LONDON (IT BOLTWISE) – Nothing positioniert das Phone (4b) als günstige Einstiegsvariante im eigenen Smartphone-Portfolio und übernimmt dafür die bekannte Glyph-Bar-Optik. In den Messungen zeigt sich jedoch ein klarer Zielkonflikt: Die Displayhelligkeit erreicht die beworbenen 2.000 cd/m² nicht und bleibt bei einem Spitzenwert von 1.160 cd/m². Besonders stark fällt dagegen die Akkulaufzeit aus, denn der 5.200-mAh-Akku liefert in WLAN-Websurfing rund 21 Stunden. Dazu kommt ein spürbarer Verzicht bei Basis-Features wie eSIM, während Wi‑Fi in Tests als langsam beschrieben wird.

Das Nothing Phone (4b) tritt im Smartphone-Markt an einer Stelle an, an der viele Käufer sehr konkret vergleichen: beim Mix aus Einstiegspreis, Display-„Wow“-Faktor und Alltagstauglichkeit. Laut den vorliegenden Testergebnissen bleibt das Gerät preislich attraktiv, kombiniert jedoch nicht alle Premium-Elemente konsequent, sondern setzt klare Schwerpunkte. Was sofort auffällt, ist die Rückführung in die Designfamilie: Die Glyph Bar, bereits aus dem Phone (4a) bekannt, sitzt auch hier – nur eben in einer kleineren Ausprägung. Dazu kommt ein großes 6,77-Zoll-AMOLED-Display mit 120 Hz Bildwiederholrate, das auf dem Datenblatt nach „High-End-Feeling“ klingt und im Alltag vor allem bei typischen System- und Scroll-Animationen den Unterschied macht.
Technisch betrachtet entscheidet beim Display aber nicht der Werbesatz, sondern die Messung. In den Tests erreicht das Panel zwar eine hohe Helligkeit, bleibt jedoch deutlich hinter dem Ziel von 2.000 cd/m² zurück: maximal werden 1.160 cd/m² gemessen, plausibel mit der Einschränkung, dass dieser Peak eher für sehr kleine weiße Flächen gedacht ist. Für Nutzende bedeutet das vor allem draußen bei Sonne eine schnellere Wahrnehmbarkeit von Inhaltsdimmen – das Display kann dann „etwas schwerer ablesbar“ wirken. Interessant ist zudem, dass der PWM-Dimming-Mechanismus mit 480 Hz arbeitet. Für die meisten ist das wahrscheinlich unkritisch, doch wer empfindlich auf Flimmern reagiert, kann bei solchen Frequenzen trotzdem Unbehagen entwickeln. Positiv sind dagegen die übrigen Panel-Eigenschaften: Super AMOLED, 2344 × 1080 Pixel sowie ein sehr gutes Antwortverhalten in den Messreihen, das schnelle UI-Bewegungen und auch anspruchsvollere Spiele-Lasten grundsätzlich unterstützt.
Beim Kamera-Setup zeigt Nothing einen pragmatischen Ansatz ohne Kompromiss bei der Basisqualität – aber mit klaren Grenzen im Detail. Das System arbeitet mit einer kleinen Hauptsensor-Auslegung, die in schwachem Licht sowie bei Gegenlicht schnell an ihre Grenzen kommt. OIS ist immerhin an Bord, was Verwacklungen bei längeren Belichtungszeiten reduziert. Ein Teleobjektiv gibt es dagegen nicht, Zoom findet damit ausschließlich digital statt; die Testbeobachtung beschreibt entsprechend eine deutliche Qualitätsverschlechterung beim Vergrößern. Parallel bleibt die Ultraweitwinkel-Kamera zwar „ein Bonus“, aber die Bildqualität wird als nicht besonders überzeugend eingeordnet. Die Frontkamera liefert derweil solide Ergebnisse, solange ausreichend Licht vorhanden ist – das ist für viele Alltags-Szenarien relevant, etwa bei Tageslicht-Videoanrufen oder Portraits im Freien.
