LONDON (IT BOLTWISE) – Adobe meldet für das im August beendete dritte Quartal 13 Prozent Umsatzwachstum auf 6,76 Milliarden US-Dollar und liegt damit über den Erwartungen. Der Ausblick auf das vierte Quartal bleibt jedoch hinter der Analystenerwartung zurück und senkt spürbar die Stimmung. Im nachbörslichen Handel rutscht die Aktie um 2,35 Prozent ab, nachdem sie tagsüber bereits unter Druck geraten war. Gleichzeitig verschärft der laufende KI-Wettbewerb die zentrale Frage, ob Firefly schnell genug skaliert.

Adobe hat das dritte Quartal operativ stark gespielt, doch die Börse hat sich an der Vorschau für das vierte Quartal festgebissen. Für das am 28. August endende Geschäftsquartal meldete der Softwarekonzern einen Umsatzanstieg um 13 Prozent auf 6,76 Milliarden US-Dollar. Beim bereinigten Gewinn lag Adobe bei 6,13 Dollar je Aktie und übertraf damit die durchschnittliche Analystenschätzung von 6,08 Dollar je Aktie. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein überzeugender Performance-Check: sowohl Umsatz als auch Ergebnis lagen über den Erwartungen.
Der eigentliche Belastungspunkt lag aber im Forecast, nicht in der Vergangenheit. Für das am 30. November auslaufende Quartal erwartet Adobe einen Umsatz zwischen 6,8 und 6,85 Milliarden US-Dollar. Der Mittelwert dieser Spanne blieb unter der Konsenserwartung von 6,85 Milliarden US-Dollar. Beim bereinigten Gewinn je Aktie signalisiert der Konzern eine Zielspanne von 6,30 bis 6,35 Dollar; das passt grob zu den erwarteten 6,30 Dollar, reicht der Wall Street damit aber offenbar nicht als Beruhigung aus.
Wie schnell Unsicherheit in Kursbewegungen übersetzt, zeigt die unmittelbare Reaktion. In New York schloss die Aktie zunächst bei 248,83 Dollar, im nachbörslichen Nasdaq-Handel ging sie dann um 2,35 Prozent auf 242,99 Dollar zurück. Am Folgetag setzte sich der Abwärtstrend fort, zeitweise verlor der Wert an der Frankfurter Börse 3,44 Prozent. Schon vor der Veröffentlichung hatte die Aktie in diesem Jahr bereits rund 29 Prozent an Wert verloren, was Adobe zu den schwächeren großen Softwarewerten des Jahres macht. Für Investoren wird damit nicht nur das Quartal bewertet, sondern die Frage, wie belastbar der KI-Ansatz im Zusammenspiel mit der Preissetzung im Kerngeschäft ist.
Inhaltlich entzündet sich die Debatte an der Rolle generativer KI im Kreativmarkt. Adobe beschreibt sich selbst in der Defensive gegenüber einer Vertrauenskrise: Investoren zweifeln daran, dass die traditionellen Stärken von Photoshop & Co. in einem Umfeld bestehen, in dem KI-basierte Tools den Einstieg in die Bild- und Medienproduktion massiv erleichtern. Wenn visuelle Inhalte schneller und ohne die teuren Produktpakete erzeugt werden, verschiebt sich nicht nur der Wettbewerb, sondern auch die Erwartung an den Umsatzmix. Besonders relevant ist dabei, dass viele der neuen KI-Tools aus dem Wettbewerb heraus kommen und Arbeitsprozesse in andere Produkte integriert werden.
Im Marktvergleich wird diese Konkurrenz zudem breiter. Neben klassischen Kreativsoftware-Anbietern spielen zunehmend Tools für Alltagsnutzer und Entwickler-Workflows eine Rolle: Canva richtet sich gezielt an kleinere Teams und individuelle Nutzer, Figma rückt mit KI-Agenten von der reinen Gestaltung hin zu Code- und Produktentwicklung. Auch Chat-Umgebungen großer KI-Anbieter integrieren Bild-, Video-, Dokument- und Design-Workflows direkt in die Oberfläche. Hinzu kommt ein Wettbewerbsnarrativ, das zuletzt zusätzlich angeheizt wurde, nachdem aus der Branche Berichte aufkamen, dass ein großer KI-Anbieter keine Werbung für konkurrierende Bild- und Audio-Generierungsprodukte wie Firefly annehmen wolle. Konkrete Auswirkungen auf Adobes Funnel bleiben dabei natürlich schwer direkt zu messen, doch die Marktstimmung reagiert oft schneller als die Zahlen nachziehen.
