LONDON (IT BOLTWISE) – Apple hat den Herzsensor der Apple Watch Series 12 offenbar deutlich überarbeitet und erfasst den Puls nun in kurzen Intervallen auch außerhalb aktiver Phasen. In einem Vergleichstest wird die Uhr dabei gegen die ECG-Brustlösung Polar H10 antreten. Der Abgleich zeigt vor allem bei Indoor-Cycling sehr hohe Übereinstimmung, während bei Running und Krafttraining leichte Abweichungen auftreten. Zusätzlich prüft der Tester, wie verlässlich die Schritte der Uhr im Alltag gezählt werden.

Die Apple Watch Series 12 steht weniger wegen neuer Design-Linien im Fokus als wegen des, was sich unter der Glasfläche ändert: Apple hat den Herzsensor im Kern neu aufgesetzt. Für Nutzer ist das vor allem dann spürbar, wenn die Uhr nicht gerade ein Training „aktiviert“, sondern den Tag im Hintergrund mitliest. Laut Beschreibung des Tests misst die Series 12 den Herzschlag nun in Intervallen von fünf Sekunden – damit entsteht ein dichteres Pulsprofil über alltägliche Situationen hinweg, von körperlicher Belastung wie Gartenarbeit bis zu Momenten, die eher emotional als sportlich sind.
Der praktische Maßstab des Vergleichs stammt aus einer anderen Messwelt: Für den Abgleich wird die Apple Watch Series 12 gegen eine Polar H10 ECG-Brustgurt-Lösung gesetzt. Die Polar H10 nutzt im Kern eine EKG-nahe Erfassung über Elektroden am Brustkorb, während die Smartwatch klassisch optisch arbeitet. Genau deshalb ist der Vergleich interessant, weil er die Grenzen von Handgelenksmessungen sichtbar macht, etwa wenn Bewegungen, Armwinkel oder Muskelaktivität das optische Signal verfälschen können. In den getesteten Szenarien schaut der Tester insbesondere darauf, wie stark die Herzrate der Uhr die zeitliche Dynamik der Brustmessung trifft.
Beim Indoor-Cycling fällt der Unterschied am geringsten aus: Die Herzfrequenz der Series 12 lag hier nahezu identisch mit den Polar-H10-Werten. Das ist technisch plausibel, denn beim stationären Radfahren sind Handgelenksbewegungen meist kontrollierter und das Licht-/Gewebesignal bleibt länger stabil. Auch für den Alltag gilt: Je weniger „Rauschen“ im optischen Messkanal entsteht, desto näher landet die Smartwatch an einer Referenzmessung. Dass der Test hier eine besonders starke Übereinstimmung zeigt, unterstreicht zugleich, warum viele Smartwatch-Algorithmen ihre größte Stärke in Bewegungsprofilen entwickeln, die das Signal relativ ruhig lassen.
Im Lauftraining bleibt die Uhr ebenfalls brauchbar, aber nicht perfekt: Beim Running nennt der Tester eine Korrelation von 0,98 gegenüber der Polar H10. Gleichzeitig weist er auf kleinere Abweichungen bei höheren Herzraten hin. Genau diese Randbereiche sind für viele Nutzer relevant, weil Pulswerte oberhalb bestimmter Trainingsintensitäten im Alltag schnell „kippen“ können – etwa beim Sprinten zur Bahn oder beim zügigen Hochintensivteil. Dass die Korrelation nicht bei 1,0 liegt, deutet weniger auf eine grundsätzliche Fehlmessung hin, sondern eher auf die klassische Herausforderung wristbasierter Sensorik: Mehr Bewegung und mehr physiologische Dynamik erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass der Algorithmus mehr glätten, verwerfen oder neu zuordnen muss.
Besonders aufschlussreich ist das Krafttraining. Der Tester bezeichnet Weightlifting traditionell als eine der schwierigsten Disziplinen für Handgelenkspuls, und die Zahlen stützen das: Die Series 12 erreicht im Vergleich eine Korrelation von 0,97 – damit ist sie in diesem Szenario die schwächste der drei Übungen. Gleichzeitig hält der Test fest, dass das Ergebnis „quite good“ sei und die Uhr damit über den meisten getesteten Geräten für diese Kategorie liege. Für Entscheider in der Praxis ist das wichtig, weil viele Menschen ihre „echten“ Trainingsdaten nicht im Cardio-Fokus, sondern in gemischten Workouts sammeln. Wenn ein Sensor gerade dort zwar nicht absolut exakt, aber deutlich besser als der Durchschnitt ist, kann das für Gesundheits- und Trainingsdaten bereits den Unterschied zwischen Zufall und Nutzbarkeit machen.
Interessant ist außerdem die Einordnung im Zeitverlauf: Im Vergleich zu längeren Tests der Apple Watch Series 11 sagt der Tester, dass die neue Series 12 insgesamt ähnlich genau misst, während das ältere Modell im Running sogar minimal vorne liegen kann. Er führt das nicht als Widerspruch zur Sensorüberarbeitung, sondern als möglichen Hinweis darauf an, dass Apple die zugehörigen Algorithmen für den neuen Sensor noch feinjustiert. Solche „Algorithmus-Reifung“ ist in der Sensorwelt normal: Nach einer Hardwareänderung müssen Signalverarbeitung, Rauschunterdrückung und Herzfrequenz-Schätzung wieder über große Datenräume abgestimmt werden. Für Nutzer bedeutet das: Die Messqualität kann sich mit Software-Updates weiter bewegen, selbst wenn die Hardware bereits „fertig“ ausgeliefert ist.
Neben dem Puls nimmt der Test den zweiten Alltagspunkt unter die Lupe: den Schrittzähler. Hier zählt der Tester manuell etwa 5.000 Schritte und vergleicht die Abzählung der Uhr. Ergebnis: Die Series 12 liegt entweder punktgenau oder überschätzt nur leicht. Genau in dieser Kombination aus Herzsensor und Aktivitätszählung entscheidet sich, ob eine Smartwatch nur Trainingszahlen liefert oder verlässliche Muster über den Tag hinweg erkennt. Insgesamt ergibt der Vergleich ein differenziertes Bild: In ruhigeren Bewegungsformen wie Indoor-Cycling ist die Übereinstimmung besonders hoch, beim Laufen und Krafttraining bleibt die Uhr klar im brauchbaren Bereich, zeigt aber die typischen Grenzen optischer Handgelenksmessungen. Wer die Watch vor allem für Cardio-Workouts nutzt, bekommt damit starke Argumente; wer viel Gewichtstraining macht, sollte die Daten eher als Trend- statt als Referenzmessung verstehen.
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