LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – The Salad Project steuert in diesem Jahr auf rund 33 Millionen Pfund Umsatz zu und zeigt damit, wie schnell sich ein gesundheitsorientiertes Quick-Food-Konzept skalieren lässt. Von 230.000 Pfund im Startjahr 2021 bis auf 18,5 Millionen Pfund im Jahr 2025 ist das Wachstum außergewöhnlich schnell. Der Lieferdienst Deliveroo trägt mit 30 Prozent stark zum Umsatz bei, die eigene App folgt mit 15 Prozent. Für das nächste Kapitel planen die Gründer die Expansion nach Paris und nehmen damit die europäische Hauptstädte ins Visier.

In London wirkt die Erfolgsgeschichte von The Salad Project auf den ersten Blick wie ein klassischer Skalierungsfall: ein wiederholbares Produkt, ein klarer Kundennutzen und ein Geschäftsmodell, das mehrere Vertriebskanäle parallel nutzt. Hinter der Zahlengröße steckt jedoch mehr als nur „gute Produkte“. Das Unternehmen, 2021 von Florian de Chezelles und James Dare gegründet, wächst inzwischen auf 16 Standorte in der britischen Hauptstadt und beschäftigt laut den Angaben mehr als 350 Mitarbeitende in London. Für den Markt ist das vor allem deshalb relevant, weil sich im Quick-Food-Segment ein harter Wettbewerb um Aufmerksamkeit und Frequenz abzeichnet, in dem Differenzierung über Menüarchitektur, Produktqualität und Auslieferungsleistung entscheiden kann.
Die Entwicklung bei Umsatz und Geschwindigkeit liefert dafür die erste harte Einordnung: Laut Quelle sprang der Jahresumsatz von 230.000 Pfund (Mai bis September 2021) auf 18,5 Millionen Pfund im Jahr 2025. Für das laufende Jahr wird der Umsatz mit 33 Millionen Pfund prognostiziert. Dabei kommt das Geschäft nicht nur über Filialbesuche zustande, sondern wird bewusst über Zustellung und eigene Kanäle verstärkt: 30 Prozent des Umsatzes entfallen auf den Lieferdienst Deliveroo, weitere 15 Prozent werden über die eigene App generiert. Diese Aufteilung ist für Unternehmen mit mehreren Standorten ein interessanter Hebel, weil sie einerseits die Reichweite im Bestellmarkt erhöht und andererseits die Abhängigkeit von externen Plattformen durch die App reduziert.
Technisch betrachtet beginnt „Skalierung“ hier nicht erst in der Distribution, sondern in der operativen Ausführung: Alles wird in eigenen Küchen frisch zubereitet, und jedes Restaurant hat einen Küchenmanager. Die Gründer formulieren damit ein Qualitätsprinzip, das sich in ihrem Anspruch an Konsistenz widerspiegelt. Florian de Chezelles bringt es mit einem Satz auf den Punkt, der wie ein internes Prüfprotokoll wirkt: „Wir sind wirklich nur so gut wie der letzte Salat, den wir gemacht haben“. Die Speisekarte ist auf unterschiedliche Ernährungsstile ausgerichtet – von veganen Varianten über Angebote mit Kalorienzahlen bis hin zu proteinbetonten Bowls. Dass überschüssiges Essen über Too Good to Go abgegeben wird, adressiert dabei nicht nur Verschwendung, sondern kann auch als Teil eines stabileren Kosten- und Prozessmanagements verstanden werden.
Die Finanzierung zeigt, dass der Weg nicht über „nur“ Risikokapital führte, sondern über mehrere Bausteine mit unterschiedlicher Risikoprofilierung. Den Angaben zufolge finanzierten die Gründer den Start mit einem persönlichen Startkredit von 25.000 Pfund von der Regierung, den de Chezelles innerhalb von fünf Jahren zurückzahlte, plus weiteren 25.000 Pfund aus Dares Ersparnissen. Dazu kamen 50.000 Pfund über das staatliche Bounce Back Loan Scheme, die bereits zurückgeführt sind, sowie 200.000 Pfund, die Freunde und Familie als Eigenkapital investierten und laut Quelle teils bis heute beteiligt sind. Besonders spannend ist in diesem Kontext, wie die Pandemie als überraschender Vorteil wirkte: Die Gründer unterzeichneten demnach einen Mietvertrag für ihre Traumlocation in Spitalfields zu einer Zeit, in der nicht jeder Vermieter bereit war, Verträge abzuschließen.
