MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Yotam Ottolenghi veröffentlicht am 3. September 2026 „Simple Too“ als direkte Fortsetzung seines „Simple“-Konzepts. Das Buch bringt 120 Rezepte auf rund über 300 Seiten und positioniert sich klar als Lösung gegen Zeitmangel im Alltag. Gleichzeitig werden die im Werk genannten Zubereitungszeiten von oft nur fünf bis zehn Minuten in Branchenrunden als schwer realistisch diskutiert. Mit Live-Auftritten in München und Köln soll das Konzept nun auch im deutschsprachigen Raum greifbar werden.

Mit „Simple Too“ setzt Yotam Ottolenghi auf eine konsequente Weiterführung seines „Simple“-Ansatzes: weniger Hürden, mehr Machbarkeit, ohne den eigenen kulinarischen Anspruch komplett zu glätten. Das Buch erscheint am 3. September 2026 und ist mit knapp über 300 Seiten sowie insgesamt 120 Rezepten klar auf Frequenz ausgelegt statt auf gelegentliche „Sonntagsküche“. Auffällig ist dabei nicht nur die Text- und Rezeptmenge, sondern auch die Positionierung über den Preis: Für das gebundene Werk nennt der Anbieter 40 Euro, womit sich das Projekt eher an Haushalte richtet, die regelmäßig kochen wollen, als an Leserinnen und Leser, die vor allem einzelne Spezialsammlungen sammeln.
Technisch betrachtet steckt hinter solchen Kochbuch-Konzepten eine Art Reduktionsarbeit an mehreren Stellen: Zutatenlisten werden so aufgebaut, dass sie in typischen Küchen funktionieren, die Schritte werden verdichtet und die Küchenprozesse werden stärker auf Planbarkeit getrimmt. Ottolenghi adressiert damit eine Zielgruppe, die kreative Küche grundsätzlich mag, aber im Alltag nicht bereit ist, für jedes Rezept eine komplette Mise-en-place-Schicht einzuplanen. Genau deshalb ist die „Nachfolge“ im Portfolio-Design relevant: Die Fortsetzung des „Simple“-Konzepts signalisiert, dass bewährte Muster aus früheren Publikationen weiterlaufen, während die Einstiegshürden für Hobbyköche gezielt sinken.
Gleichzeitig entsteht rund um die praktische Umsetzung eine Spannung, die in der Rezeption gerade bei kurzen Zubereitungszeiten schnell sichtbar wird. Laut Branchenberichten vom September 2026 werden die im Buch angegebenen Zeiten – oft fünf bis zehn Minuten – für Hobbykitchen als unrealistisch eingestuft. Das Problem ist weniger die reine Garzeit als die gesamte Prozesskette: Was bleibt, ist die Frage, wie stark Vorbereitungsaufwand, Zutatenbeschaffung, Schneide- und Rüstzeiten sowie das Timing von Pfanne, Ofen und ggf. Saucenkomponenten zusammenfallen. Wenn ein Rezept „schnell“ ist, hängt die Plausibilität im Alltag deshalb stark davon ab, ob die Zeitangabe nur die Zubereitung meint oder auch Zwischenstufen wie Abkühlen, Marinieren oder das saubere Portionieren nach dem Garen umfasst.
Der Markt liefert dafür einen nachvollziehbaren Kontext. Eine YouGov-Umfrage in Großbritannien aus dem Jahr 2026 zeigt, dass knapp ein Drittel der Befragten Essenslieferungen als eine Art Belohnung nutzt. Noch entscheidender ist jedoch der Faktor Zeitmangel: knapp unter 30 % nennen ihn als Hauptgrund für Bestellungen bei Lieferdiensten. Genau an diesem Punkt setzt „Simple Too“ als Gegenangebot an – nicht als Alternative zur Liefer-App im Sinne eines Lifestyle-Statements, sondern als Versuch, den Griff zur Bestellung zu verzögern oder zu ersetzen, indem das Eigenkochen als kurzfristig machbare Option gerahmt wird.
Für viele Haushalte entscheidet am Ende die Umsetzbarkeit über die Bereitschaft, ein Kochbuch wirklich durchzuarbeiten. Ausgerechnet hier wird die Diskrepanz zwischen Versprechen und Realität häufig sichtbar, wenn Rezepte im Buch zwar schnell wirken, aber im Alltag durch fehlende Routine oder unpassende Abläufe länger dauern. „Meal Prep“ und Wochenplanung sind deshalb nicht nur Schlagworte, sondern typische Werkzeuge, um aus einzelnen Rezepten eine verlässliche Praxis zu machen: Wenn Einkaufsliste, Portionierung und Vorarbeiten einmal sauber geplant werden, sinkt die wahrgenommene Komplexität deutlich. Dass die Diskussion um „Simple Too“ genau diesen Punkt berührt, ist folgerichtig, denn Zeitersparnis funktioniert selten durch Magie – sie entsteht meist durch Wiederholung und Vorbereitung, nicht nur durch weniger Schritte im Rezept.
Im deutschsprachigen Raum bekommt das Thema zudem durch den Veranstaltungsplan eine praktische Bühne. Für den November sind Live-Auftritte des Autors geplant, mit Stationen in München und Köln, bei denen das Publikum die Konzepte hinter den 120 neuen Rezepten direkt vom Urheber einordnen können soll. Solche Formate sind für Food-Marken wichtig, weil sie die Lücke zwischen gedruckter Anleitung und tatsächlichem Küchenverhalten schließen: Wer Zeitangaben skeptisch sieht, kann in einer Live-Session beobachten, wie schnell gearbeitet wird, welche Zutaten an welchen Stellen vorbereitet sind und wo die „fünf bis zehn Minuten“ im Prozess wirklich herkommen. Für die Marktstrategie heißt das: Der deutschsprachige Raum wird nicht nur als Absatzfläche behandelt, sondern bekommt durch Standorte mit persönlicher Anbindung an die Wurzeln des Autors eine stärkere emotionale Komponente.
Unterm Strich steht „Simple Too“ für einen klaren Versuch, Zeitmangel als Kaufargument in etwas Handfestes zu übersetzen. Das Rezeptversprechen ist attraktiv, aber die Kritik an den sehr kurzen Zubereitungszeiten zeigt, wie dünn die Messlatte zwischen „einfach“ und „alltagstauglich“ sein kann. Wenn Ottolenghi es schafft, Leserinnen und Leser mit passenden Routinen und realistischer Planung in die Umsetzung zu bringen, wird das Buch wahrscheinlich genau dort überzeugen, wo viele schnelle Kochformate scheitern: nicht beim theoretischen Zeitversprechen, sondern bei der täglichen Wiederholbarkeit in echten Küchen.
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