LONDON (IT BOLTWISE) – Die Genehmigung eines Bitcoin-Perpetuals als Futures durch die CFTC löst in den USA sofort eine steuerliche Einordnungspflicht aus. Im Raum steht, ob BTCPERP als „regulated futures contract“ nach §1256 IRS-seitig mark-to-market mit 60/40 behandelt wird – oder stattdessen in Swap-/notional-principal-Regeln fällt. Gleichzeitig läuft vor Gericht eine Auseinandersetzung zwischen CME und der CFTC, die jedoch die Steuerfrage nicht automatisch rückwirkend klärt. Entscheidend bleibt daher, wie ein späteres Steuerurteil die Systematik von Definition und Ausschluss bei §1256 für das konkrete Vertragsdesign auslegt.

Bitcoin-Perpetuals: Wann gelten sie steuerlich als regulierte Futures?
Bitcoin-Perpetuals: Wann gelten sie steuerlich als regulierte Futures? (Foto: IT BOLTWISE)
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Die CFTC hat die Zulassung eines Bitcoin-Perpetual-Vertragsmodells („BTCPERP“) als Futures damit in ein reguliertes Handels- und Aufsichtsregime eingeordnet. Für viele Marktteilnehmer klingt das zunächst nach einer klaren Ansage: Wenn eine Behörde ein Produkt als Future etikettiert und unter einem designated contract market handelbar macht, liegt die Erwartung nahe, dass auch die steuerliche Behandlung automatisch mitzieht. Der steuerrechtliche Konflikt beginnt genau dort. Denn §1256 des Internal Revenue Code knüpft die günstige Behandlung „regulated futures contract“ nicht an die behördliche Handelsklassifikation, sondern an eigene, gesetzlich definierte Tatbestandsmerkmale – inklusive eines ausdrücklichen Ausschlusses für commodity swaps und ähnliche Vereinbarungen.

Im Streit steht die Frage, ob BTCPERP in der Substanz besser als Future oder als Swap bzw. als notional principal contract eingeordnet werden muss. CME argumentiert im verwaltungsrechtlichen Verfahren gegen die CFTC-Zulassung, dass die Vertragsstruktur eher auf wiederkehrende Zahlungen ohne feste Laufzeit und ohne Lieferung von Bitcoin hinauslaufe. Nach dieser Sicht sei die „Funding“-Mechanik nicht bloß eine Nebenwirkung des Futures-Margin-Systems, sondern der Kern des Produkts. Die CFTC wiederum hatte BTCPERP als Future genehmigt und sich dabei auf die Vereinbarkeit mit dem Commodity Exchange Act sowie den eigenen Regeln gestützt. Dass eine solche Genehmigung aus regulatorischer Sicht möglich ist, ersetzt aber nicht die steuerliche Prüfung nach §1256. Die IRS ist daran nicht gebunden, und selbst ein Gerichtsurteil, das die regulatorische Einordnung bestätigt oder kippt, würde Steuerdeklarationen nicht automatisch „am Rückspiegel“ korrigieren.

Für die Praxis bedeutet das: Wer BTCPERP mit §1256 behandelt, muss die Tatbestandsseite des Gesetzes und die Swap-Ausschlussklausel zugleich sauber zusammenbringen. §1256(g)(1) nennt zwei zentrale Voraussetzungen für einen „regulated futures contract“: Erstens muss der Vertrag auf, oder nach den Regeln, eines qualified board oder einer qualifizierten Börse gehandelt werden; zweitens muss die Höhe der zu hinterlegenden und der abziehbaren Beträge von einem Mark-to-Market-Mechanismus abhängen. Kalshi und die CFTC können für die erste Anforderung ein erhebliches Argument liefern, weil BTCPERP als gelistetes Future über einen designated contract market geführt wird und die CFTC-Produktunterlagen dies öffentlich als genehmigt ausweisen. Für die zweite Anforderung spricht auf den ersten Blick die kontinuierliche Mark-to-Market-Logik: Positionswerte werden laufend neu bewertet, Sicherheiten folgen Wertänderungen, und die Vertragspartner tauschen periodische Funding-Zahlungen, um Konvergenz zum Spot-Preis von Bitcoin zu erreichen. Genau diese Mischung aus Börsenhandel, Standardisierung, Clearing und fortlaufender Bewertungsmechanik ist es, die eine plausible §1256-Position stützen kann.

Die eigentliche Schwierigkeit liegt jedoch im zweiten Schritt: §1256 fragt nicht nur nach dem „Wie“ des Handels und der Bewertung, sondern enthält auch eine materiell konkurrierende Ausschlussnorm. Der Code nimmt commodity swaps und ähnliche Vereinbarungen ausdrücklich aus. Damit kann ein Vertrag zwar die operativen Merkmale eines regulated futures contract erfüllen, steuerlich aber dennoch ausgeschlossen sein, wenn seine vertragliche Charakterisierung eher in die Swap-Ecke fällt. Hier treffen zwei Betrachtungsweisen aufeinander, die beide auf reale Vertragsmechanik stützen: Auf der einen Seite steht die Argumentationslinie „Future-Engine“ – kontinuierliches Mark-to-Market, zentraler Ausgleich, tägliche Dynamik der Sicherheiten und die Funktionsweise klassischer Futures-Märkte. Auf der anderen Seite steht die Linie „Swap-Zahlung“ – wiederkehrende Zahlungen, unbestimmte Dauer, fehlende Lieferverpflichtung und die Frage, ob diese Funding-Beinbestandteile rechtlich als Swap-Charakter zu bewerten sind. Das Ergebnis ist weniger eine Frage des Produktnamens als eine Frage, welche gesetzliche Beschreibung in einer steuerlichen Auseinandersetzung als „spezifischer“ und „substanznäher“ gilt.