Der Ursprung der Idee verknüpft außerdem zwei Gegebenheiten: ein beobachteter Mangel im Heimatmarkt und ein pragmatischer Entwicklungsprozess. Laut Bericht entstand die Idee, als James Dare in New York gesunde Quick-Food-Produkte kennenlernte und in London vergleichbares nicht fand. Zusammen mit seinem Freund Florian de Chezelles, den er während des Studiums an der Ecole Hôtelière de Lausanne kennenlernte, entwickelten sie das Konzept in sechs Monaten abends weiter. Dass sie im November 2019 ihre Jobs kündigten und zunächst rund 80 leerstehende Immobilien besichtigten, verdeutlicht den unternehmerischen Fokus auf Execution. Auch die Investorenseite ist dabei kein reines „Finanzthema“: Zu den prominenten Geldgebern, die zuvor selbst Kunden waren, zählen Will Shu (Gründer von Deliveroo) sowie Nick Jones (Gründer von Soho House). Damit treffen persönliche Nutzungserfahrung und Kapital aufeinander – eine Konstellation, die in der Gastronomie- und Plattformwelt nicht selten ist, aber selten so früh zum skalierten Betrieb führt.
Für die operative Planung folgt daraus eine klare Strategie: Das Produkt muss nicht nur gut sein, sondern in jeder Filiale reproduzierbar wirken. Als Signature-Salat wird „The Goat“ mit Ziegenkäse, Honig-Senf-Hähnchen und gerösteten Walnüssen in Ahornsirup genannt, mit einem Preis von 12,95 Pfund. De Chezelles isst offenbar bis zu zwölf Mal pro Woche bei Salad Project, um Präsentation und Qualität zu prüfen. Das ist zwar kein KPI-Dashboard, aber eine konsequent gelebte Feedback-Schleife. Genau solche Mechanismen sind oft der Unterschied zwischen „ein Konzept, das in einer Location funktioniert“ und „ein Konzept, das sich als Kette stabil halten lässt“ – insbesondere wenn der Anteil von Plattformbestellungen so hoch ist wie hier.
Als nächstes Kapitel planen die Partner, noch in diesem Monat eine Niederlassung in Paris zu eröffnen. Das markiert den Beginn der Expansion in europäische Hauptstädte; Paris ist dabei inhaltlich passend, weil das Lifestyle- und Gastronomienetzwerk dort stark auf Trends reagiert. De Chezelles lebt laut Quelle mit seiner brasilianischen Ehefrau Bianca und zwei Töchtern in Paris, während seine Herkunft aus Lyon und sein Werdegang eine internationale Perspektive stützen: Schon als Kind kam er auf ein Internat in Yorkshire, später arbeitete er nach dem Studium in Lausanne als Vertriebsleiter im Waldorf Hotel in London, bevor er sich mit Dare selbstständig machte. Ergänzend wird eine persönliche Lektion aus finanziellen Fehlern betont: Als Teenager bezeichnet de Chezelles den Umgang mit Geld als „schrecklich“, geriet durch Parkstrafen in der Schweiz in Schulden von 8.000 Schweizer Franken und fand später laut Bericht durch lange Arbeitszeiten einen Ausweg. Sein Rat an Startups lautet sinngemäß, das wirtschaftliche Klima auszublenden und nur dann aufzugeben, wenn das Vorhaben nicht zur eigenen Arbeitsethik passt: „Ignorieren Sie das wirtschaftliche Klima…“ – und investieren Sie Herz und Seele, während Sie hart und kontinuierlich arbeiten.
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