NATIONAL HARBOR / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Verantwortlichen der US Air and Space Forces zeigen, warum das DAF Battle Network von einer Architekturidee zu einer real nutzbaren Betriebsfähigkeit gewachsen ist. Im Fokus stehen offene Architekturstandards, die Interoperabilität über rund 50 Programme of Record hinweg durchsetzen sollen. Außerdem verbinden sie Boden- und Luftfähigkeiten über die Space Data Network mit dem Ziel, Daten trotz elektronischer Gegenmaßnahmen rechtzeitig bereitzustellen. Parallel soll KI in Air Operations Centers die Missionplanung dynamischer machen.

Die Diskussion um das DAF Battle Network wirkt auf den ersten Blick wie ein weiteres Modernisierungsprogramm im Bereich Command, Control, Communications and Battle Management (C3BM). In der Praxis geht es aber um eine andere Art von „Netz“-Denke: Das Netzwerk wird als System verschiedener Teilsysteme beschrieben, das im Einsatz Datenwege, Entscheidungsprozesse und Plattformlogik zusammenführt. Auf dem Air, Space and Cyber Conference Panel wurde dabei betont, dass es nicht um „eine“ Plattform oder ein einzelnes Programm geht, sondern darum, vorhandene Fähigkeiten zu verknüpfen, die als nächste benötigten Komponenten nachzuziehen und die Zusammenarbeit so zu erzwingen, dass sich daraus ein belastbarer Entscheidungsbonus für die Truppe ergibt.
Technisch betrachtet nimmt die Idee damit eine Brücke zwischen Architektur und Betrieb ein. Das Panel ordnete das DAF Battle Network ausdrücklich von einem konzeptionellen Entwurf hin zu einer real-time operational capability ein, die Kommandeuren, Operatoren und „joint warfighters“ bereits heute einsetzen. Als konkrete Hebel fielen Begriffe wie Hybrid Architecture, Edge Computing sowie Upgrades für Air Operations Centers. Darüber hinaus wurde das Tactical Operations Center-Light als Prototyp eingeordnet, der in dieser Kette nicht nur „angebunden“, sondern als Teil einer funktionierenden Operations-Umgebung erprobt wird.
Entscheidend ist, dass diese Integration nicht im luftleeren Raum erklärt wird, sondern mit Referenz auf Lessons Learned aus jüngeren Operationen. Dabei wurde die Einbindung in das Joint Fires Network (JFN) sowie die Zusammenarbeit mit der Navy genannt, konkret mit dem Ziel, JFN in Test- und Operational Use zu bringen. Besonders interessant war der Hinweis, dass neue Fähigkeiten in Air Operations Centers ankommen, darunter auch KI-Unterstützung für Missionen. Ergänzt wird das durch „dynamic mission planning“, also die Fähigkeit, Aufgaben in einem sich verändernden Lagebild schneller umzusetzen als es klassische, stark statische Planungszyklen erlauben.
Auf der Kommunikations- und Transportseite verschiebt sich der Schwerpunkt ebenfalls. Die Aussagen zielten darauf, dass sowohl beyond-line-of-sight als auch line-of-sight Kommunikationswege überarbeitet werden. Gleichzeitig sollen boden- und luftseitige Fähigkeiten mit dem Space Data Network der Space Force verbunden werden. Aus Systems-Engineering-Sicht ist das ein wichtiger Punkt, weil die Datenbewegung unter intensiven Bedingungen elektronischer Kampfführung (Electronic Warfare) robuste Transportpfade braucht. Das Panel beschrieb genau diesen multilayered Transport-Ansatz als Voraussetzung, um Daten so zu bewegen, dass sich die „long-range kill chains“ in der Geschwindigkeit der operativen Relevanz schließen lassen.
Auch das Governance- und Beschaffungsmodell wird als Teil der technischen Umsetzung dargestellt. Brig. Gen. Joshua Williams erläuterte, dass seine Rolle als Portfolio Acquisition Executive für Command, Control, Communications and Battle Management (C3BM) nicht dem klassischen Plattform-Einkauf entspricht. Unter dem im Januar 2026 gestarteten mission-focused PAE-Modell verfügt sein Office über DAF-level acquisition authority. Damit soll es möglich werden, offene-Architektur-Standards durchzusetzen und Interoperabilität zu zertifizieren – und zwar nicht nur innerhalb weniger Einzellösungen, sondern über etwa 50 zentrale Programme of Record sowie darüber hinaus.
Die eigentliche Multi-Domain-Integration wird im Panel dann über Orchestrierung von Orbital-Assets konkretisiert. Agrawal, military deputy for space für C3BM, stellte dar, dass orbitalbasierte Elemente wie das Space Data Network und space-based moving target indicators so „synchronisiert“ werden sollen, dass sie in Echtzeit mit atmosphärischen Plattformen zusammenpassen. Der Punkt ist weniger, dass ein Domain-Bereich die anderen ersetzt. Vielmehr entsteht der operative Vorteil aus Redundanz und aus mehreren taktischen Optionen, die Kommandeuren durch die integrierte System-of-Systems-Sicht überhaupt erst verfügbar werden.
Am Ende lenkten die Diskussionsteilnehmer die Erfolgsmessung weg von einer reinen Roadmap-Logik. Als Maßstab gilt nicht primär die Zukunftsplanung oder die reine Zahl ausgerollter Systeme, sondern die operativen Optionen, die den Warfighter heute erreichen. Besonders deutlich wird damit der Zielkonflikt, den viele Unternehmen aus der Produkt- und Plattformentwicklung kennen: Wenn Integration zu komplex wird, bleibt sie in Projekten stecken; wenn sie hingegen als „easy integration“ gedacht und über Standards, Zertifizierung und gemeinsame Planungssessions gelebt wird, kann sie in dynamischen, umkämpften Umgebungen tatsächlich Entscheidungsvorteile erzeugen. Damit rückt für die KI-Entwicklung in diesem Umfeld vor allem die Frage in den Vordergrund, wie schnell KI-gestützte Planungs- und Auswertungsschritte in bestehende Operations-Workflows eingebettet und unter realen Lagen zuverlässig betrieben werden können.
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