In der Kategorie „Alltag & Konnektivität“ rückt dann ein Aspekt in den Fokus, den man bei Einsteigergeräten oft unterschätzt: WLAN- und Basis-Kommunikationsleistung. Der Bericht kritisiert langsames Wi‑Fi, obwohl die Verbindung als stabil beschrieben wird. Dazu passt das Antennen-Setup: Nothing spendiert dem Phone (4b) kein besonders leistungsfähiges Design, wodurch zwar die Zuverlässigkeit hoch bleibt, aber die Geschwindigkeiten unter Last oder in vergleichbaren Netzsituationen hinter der Konkurrenz zurückfallen können. Auffällig ist außerdem die Entscheidung gegen eSIM-Unterstützung. Für bestimmte Nutzergruppen – etwa Vielreisende oder Nutzer mit mehreren Profilen – kann das mehr Aufwand bedeuten als „nur“ ein fehlendes Feature. Bei der Sprachqualität wird dagegen ein gutes Niveau genannt: Am Ohr klingt es verständlich, Hintergrundgeräusche werden aber weniger stark herausgefiltert als man es sich wünschen würde.
Am stärksten sticht das Phone (4b) jedoch in einem Punkt hervor, der für viele Käufer kaufentscheidend ist: Laufzeit. Der 5.200-mAh-Akku liefert in den Messungen eine rund 21 Stunden lange WLAN-Websurfing-Session (Chrome 153). Gleichzeitig wird die Batterie als vergleichsweise robust eingeordnet: Mit 1.400 Ladezyklen ist das Gerät nicht nur auf „schnell durch den Tag“ getrimmt, sondern zeigt auch eine längere Lebensdauer-Perspektive. Hier wirkt auch die Portfolio-Strategie: Nothing reserviert die größere 6.000-mAh-Variante offenbar für den indischen Markt, während das Phone (4b) in Deutschland beim kleineren Akku bleibt. Dazu kommt der sonstige Preis-/Leistungs-Charakter: Das Gerät ist in Deutschland laut den Angaben nur mit 128 GB Speicher verfügbar, microSD fehlt. Diese Kombination aus begrenztem Speicher und ohne Erweiterungsmöglichkeit kann für Mediennutzer oder große Foto- und Videobibliotheken zum Engpass werden.
Der Marktvergleich innerhalb der Nothing-Familie macht die Trade-offs besonders deutlich. Im Testzeitraum war das Phone (4a) mit identischer Speicherbestückung an manchen Stellen sogar günstiger als das Phone (4b). Das heißt: Wer einzig auf den Preis schaut, sieht sich mit einer klaren Frage konfrontiert – warum mehr zahlen? Die Antwort liegt laut Bericht in der Batterieperformance: Dort liefert das Phone (4b) einen spürbaren Vorteil. Ein weiterer Punkt, der das Paket abrundet, ist die Preis-Leistungs-Positionierung: Das Phone (4b) kostet im Hersteller-Shop 329 Euro, und es gibt die Erwartung, dass ein etwas stärkerer Preisrutsch es zu einer noch attraktiveren Alternative macht. Für Unternehmen und technische Entscheider zählt dabei vor allem die Planbarkeit: Update-Policy ist mit 3 Jahren Android-Updates (bis 07/2029) und 6 Jahren Sicherheits-Patches (bis 07/2032) dokumentiert. In Verbindung mit dem angegebenen IP64-Schutz (nur Spritzschutz, nicht „wasserdicht“ im Alltagsverständnis) passt das zu einem Gerät, das eher auf verlässliche Alltagsnutzung ausgelegt ist als auf extreme Outdoor-Szenarien.
Aus Sicht der Technik- und Produktstrategie ist das Phone (4b) damit ein gutes Beispiel für bewusstes Schichten statt „alles auf einmal“. Nothing nutzt die Wiedererkennbarkeit durch Glyph Bar und kombiniert sie mit einem großen AMOLED-Panel, reduziert aber an Stellen, die die Kosten treiben oder die für den Zielpreis weniger wichtig sind: kein Teleobjektiv, kein eSIM, kein microSD und beim WLAN-Setup eher zurückhaltend. Gleichzeitig wird die Kernkompetenz der Plattform sichtbar – Energieeffizienz und Ausdauer – und schafft so eine klare Profilierung gegenüber dem eigenen Vorgänger. Für Käufer heißt das: Wer hauptsächlich Akkulaufzeit und ein helles, flüssiges Display im Alltag sucht, findet hier einen starken Kandidaten. Wer dagegen maximale Displayhelligkeit im direkten Sonnenlicht, flexible Speichererweiterung oder „moderne“ SIM-Optionen erwartet, wird mit dem Phone (4b) eher Kompromisse einkalkulieren müssen.
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