ALBUQUERQUE / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Stadtrat von Albuquerque hat Krypto-ATMs (virtuelle Währungsautomaten) innerhalb der Stadtgrenzen verboten. Betreiber und die Händler, die die Geräte aufstellen, erhalten 45 Tage Zeit, um die Kioske zu entfernen. Die Begründung zielt vor allem auf Missbrauch: Laut einer Ratsbefürworterin sollen 90% der Transaktionen in Albuquerque mit Betrug zusammenhängen. Parallel weist die Stadt darauf hin, dass der Besitz, das Mining und die Übertragung von Krypto über Online-Börsen und persönliche Wallets weiterhin erlaubt sind.

In Albuquerque verschiebt sich der Umgang mit Krypto-Technologie spürbar vom „Selbstbedienungs“-Modell hin zu klaren lokalen Nutzungsschranken. Der Stadtrat verabschiedete eine Verordnung, die Krypto-Kioske mit ausgeprägter „Cashier“-Komponente untersagt – also genau jene Automaten, an denen Nutzer Geld einwerfen und die virtuelle Währung quasi am Schalter erhalten oder übertragen. Für die Betreiber der Geräte und für Einzelhändler, die ihre Standorte als Gastgeber bereitstellen, gilt dabei eine konkrete Frist: In 45 Tagen müssen die Automaten aus den Stadtgrenzen entfernt sein. Damit setzt Albuquerque nicht einfach nur ein symbolisches Signal, sondern koppelt das Verbot an eine operative Umsetzungszeit, die unmittelbar in den Betrieb der betroffenen Anbieter eingreift.
Die politische Argumentation im Kern: Der Stadtrat sieht in Krypto-ATMs vor allem einen Treiber für Betrugsfälle. District-1-Councilor Stephanie Telles nannte in einer Begleitkommunikation eine Kennzahl von 90% der Transaktionen in Albuquerque, die mit Betrug verbunden seien. In der Begründung heißt es außerdem, dass „legitime“ Nutzer solche Kioske nicht verwenden würden, weil die Gebühren hoch seien – und dass Betrüger die Eigenschaften der Automaten ausnutzen: Transaktionen laufen sehr schnell ab, sind nach Darstellung der Stadt schwer rückgängig zu machen und können zudem anonymisiert wahrgenommen werden. Ihre Ko-Sponsorin, Councilor Tammy Fiebelkorn, stellte die Dringlichkeit heraus: Man wolle nicht warten, bis „Bundesregulierer“ das Problem lösen, während Betroffene bereits in den eigenen Vierteln angegriffen werden.
Technisch betrachtet zielen solche Automaten auf eine spezifische Komfortlücke: Sie überbrücken die Hürde zwischen Bargeld und digitalen Assets, indem sie eine unmittelbare Umwandlung ermöglichen und den Nutzer damit weniger stark an Börsenportale oder Wallet-Setups binden. Gerade diese Nähe zu Bargeldströmen macht sie für Angreifer attraktiv. Im Unterschied zu klassischen Online-Transaktionen sind Krypto-ATMs oft in einem Ablauf eingebettet, der stark auf Geschwindigkeit optimiert ist und bei dem Nutzer in kurzen Momenten Entscheidungen treffen müssen: Geld einwerfen, den Anweisungen folgen, die Auszahlung erfolgt zu einer Wallet-Adresse, die der Nutzer (oder der Betrugsprozess) vorgibt. Wenn eine Adresse falsch oder manipuliert ist, lässt sich der wirtschaftliche Schaden im Nachhinein nur begrenzt korrigieren. Der Stadtrat betont daher nicht nur den Missbrauch als abstraktes Risiko, sondern verknüpft ihn mit dem operativen Charakter des Automatenbetriebs.
Damit steht Albuquerque in einer Reihe mit mehreren US-Bundesstaaten, die Krypto-ATMs bereits begrenzt oder ganz untersagt haben. Indiana erließ das erste landesweite Verbot im März, Tennessee folgte im Juli und Minnesota, dessen Verbot im Frühjahr in Aussicht gestellt wurde, trat im August in Kraft. Auch außerhalb des eigentlichen Verbotsbereichs nimmt der Druck zu: Für Delaware wurden entsprechende Gesetzesinitiativen vorangetrieben, New Jersey prüft eine ähnliche Regelung, und in Texas wurde ein Verbot nach Diskussionen im Gesetzgebungsprozess abgewogen. Hinter dem Muster steckt meist derselbe Gedanke: Kommunen und Bundesstaaten reagieren auf lokale Schadensbilder, weil sich dort häufig schneller ein politischer Konsens über konkrete Einschränkungen herstellen lässt als auf der Ebene umfassender Bundesregeln.