Die wirtschaftlichen Konsequenzen einer falschen Einordnung sind dabei nicht theoretisch. §1256 bewirkt bei qualifizierten Verträgen grundsätzlich eine jährliche fiktive Veräußerung zum Fair Value am letzten Geschäftstag des Steuerjahres, selbst wenn die Position offen bleibt. Zugleich greift der bekannte 60/40-Mechanismus für Gewinne oder Verluste: 60% werden als long-term behandelt, 40% als short-term – unabhängig von der realen Haltedauer. Zudem existiert eine spezielle dreijährige Verlustverrechnung für qualifizierte Net contract losses. Je nach steuerlicher Gesamtsituation kann daraus ein deutlich anderer blended Steuersatz folgen als bei reinen gewöhnlichen oder kurzfristigen Einkommensarten. Wenn der Vertrag hingegen als Swap bzw. im Rahmen notional principal contract-Regeln behandelt würde, verschieben sich Timing und Charakter: Dann stehen periodische Zahlungen, nichtperiodische Zahlungen, Beendigungszahlungen und die Koordination mit anderen Vorschriften im Vordergrund, statt der §1256-Logik einer jährlichen als-ob-Veräußerung. Wichtig ist dabei: Swap-Treatment heißt nicht automatisch „nur ordentliches Einkommen“, weil die notional-principal-Regelwerke ihrerseits detailliert differenzieren und die Einordnung von Zahlungsart, zugrunde liegendem Vermögenswert, Steuerpflichtigem sowie Zweck (etwa Hedge, Dealerposition, Investment oder Trading) abhängt.

Unklar bleibt vorerst auch das prozessuale Tempo: Das Verfahren zwischen CME und der CFTC könnte bereits an prozessualen Hürden scheitern oder ohne abschließende materiell-rechtliche Klärung zur Einordnung von Perpetuals enden. In jedem Fall gilt für Steuerpflichtige aber ein praktischer Grundsatz, der in der Quelle als „nicht auf extreme Annahmen setzen“ formuliert wird: Die CFTC-Genehmigung sollte nicht als bedeutungslos abgetan werden, denn sie liefert eine tragfähige regulatorische Faktenlage – Börsenlisting, Clearing, standardisierte Struktur und die genehmigte Ausgestaltung als Future. Gleichzeitig sollte sie nicht als dispositive steuerliche Entscheidung missverstanden werden, weil §1256 seine eigenen Definitionen und Ausschlüsse hat. In der Beratungspraxis heißt das, dass steuerliche Argumentation nicht am regulatorischen Etikett hängen darf, sondern die konkrete Vertragsmechanik, die zeitliche Struktur der Funding-Zahlungen sowie die für §1256 entscheidenden Tatbestandsmerkmale dokumentiert werden müssen.

Für die kurzfristige Compliance-Realität ergibt sich daraus ein Reporting-Risiko, obwohl zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch keine „reife“ steuerliche Kontroverse auf Bundesebene beschrieben wird. Ein Steuerfall entsteht typischerweise erst, wenn ein Steuerpflichtiger tatsächlich entsprechend §1256 berichtet, die IRS diese Behandlung im Rahmen einer Prüfung ablehnt und es dann zu einer Festsetzung, Ablehnung eines Refund-Antrags oder einer vergleichbaren Maßnahme kommt. Genau deshalb sind in der Praxis auch Schutzmechanismen wie Offenlegung, reasonable basis, angemessene Sorgfalt sowie reasonable cause und good-faith-Überlegungen relevant, sofern die Unsicherheit fortbesteht. Für Gutachten (tax opinions) wird die eigentliche Arbeit damit zur Gegenüberstellung: §1256-Definition und Swap-Ausschluss auf der einen Seite, notional principal contract-Regeln auf der anderen Seite, ergänzt um die reale Vertragsdokumentation und die konkrete Buchhaltungspraxis des Steuerpflichtigen.

Bitcoin-Perpetuals stehen damit beispielhaft für eine breitere Herausforderung im Steuerrecht: Finanzinnovation passt selten „eindeutig“ in historisch gewachsene Kategorien. Perpetuals wirken wie hybride Instrumente, die sprachliche und wirtschaftliche Elemente beider Welten aufnehmen. Sie sind nicht sauber „nur Future“ oder „nur Swap“, sondern kombinieren Indefinit-Duration und wiederkehrende Zahlungen mit zentralem Clearing, Standardisierung und kontinuierlicher Konvergenzlogik. Dass Regulierung und Steuerrecht dabei unterschiedliche Rollen spielen, ist kein Zufall, sondern Struktur: Die Behörde, die einen Handel als zulässig organisiert, entscheidet nicht automatisch darüber, wie das IRS einen Vertrag unter einer eigenen gesetzlichen Definition qualifiziert. Solange kein Steuerurteil oder eine gesetzgeberische Klarstellung die Perpetual-Kategorie adressiert, bleibt es daher bei einer offenen, fallbezogenen Subsumtion nach §1256 – und bei der Notwendigkeit, die zugrunde liegenden Argumente gegenüber einer möglichen späteren IRS-Auslegung belastbar zu machen.


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