LONDON (IT BOLTWISE) – KI-Chatbots liefern bei Reiseplänen oft generische Vorschläge, wenn die Prompts zu kurz bleiben. Mit einem ausführlichen Reiseprofil, konkreten Präferenzen und iterativen Rückfragen lässt sich die Qualität deutlich steigern. Gleichzeitig zeigen praktische Tests: Begrenzter Zugriff auf Quellen und Halluzinationen können falsche Empfehlungen erzeugen. Wer die Antworten mit verifizierbaren Quellen prüft und ein dediziertes Reisearbeits-„Projekt“ nutzt, arbeitet verlässlicher.

So verbessert KI-Reiseplanung die Ergebnisse: bessere Prompts statt Bauchgefühl
So verbessert KI-Reiseplanung die Ergebnisse: bessere Prompts statt Bauchgefühl (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer Künstliche Intelligenz (KI) heute für Reiseplanung nutzt, trifft schnell auf dasselbe Muster: Aus einer einzigen, vagen Anfrage wie „Plane mir ein Wochenende in Chicago“ wird am Ende ein Vorschlag, der zwar höflich klingt, aber wenig Überraschung liefert. Genau das wird in einem Praxisbericht deutlich, in dem die Autoren Prompts für mehrere KI-Modelle gezielt so umbauen, dass sie nicht nur „Reise“ abbilden, sondern die Person dahinter. Ethan Mollick, Professor für KI-Auswirkungen an der Wharton School, bringt das sinngemäß auf den Punkt: Chatbots seien keine Orakel, aber sie können deutlich bessere Resultate liefern, wenn man sie wie einen klugen Gesprächspartner behandelt und ihnen relevante Kontextdetails gibt.

Der technische Kern hinter den besseren Ergebnissen ist Prompt-Engineering im Alltag: Je konkreter die Eingaben, desto präziser kann das Modell über Ziele, Constraints und Prioritäten iterieren. In dem Test wurden zwei fiktive Fünf-Tage-Reisen für zwei Städte entworfen, um unterschiedliche Erfahrungsniveaus abzudecken: für São Paulo einmal für Erstbesucher, einmal für einen erfahrenen New-York-Aufenthaltsplaner. Statt nur einen Tagesablauf zu verlangen, funktionierte es besonders gut, zuerst ein persönliches Reiseprofil zu schreiben und es dann als zusammenhängenden Kontext in den Chat einzuspeisen – inklusive Vorlieben (etwa „quirky“ lokale Tourguides), Abneigungen (z. B. gegen internationale Hotelketten) und einer konkreten Regel, wie Restaurants ausgewählt werden sollen (z. B. Sprache der Bewertungen oder thematische Anbindung an bestimmte Stadtteile).

Damit das Modell daraus wirklich Entscheidungen ableitet, wird der Prompt im nächsten Schritt dynamisch gemacht: Man soll den Bot an jeder Stelle nach Klärungsfragen fragen lassen und den eigenen Kontext verfeinern. Praktisch heißt das in dem Bericht: Beim Import des Reiseprofils wurde jedes Mal verlangt, dass das System fünf Folgefragen stellt. Bei der New-York-Variante drehte ein Modell die Schraube „Bereitschaft für längere Wege innerhalb der Stadt“ auf und schlug daraufhin Alternativen vor, die für eine realistische Auswahl entscheidend sind. Der entscheidende Punkt ist dabei weniger die einzelne Empfehlung als das iterative Vorgehen: Der Bot kann nur das optimieren, was man ihm verständlich macht – und wenn er an Stellen nachfragt, die man selbst übersehen hätte, sinkt die Gefahr von Zufallstreffern.

Gerade im Reisealltag zeigt sich aber auch die zweite, ebenso wichtige Technikschicht: Wissensgrenzen und eingeschränkter Zugriff auf Quellen. KI-Modelle können nicht „ins Internet schauen“, wo man sie gerade braucht, weil Inhalte gesperrt sein können oder weil es Lizenz- und Integrationsabsprachen gibt. In dem Test wird sichtbar, dass manche Bots Reddit direkt nutzen, andere nicht; ebenso kann der Zugriff auf Reiseportale wie Tripadvisor variieren. Dazu kommt, dass Nutzer-Reviews nicht immer vollständig übertragen werden, und dass Inhalte nicht nur zeitlich veralten können, sondern auch schlicht nicht in der Antwort enthalten sind, weil die Quelle fehlt. Deshalb empfiehlt der Bericht, die Wissensbasis abzuklopfen: Einen bevorzugten Quellennamen nennen und fragen, ob der Bot darauf zugreifen kann – oder die KI bitten, die URLs zu nennen, auf die sie sich stützt.

Noch deutlicher wird der Nutzen von Verifikation, wenn man auf Halluzinationen stößt. Der Bericht beschreibt, dass ein Modell bei angekündigten Google-Maps-Informationen trotzdem Empfehlungen gab, die laut tatsächlichem Stand offenbar nicht mehr offen waren. In einem anderen Fall führte ein Bot falsche Bezüge an – er verwies auf Quellen wie Expedia oder Booking.com, während der Abgleich mit Google-Rezensionen dann doch nicht erfolgt war. Besonders lehrreich ist die Beobachtung, dass auch Modelle, die ansonsten brauchbare Inhalte liefern, Fehler machen können: Der richtige Umgang ist deshalb nicht „KI aus dem Prozess entfernen“, sondern jede Planungspassage unabhängig zu prüfen, bevor man Zeit und Geld investiert.

Wer den Workflow richtig aufsetzt, macht KI zudem zu einer wiederverwendbaren Arbeitsumgebung statt zu einem einmaligen Zufallsratgeber. Im Test hat sich „dedizierte Reisearbeit“ bewährt: Projekt- oder Feature-Funktionen in ChatGPT und Claude, die einen laufenden Austausch für Urlaubspläne von anderen Anfragen trennen. So bleibt das Reiseprofil konsistent, und spätere Anpassungen – etwa wenn sich ein Tag verschiebt oder eine Unterkunft doch nicht passt – bauen auf demselben Kontext auf. Ein Modell ohne exakte Projektfunktion (im Bericht für Gemini genannt) kann das zwar teilweise indirekt abbilden, aber das Grundprinzip bleibt gleich: längere, strukturierte Eingaben plus Feedbackschleifen verbessern die Qualität.

Für Unternehmen und beratungsnahe Nutzer lässt sich daraus eine praktische Erkenntnis ableiten: KI-gestützte Planung ist am effektivsten, wenn sie in einen kontrollierten Prozess eingebettet ist. Dazu gehört erstens ein klarer Input-Standard (Reiseprofil, harte Präferenzen, Ausschlusskriterien), zweitens ein qualifizierendes Gespräch (Folgefragen und Nachjustieren) und drittens ein Sicherheitsnetz über Quellenprüfung. Gerade weil Chatbots auf begrenzten Datenzugriff und teilweise veraltete oder unvollständige Informationen reagieren können, lohnt sich eine Routine, die Verlässlichkeit messbar macht: URLs prüfen, Öffnungsstatus verifizieren und für kritische Bausteine nicht blind der ersten Empfehlung folgen. Dann wird aus KI nicht die „Ersatz-Planungsmaschine“, sondern ein sehr schneller Co-Pilot, der die Reiseideen eher schärft, statt sie einfach zu ersetzen.


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