Ein weiterer Baustein ist die Markt- und Betreiberrealität. In den USA gerät der Krypto-ATM-Sektor zunehmend unter Druck, nicht nur durch Verbote, sondern auch durch die Frage, welche Geschäftsmodelle unter Compliance- und Risikoprüfungen überhaupt tragfähig sind. Der einst größte Anbieter in Nordamerika meldete im Mai Insolvenz nach Chapter 11 an und stellte einen großen Teil seiner rund 9.700 Kioske offline. Der CEO nannte dabei unter anderem Transaktionsgrenzen sowie in manchen Jurisdiktionen bestehende Restriktionen oder Verbote. Diese Entwicklung zeigt: Der Markt rechnet nicht nur mit einzelnen Regulierungsakten, sondern muss den Betrieb als „netzwerkfähiges“ System betrachten, das in jeder Stadt und in jedem Bundesstaat mit anderen Regeln kollidiert.
Auch bei bisherigen Vorfällen stützen Behörden die Sicherheitsargumente mit Zahlen. In Washington, D.C. hat die Generalstaatsanwaltschaft im vergangenen Jahr Klage gegen Athena Bitcoin erhoben; dabei wurde laut den Angaben in der Klageerhebung festgestellt, dass 93% der Einzahlungen in deren sieben Kiosken in einem Zeitraum von fünf Monaten das Ergebnis von Betrug gewesen sein sollen. Außerdem dokumentierte das FBI laut den vorliegenden Meldungen im Jahr 2024 nahezu 11.000 Beschwerden zu Betrugsfällen an Kiosken – mit einem Schadenswert von mehr als 246 Millionen US-Dollar. Die Größenordnung unterstreicht, dass es sich nicht um Randfälle handelt, sondern um einen wiederkehrenden Mechanismus, der vor allem ältere Opfer treffen kann; die Quelle nennt hier ein relatives typisches Muster mit einem Medianalter von 71 Jahren. Dass Athena dem widersprochen haben soll, zeigt zugleich: Die Debatte bleibt juristisch und faktisch umkämpft, doch die lokalen Verbotspolitiken zielen auf das Reduzieren der Schadensmöglichkeiten im Hier und Jetzt.
Für Unternehmen, die Krypto-ATMs bereitstellen oder betreiben, bedeutet Albuquerque damit vor allem eins: Betreiber müssen ihre Aufstellung kurzfristig auditieren und die Entfernung innerhalb der 45-Tage-Frist organisieren, inklusive Standortkommunikation gegenüber den Händlern. Für Wallet- und Börsenanbieter ist der Schritt dagegen weniger direkt, weil die Stadt weiterhin ausdrücklich erlaubt, Krypto zu besitzen, zu minen und über Online-Börsen oder persönliche Wallets zu übertragen. Interessant wird die Wirkung trotzdem: Wenn der „Bargeld-in-Krypto“-Pfad in bestimmten Regionen wegfällt, verlagern sich Nutzerströme auf andere Einstiegspunkte – etwa auf digitale Kanäle. Das kann den Druck auf Betrugsökosysteme verschieben, aber auch neue Angriffsflächen erzeugen, etwa über gefälschte Broker- oder Wallet-Angebote. Entscheidend für die nächste Phase ist deshalb weniger die Frage, ob Krypto technisch möglich ist, sondern wie schnell sich die Nutzerführung und die Schutzmechanismen entlang der gesamten Wertschöpfungskette durchsetzen lassen.
Unterm Strich ist Albuquerque ein klarer, kommunaler Eingriff in einen Bereich, der bisher häufig als „Convenience-Layer“ verkauft wurde. Die Kombination aus harter Frist, konkreten Betrugsvorwürfen aus dem Stadtrat und einer breiten Serie ähnlicher Verbote auf Bundesstaatsebene macht deutlich, dass Krypto-ATMs zunehmend als Hochrisiko-Schnittstelle behandelt werden. Wer in diesem Markt tätig ist, muss deshalb nicht nur regulatorische Änderungen im Blick behalten, sondern auch die Betriebslogik: Wo Bargeld, schnelle Transfers und irreversible Abläufe zusammenkommen, steigt die Angriffsrate. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Entfernung tatsächlich zu messbar weniger Schadensfällen führt – oder ob sich Betrugsmaschen einfach in andere digitale Einstiege verlagern.
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