REICHELSHEIM / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Mikrowellen-Startup IMP GmbH setzt seit 2023 auf industrielle Anwendungen statt Küchentechnik. Im Fachwerkhaus in Reichelsheim baut das Team Büros, Entwicklungslabors und eine kleine Werkstatt für den Dauerbetrieb seiner Anlagen auf. Mit mehreren Produktlinien, lizenzierten Patenten und einer zusätzlichen Förderung nach Leader-Strategie entsteht ein spezialisiertes Entwicklungskonzept für Prozesse in Chemie, Lebensmitteln, Kautschuk, Halbleitern und Batterieproduktion. Entscheidend bleibt dabei die Frage, wie schnell sich die energieeffiziente Prozesswärme im industriellen Maßstab verankern lässt.

Wer Mikrowellen nur aus der Küche kennt, wird bei IMP GmbH schnell eines Besseren belehrt: Das Startup aus Reichelsheim positioniert seine Technik ausdrücklich für industrielle Prozesswärme. Beim Besuch vor Ort machten Landrat Frank Matiaske und der Bereich Wirtschaftsförderung die Strategie sichtbar, die mit einem kleinen Entwicklerteam beginnt und später auf einen größeren Anlagenbetrieb zielt. Ziel ist es, Materialien nicht nur punktuell zu erhitzen, sondern gezielt, in geeigneten Prozessfenstern und langfristig auch über Stunden hinweg zuverlässig zu betreiben.
Technisch setzt IMP auf Mikrowellenerwärmung, die sich je nach Material und Prozess so steuern lässt, dass bestimmte Schritte schneller ablaufen und gleichzeitig weniger Energie benötigt werden können. Diese Eigenschaft ist für Industrien interessant, in denen Wärmeübertragung ein Engpass ist oder Prozesszeiten direkt auf Kosten und Durchsatz wirken. Im Fokus stehen laut Unternehmensdarstellung unter anderem Chemie- und Lebensmittelindustrie, die Kautschukverarbeitung, Anwendungen in der Halbleiter- und Batterieindustrie sowie die Herstellung von Düngemitteln und weiteren Materialien.
Die Umsetzung beginnt nicht in einer Versuchsanlage im Hinterzimmer, sondern mit einer klaren Infrastrukturplanung am aktuellen Standort in Reichelsheim. Seit 2023 ist IMP aktiv, seit rund drei Monaten arbeitet das Team am heutigen Platz in einem Fachwerkhaus, wo in den nächsten Monaten parallel zum Betrieb moderne Büros, Entwicklungslabors und eine kleine Werkstatt entstehen sollen. In diesem Setup beschreibt Co-Gründer und Geschäftsführer Moritz Gorath genau den Unterschied zur klassischen Mikrowelle: Die Geräte von IMP seien für den industriellen Einsatz gedacht und sollen dauerhaft, teilweise rund um die Uhr, betrieben werden können. Dabei nennt das Unternehmen als Anforderung, dass die Systeme in der Lage sind, große Mengen prozessual zu verarbeiten.
Organisatorisch trägt eine Mischung aus Erfahrung in der Mikrowellenbranche und interdisziplinärer Entwicklung die Vorhaben. Gorath ist nach seiner vorherigen Tätigkeit als Entwicklungsleiter bei einem Odenwälder Unternehmen selbstständig geworden und bringt damit Know-how aus der praktischen Produkt- und Entwicklungsarbeit mit. Aktuell arbeitet das Team mit sechs Personen; zum Kern gehören laut Darstellung Dr. Lucas Giller und Caspar Dorn. Dass die Entwicklung mehrere Produktlinien abdeckt, passt zur Idee, Mikrowellentechnik über einzelne Pilotfälle hinaus in wiederholbare Prozessketten zu überführen.
Auch der IP-Teil der Wachstumsstory zeigt, dass IMP den Übergang vom Prototyp zur Technologieverwertung ernst nimmt. Bereits drei Patente sind nach Unternehmensangaben lizenziert, ein weiteres Patent befindet sich in der Anmeldung, und weitere Schutzrechte werden vorbereitet. Ergänzt wird das durch Förder- und Gründungsbezug: Gorath erhielt im Zuge der Leader-Strategie rund 25.000 Euro, und 2023 wurde er mit dem Gründerpreis „Go“ ausgezeichnet. In dieser frühen Phase geht es damit nicht nur um Laborergebnisse, sondern auch um klare Mechanismen, um Erfindungen in verwertbare Bausteine zu verwandeln.
Besonders relevant für die technische Reife ist die Zusammenarbeit mit externen Partnern. IMP steht laut Quelle mit der TU Darmstadt, der Universität Stuttgart, dem Fraunhofer-Umfeld sowie der University of Oxford in Kontakt; außerdem sind regionale Unternehmen in die Umsetzung eingebunden. Solche Netzwerke sind in der Mikrowellentechnik typisch, weil Materialverhalten, Anlagengeometrien und Prozessparameter zusammenwirken und Labor- und Industrieanforderungen oft nicht vollständig in einem einzigen Team abgedeckt werden. Selbst bei Standardkomponenten wird auf regionale Lieferketten gesetzt: Als Beispiel nennt die Quelle die Firma Muegge aus Reichelsheim.
Marktseitig ist die nächste Baustelle weniger die grundsätzliche Machbarkeit, sondern die Skalierung in den industriellen Alltag. Der Landrat ordnete IMP als Beispiel ein, wie aus technischem Wissen und einer innovativen Idee ein Unternehmen entstehen kann, und verwies auf die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen durch den Odenwaldkreis und die Wirtschaftsförderung. Für das Startup bedeutet das konkret, dass derzeit die weitere Entwicklung des Standorts und die dafür notwendigen Rahmenbedingungen im Mittelpunkt stehen; mittelfristig könnte wegen des Wachstums zusätzlicher Platz benötigt werden. Für Anwender wiederum wird die Entscheidung davon abhängen, wie robust sich der Dauerbetrieb, die Prozesssteuerung und der Energievorteil im jeweiligen Produktionsumfeld nachweisen lassen.
Was hier entsteht, ist damit weniger eine „neue Mikrowelle“, sondern ein Technologieansatz für thermische Prozessschritte. Wenn es IMP gelingt, die mehrgleisige Entwicklung, die Lizenzierung des IP und die Laboreinbindung in einen verlässlichen Anlagenbetrieb zu überführen, kann sich Mikrowellentechnik als Werkzeug in Industriezweigen etablieren, in denen Durchsatz und Energieeffizienz gleichzeitig zählen. Gerade für Unternehmen, die ohnehin vor Umstellungen in Produktion und Energieverbrauch stehen, wird damit der konkrete Proof of Value entscheidend: nicht im Labor allein, sondern im Prozess, in der Linie und über Zeiträume, die über einzelne Testläufe hinausgehen.
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