WOLFSBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – VW hat mit dem „Mission Efficiency“ eine seriennahe Elektrofahrzeugstudie vorgestellt, die auf ID.Polo-Technik basiert. Im Fokus steht ein cw-Wert von 0,158, begleitet von einer kleinen Stirnfläche und einem konsequent verkleideten Unterboden. VW nennt bei konstant 68 km/h einen Verbrauch von 6,48 kWh/100 km und erreicht auf einer 1.278 km langen Verbrauchsfahrt 7,51 kWh/100 km. Damit rückt der Autobauer die Aerodynamik als Hebel für Effizienz bei höheren Geschwindigkeiten in den Mittelpunkt.

VW Mission Efficiency: Studie mit cw 0,158 und extrem niedrigem Stromverbrauch
VW Mission Efficiency: Studie mit cw 0,158 und extrem niedrigem Stromverbrauch (Foto: IT BOLTWISE)
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VW setzt beim „Mission Efficiency“ bewusst weniger auf den Motor als auf die Strömung: Die Studie knüpft an der ID.Polo-Technik an und erreicht laut Wolfsburger Angaben einen cw-Wert von 0,158. Damit positioniert sich das Fahrzeug als Bestmarke für straßenzugelassene Automobile mit Zulassung im Alltag. Interessant ist dabei, dass VW nicht nur einen einzelnen Messwert nennt, sondern die Effizienz über mehrere Geschwindigkeitsbereiche und über unterschiedliche Fahrprofil-Setups begründet. Gerade für Unternehmen, die Energiesysteme im Fahrzeugbau planen, ist das mehr als Marketing: Wenn sich der Verbrauch bei steigender Geschwindigkeit so deutlich absenken lässt, verschiebt sich die technische Diskussion von „welcher Antrieb ist effizient?“ hin zu „wie reduziert man den Luftwiderstand strukturell?“

Der Kern der Reduktion sitzt an der Geometrie und den Details, die im regulären Fahrzeugalltag oft als Kompromiss gelten. VW nennt eine strömungsoptimierte Tropfenform, eine kleine Stirnfläche von 2,08 qm und kombiniert das mit aktiven Kü lluftklappen. Auffällig sind außerdem die konstruktiven Maßnahmen rund um Hinterräder, Unterboden und Rad-Reifen-Integration: Verkledete Hinterräder und ein vollständig verkleideter Unterboden sollen den Luftwiderstand deutlich senken. VW ordnet die Reifenräder als großen Treiber ein und sagt, dass die Rä der 25 bis 30 Prozent des Luftwiderstands verursachen. Entsprechend eng legt der Hersteller den Radlauf um den Radius des Reifens, um Verwirbelungen zu verringern, und verwendet Felgendeflektoren, die Luft daran hindern sollen, in die Felgen zu treten und dort erneut Turbulenzen zu erzeugen.

Die Wirkung zeigt sich laut VW vor allem bei hö heren Geschwindigkeiten. Bei 80 km/h liegt der Verbrauch mehr als 30 Prozent unter demjenigen des Serien-Polo, und bei 140 km/h benötigt der Mission Efficiency etwa so viel Energie wie der ID.Polo bei 100 km/h. Dass VW hier den Zeit- und Leistungshebel der Aerodynamik quantifiziert, macht die Studie für Ingenieure besonders anschlussfähig: In diesem Geschwindigkeitsbereich skaliert der Luftwiderstand stark, wodurch selbst kleine Verbesserungen der Form und der Oberflächengüte ü berproportional auf den Energiebedarf wirken. Dass VW als Idealfahrt mit 68 km/h auf ebener Strecke 6,48 kWh/100 km nennt, liefert zudem einen Referenzpunkt für die Skalierung in gleichbleibenden Situationen. Auf der Verbrauchsfahrt über 1.278 km von Wolfsburg via Poznań und Olmü tz nach Wien berichtet VW von 7,51 kWh/100 km; ohne Berü cksichtigung der Ladeverluste seien 6,89 kWh/100 km gemessen worden. Selbst die Durchschnittsgeschwindigkeit von 67,72 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von 138 km/h sind dabei relevant, weil sie die Vergleichbarkeit zu typischen Langstreckenprofilen erhöhen.