Auf der anderen Seite verweist Adobe auf wachsendes KI-Geschäft und versucht damit, den Erwartungen an Beschleunigung eine solide Umsatzbasis entgegenzusetzen. Entscheidend ist dabei die Kennzahl AI-First-ARR, also wiederkehrende Umsätze aus originär KI-basierten Produkten. Im zweiten Quartal hatte sie sich bereits verdreifacht, im dritten Quartal wuchs sie weiter kräftig. Zusätzlich nennt Adobe ein Plus von 40 Prozent im Quartalsvergleich bei Firefly-Abonnements, Apps und Credit-Paketen. Gleichzeitig bleibt der Betrag im Verhältnis zu Adobes Gesamt-ARR deutlich kleiner: zuletzt lag dieser gut bei 27 Milliarden US-Dollar, darin enthalten sind unter anderem rund 480 Millionen US-Dollar aus der im April abgeschlossenen Übernahme von Semrush. Das Bild ist damit zweigeteilt: Wachstum im KI-Portfolio ja, aber die Größenordnung muss noch deutlich mehr Gewicht bekommen, um die traditionelle Preissetzung der Creative-Cloud-Geschäftsmodelle zu kompensieren.
Als Hebel für den nächsten Schritt nennt Adobe mehrere Initiativen, die das Wachstumstempo erhöhen sollen. Geplant ist die Übernahme von Topaz Labs, deren Technologie zur KI-gestützten Bild- und Videoverbesserung nahtlos in Creative Cloud und Firefly integriert werden soll; Adobe erwartet den Abschluss im vierten Quartal. Daneben steht eine Kooperation mit Saudi-Arabien im Raum, bei der mehr als 27 Millionen berechtigte Bürger und Einwohner zwölf Monate kostenlosen Zugang zu Firefly Standard und Express Premium erhalten sollen. Dabei liegt laut Adobes eigener Darstellung der genannte Wert von über 4 Milliarden US-Dollar beim Wert des kostenlosen Zugangs, nicht bei tatsächlich verbuchten Umsätzen. Solche Programme können dennoch strategisch wichtig sein, weil sie die Nutzerbasis beschleunigen und Daten- und Feedbackschleifen für Produktverbesserungen liefern, auch wenn die Umsatzwirkung zeitlich versetzt auftreten kann.
Die Unsicherheit nimmt in dieser Gemengelage zusätzlich durch einen Führungswechsel zu. Shantanu Narayen, CEO seit 2007 und bisher treibende Kraft hinter dem Übergang von verpackter Software zu Cloud-Abonnements, wechselt zum 1. Dezember 2026 in die Rolle des Executive Chair. Anil Chakravarthy übernimmt parallel als President und CEO; er war zuvor President der Sparte Customer Experience and Orchestration und hatte laut Quelle auch eine frühere Rolle bei Informatica. Narayen hatte in seiner Amtszeit den Jahresumsatz von unter einer Milliarde auf über 26 Milliarden US-Dollar gesteigert. Chakravarthy wiederum spricht von einer großen Chance im Bereich agentenbasierter Software. Gleichzeitig sorgt die parallel bekannte Nachricht, dass David Wadhwani, der Adobes Kreativ- und Produktivitätssparte fast fünf Jahre lang leitete, das Unternehmen verlässt, für weitere Instabilität in einer Phase, in der die KI-Transformation ohnehin stark von Tempo und Priorisierung abhängt.
Unter Investoren bleibt das Urteil gespalten – und genau diese Spaltung trifft auf ein Quartal, in dem der operative Teil überzeugt, die Guidance aber nicht. Der bekannte Investor Michael Burry bezeichnete die Aktie bereits im Mai als „Fat Pitch“ und begründete seine Sicht mit starkem Cash-Flow, einem 25-Milliarden-Dollar-Aktienrückkaufprogramm und der etablierten Marktposition. Dem steht die gegenteilige Position entgegen, die der frühere OpenAI-Forscher Leopold Aschenbrenner mit seinem Fonds Situational Awareness vertrat, als er auf eine Short-Position setzte; diese Wette wurde nach Angaben im Text im Juli wieder überwiegend aufgelöst. Für Anleger verdichtet sich damit eine Kernfrage, die sich durch ein einzelnes Quartal kaum beantworten lässt: Skaliert Adobes KI-Geschäft schnell genug, um die Preissetzungsmacht aus dem traditionellen Creative-Cloud-Geschäft zu halten, die generative KI zuvor zunehmend unter Druck gesetzt hat?
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