentliche Dialoge, Community-Storytelling und einen Panel-Workshop mit dem Filmabend „Hui Moʻolelo: Lāhainā Film Showcase“ im MoMA. Damit entsteht eine bewusste Brücke zwischen Hawaii und New York – mit Fokus darauf, wie Erinnerung nach einer Katastrophe über Generationen und Distanzen hinweg weitergetragen wird.

Wenn Community-Erinnerung in neue Orte übersetzt wird, geht es selten nur um einen Terminplan. Am 18. September wird das in New York City besonders sichtbar: „Lāhainā Think Space“ startet als ganztägige Campus-Erfahrung an der New York University und markiert damit nach Angaben der Veranstalter den ersten Schritt über Hawaii hinaus, die „Think Space“-Atmosphäre auch national erlebbar zu machen. Der Anlass ist zugleich konkret und schwer: Die Gesprächsrunden und künstlerischen Beiträge knüpfen an die mehr als 100 Todesopfer an, die am 8. August 2023 bei den Maui-Wildfires ums Leben kamen. Vor diesem Hintergrund soll nicht nur berichtet werden, sondern vor allem das Zuhören als Praxis ins Zentrum rücken, weil Erinnerung – so das zugrunde liegende Motiv – getragen wird von denen, die Lāhainā über Ozeane hinweg im Alltag mit sich tragen.
Organisiert wird die Veranstaltung über eine Kooperation aus Maui County, Maui Public Arts Corps und New York University. Der Startimpuls kommt dabei aus der NYU-Community: Auf eine Einladung des Hawaiʻi Club am NYU-Campus hin arbeiten unter anderem das Asian/Pacific/American Institute der Universität sowie das Center for Collaborative Indigenous Research with Communities and Lands (Center CIRCL) mit. Diese Zusammensetzung ist auch technisch und organisatorisch relevant, denn ein Format wie dieses verbindet mehrere Rollen: Künstlerinnen und Künstler, kulturelle Praktiker, Studierende, Vertreter aus Politik und Verwaltung sowie Museumsspezialisten. Genau diese Mischung adressiert die Kernfrage, wie gemeinschaftliche Stimme kollektive Erinnerung prägt – und welche Konsequenzen das für Gedenkformen hat, die nicht nur „Objekte“ schaffen, sondern auch Beziehungen zwischen Menschen, Orten und Erzählungen stabilisieren.
Die zeitliche Einbettung wirkt wie ein zusätzlicher Taktgeber. Die Veranstaltung soll mit dem Beginn des NYU-Studienjahres zusammenfallen, außerdem steht sie im Kontext des 2026 ausgerufenen „Oceans“-Schwerpunkts der Universität und zeitlich passend zum 25. Jahrestag des 11. Septembers. Damit wird ein Rahmen gesetzt, der über lokale Trauer hinausgeht, ohne die lokale Grundlage zu verwischen: In „Listening Across Oceans: Story, Memory, and the Making of Memorials“ geht es interdisziplinär darum, wie Gemeinschaften nach einer Tragödie erinnern, wie Geschichten Generationen und geografische Distanzen überbrücken und wie genaues Zuhören zu einem tragfähigen, gemeinschaftszentrierten Erinnern beitragen kann. Der Abend folgt dann mit einem zweiten Zugriff, nämlich filmisch: Bei „Hui Moʻolelo: Lāhainā Film Showcase“ sehen Besucherinnen und Besucher animierte Kurzfilme, die auf intergenerationalen talk-story-Aufnahmen beruhen – also auf Gesprächs- und Erzähltraditionen, die in der Community verankert sind. Laut Ankündigung sollen dabei Erinnerungen an den Ort, Familienbeziehungen, Humor, Kultur und Zugehörigkeit in eine Form übersetzt werden, die über das unmittelbare Erzählen hinaus Bestand hat.
Für die Beteiligten ist diese Logik nicht nur kulturell, sondern auch praktisch. Erin Wade, Deputy Managing Director in Maui County, stellt in ihrer Beschreibung nicht den reinen Wiederaufbau in den Vordergrund, sondern die Wiederherstellung von Hoffnung: Die Aktivitäten konzentrierten sich auf Dinge, die Freude und Verbindung gebracht haben, damit das Leben weitergehen kann. In einer ähnlichen Richtung formuliert Kelly White, Gründerin und Vorsitzende von Maui Public Art Corps: Die Arbeit an community-zentrierter Memorialisierung in Lāhainā sei durch die Erfahrungen anderer Communities gestärkt worden, insbesondere durch den Austausch mit dem National September 11 Memorial & Museum. Das wird in der inhaltlichen Ausrichtung sichtbar: Es geht darum, wie man Erinnerung bewahrt, wie man Dialog in der Community begleitet und wie man öffentliche Orte des Gedenkens so entwickelt, dass sie zuerst die Menschen abbilden, für die diese Orte gedacht sind. Auch die kulturelle Perspektive wird ausdrücklich adressiert: Sissy Lake-Farm, Cultural Consultant beim County of Maui Public Art Program, betont den Charakter als „first“ für eine Aufnahme nach New York City und beschreibt die Relevanz der Diaspora, weil deren Vernetzung und Perspektiven zählen.
Für die New-Yorker Seite ist die Einladung ebenfalls mehr als symbolische Gastfreundschaft. Pua Farm, Präsidentin des NYU Hawaiʻi Club, spricht davon, dass gerade die hawaiʻiische Community am NYU-Campus eng vernetzt sei und das Projekt dabei hilft, auch über den Ozean hinweg in Verbindung mit den eigenen Wurzeln zu bleiben. Amita Manghnani vom Asian/Pacific/American Institute formuliert daraus eine inhaltliche Brücke: Storytelling helfe dabei, nach Verletzungen zu erinnern, zu heilen und Formen des Gedenkens zu imaginieren, die in gelebter Erfahrung verankert sind. Interessant ist dabei, dass die Veranstaltung ausdrücklich „universelle Fragen“ adressiert: Wie erinnern Gemeinschaften? Wer trägt Erinnerung zwischen Generationen und Orten? Und wie arbeiten Künstler, Institutionen und Community-Mitglieder zusammen, um Plätze zu schaffen, die sowohl Verlust als auch Leben würdigen. Genau diese Verbindung macht den Austausch über Maui hinaus anschlussfähig, ohne die spezifische Katastrophenerfahrung in den Hintergrund zu drängen.
Der Ablauf ist öffentlich gestaltet, aber mit konkreten Zugangsregeln. Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, sowohl an der Tagesdiskussion an der NYU teilzunehmen (20 Cooper Square) als auch am Abend zum Film-Showcase ins MoMA zu kommen (11 West 53rd Street). Der Eintritt ist frei, allerdings ist eine vorherige RSVP-Anmeldung erforderlich. Wer sich registrieren möchte und vollständige Eventinformationen erhalten will, wird auf mauipublicart.org/nyu verwiesen. Für Unternehmen und Institutionen, die sich mit Transformations- und Erinnerungsprojekten beschäftigen, liefert das Format damit auch eine Art Blaupause: Es zeigt, wie Dialogräume, künstlerische Übersetzung und kuratierte Zugänge zusammenwirken können, damit Gedenken nicht nur stattfindet, sondern im Alltag weiterkommuniziert wird.
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