Technisch bleibt der Mission Efficiency nah genug an der Serienlogik, um Bauteile und Kennwerte über die Studie hinaus denken zu können. Aus der Serie übernimmt VW unter anderem die E-Maschine mit 99 Kilowatt und die Hochvoltbatterie; als Basis dient die MEB+-Plattform. Für die Reichweitenbetrachtung nennt VW nach WLTP einen Verbrauch von 8,4 kWh/100 km; bei einer nutzbaren Akkukapazität von 54,9 kWh soll das Fahrzeug 654 km weit kommen. Auf dem Papier zeigt sich damit auch die typische Herausforderung von Effizienzprojekten: Ein extrem niedriger cw-Wert ist zwar ein starker Hebel, doch der reale Verbrauch hängt genauso von Rollwiderstand, Leistungsspitzen, Innenraumklima und dem Fahrprofil ab. VW adressiert das im Design außerdem über weitere Komponenten im Verbrauchspfad, etwa durch ein Photovoltaiksystem mit 370 W Leistung, dessen Module sich im Glasdach und in der Heckklappe befinden.

Neben Aerodynamik und Energiekennzahlen achtet VW auch auf die Ausstattungs- und Gewichtslogik der Studie. Die Karosserie ist 4,78 m lang, aber rund 14 cm niedriger als der ID.Polo: Die Höhe liegt bei 1,39 m. Das Coupé bietet vier Sitzplätze und nennt 481 Liter Kofferraumvolumen, allerdings begrenzt VW die Rückbank auf Personen bis 1,60 m Kö rpergröße. Für Stauraum nutzt die Studie zudem einen seitlichen Bereich in der Karosserie, auf den sich per herunterklappbarer Radabdeckung zugreifen lässt; unter den Rücksitzen sollen weitere Ablagen vorhanden sein. Im Innenraum setzt VW auf leichte Verkleidungen und nennt als Beispiel eine mobile Bluetooth-Box als Ersatz für ein Lautsprechersystem, um Gewicht zu sparen. Nutzer sollen ihr eigenes Endgerät mitbringen, da es kein Zentraldisplay geben soll. Genau an dieser Stelle wird die Studie für Produkt- und Flottenentscheidungen interessant: Effizienz entsteht nicht nur durch Form, sondern auch durch die Reduktion von Masse und Nebenverbrauchern.

Ob und wie viel davon in die Serie wandert, bleibt offen, aber VW deutet an, dass es über rein aerodynamische Maßnahmen hinausgeht. Dazu könnte auch eine elektromechanische Bremse gehören, die gemeinsam mit dem Zulieferer Aumovio entwickelt wurde. Das als Brake-by-Wire bezeichnete System zielt darauf ab, Reibverluste zu reduzieren und dadurch außerdem Leitungen sowie Bremsflü ssigkeit einzusparen. Damit berührt die Studie Themen, die für die industrielle Umsetzung wichtig sind: Wenn Energieflüsse stärker über Elektronik als über mechanische Reserven gesteuert werden, verändern sich Prüfprozesse, Systemarchitektur und die Anforderungen an Diagnose und Regelungsqualität. Im Marktvergleich ordnet VW den Mission Efficiency zusätzlich ein: Mercedes-Benz hatte bereits eine sehr effiziente Konzeptstudie mit dem „Vision EQXX“ gezeigt, dessen cw-Wert bei 0,17 lag und damit knapp über dem VW-Wert. Gerade diese Gegenüberstellung macht klar, woran sich die Branche derzeit misst: nicht an einer einzelnen Innovation, sondern an der Summe aus Strömungsdesign, Antriebsplanung, Energiemanagement und messbarer Effizienz im Betrieb.

Für Entscheider in Unternehmen ist die Botschaft daher zweigeteilt: Erstens zeigen die Zahlen, dass Aerodynamik bei Elektroautos nicht „nice to have“, sondern ein zentraler Wirkungshebel für den Energieverbrauch im Geschwindigkeitsbereich oberhalb des Stadtverkehrs ist. Zweitens macht VW mit der MEB+-Nähe und den genannten Serienbauteilen deutlich, dass solche Effizienzprogramme in eine realistische Entwicklungs- und Zulieferlandschaft übersetzt werden können. Wenn sich die Konzepte aus Mission Efficiency künftig in Serienmodellen wiederfinden, wird das die Diskussion über Ladeleistung, Reichweitenmarketing und Flottenkosten neu ausbalancieren – nicht über neue Chemie allein, sondern über bessere Energiebilanz pro Kilometer. Gleichzeitig bleibt offen, welche Details wie etwa Radabdeckung, Unterbodenschutz, aktive Kü lluftklappen oder Brake-by-Wire in welchen Stückzahlen und zu welchen Kosten in der Breite ankommen.


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