NEU DELHI / LONDON (IT BOLTWISE) – Indien skizziert im Rahmen des 18. BRICS-Gipfels eine Roadmap, die wirtschaftliche, technologische und soziale Grundlagen des Blocks modernisieren soll. Der Aktionsplan koppelt Start-up-Förderung mit digitaler öffentlicher Infrastruktur und KI. Besonders im Blick: die Modernisierung von Energienetzen, der Aufbau klimaresistenter Städte und die Einbindung von Landwirten über datengetriebene Dienste. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt von reinen Koordinationsthemen hin zu umsetzbaren Plattformen und gemeinsamen Standards.

Beim 18. BRICS-Gipfel in Neu Delhi machte Indien klar, dass die Modernisierung nicht bei politischen Absichtserklärungen stehen soll. Im Zentrum steht ein Aktionsplan mit vier Leitprinzipien: Resilienz, Innovation, Zusammenarbeit und Nachhaltigkeit. Diese Kombination zielt auf mehr als neue Projekte; sie soll die wirtschaftliche Zusammenarbeit nach 2020 stabilisieren und gleichzeitig die internationale Handelsdynamik so steuern, dass sie weniger von externen Schocks abhängt. Für die Tech-Branche ist dabei vor allem relevant, dass der Plan mehrere „digitale“ Bausteine ausdrücklich als Infrastruktur versteht – von Daten- und Identitätssystemen bis zu KI-gestützten Anwendungen.
Technisch interessant wird das Vorhaben dort, wo es konkrete Umsetzungsfelder verknüpft. Indien bündelt die Roadmap in neun miteinander verbundenen Sektoren, darunter die Modernisierung von Weltraum- und Energienetzen sowie der Aufbau klimaresistenter Städte. Aus Sicht digitaler Infrastruktur bedeutet das: Satellitendaten und Geodaten sollen nicht nur „zugänglich“ sein, sondern mit KI und digitalen Diensten in bestehende Prozesse hineinwirken. Die vorgeschlagene Logik ähnelt in ihrer Architekturidee häufig genutzten Industrie-Patterns: Daten werden zentralisiert oder standardisiert, dann laufen Analytik und Betrieb über wiederverwendbare Schnittstellen – so, dass verschiedene Mitgliedsländer darauf aufbauen können, ohne jedes Mal bei Null zu starten.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Wirtschaftsseite, die gerade für Unternehmen, die Smart-Grid- und Plattformprojekte liefern, entscheidend ist. Der Text ordnet Start-ups als Treiber für die Technologieakzeptanz ein und nennt mit dem „BRICS Startup Innovation Fund“ und einem „BRICS Incubator Network“ zwei Mechanismen, die Kapital und Marktzugang grenzüberschreitend adressieren sollen. Parallel dazu werden KMU über ein „Kooperationsportal“ sowie Dialogformate zur Finanzierung eingebunden. Für den Markt heißt das: Nicht nur große Systemintegratoren werden erwartet, sondern auch kleinere Anbieter, die etwa für Datenanbindung, Wartungssoftware, Werkzeugketten in der Energiewende oder spezialisierte Logistikdienste gebraucht werden. Die Vision ist dabei klar auf Lieferketten ausgerichtet, etwa über Rahmenwerke, die Frachtprozesse standardisieren und lokale Fertigungskapazitäten unterstützen.
Besonders nah an typischen KI-Use-Cases in Energie- und Versorgungsnetzen ist der Abschnitt zu Daten- und Kompetenzarchitekturen. Indien nennt ein „Data-Driven Farming“-Konzept, das KI mit geospatialen Technologien koppelt, und überträgt das Prinzip der datengetriebenen Entscheidungsfindung auf weitere Bereiche. Ergänzend wird ein „Digital Public Infrastructure (DPI) Repository“ angesprochen: Ein gemeinsames Repository soll es den Staaten ermöglichen, bewährte digitale Identitäts-, Zahlungs- und Datenaustauschrahmen anzupassen. Daneben entsteht ein „BRICS-Wissenschafts- und Forschungsrepository“, das Open-Access-Kooperationen für Datensätze und KI-Forschung stärken soll. Für Smart Grids und „KI in Betrieb und Planung“ ist das relevant, weil viele Projekte nicht an Modellgüte scheitern, sondern an Datenflüssen, Identitäten, Auditierbarkeit und interoperablen Schnittstellen.
Auch der Public-Health-Teil wirkt indirekt auf die Tech-Landschaft, weil er auf grenzüberschreitenden Datenaustausch und standardisierte Zusammenarbeit setzt. Die Roadmap nennt Mechanismen gegen Infektionskrankheiten und psychisches Wohlbefinden sowie ein integriertes Frühwarnsystem und Pandemievorsorge, das epidemiologische Überwachung und schnellen Datenaustausch betonen soll. Wer solche Systeme implementiert, braucht robuste Datenpipelines, klare Governance und technische Interoperabilität – genau die Fähigkeiten, die später auch in Energie- und Katastrophenmanagement-Kontexte übertragen werden können. Damit schließt sich der Kreis: Resilienz ist in dem Plan nicht nur ein Wort, sondern wird über organisatorische und technische Koppelstellen konkretisiert.
Marktlich lässt sich die Bedeutung der Roadmap über die im Text genannten Handelskennzahlen einordnen. Laut Angaben steigt der globale Exportumfang der BRICS-Staaten von 906 Milliarden US-Dollar (2003) auf 5,9 Billionen US-Dollar (2024), wodurch sich der Anteil an den globalen Exporten von 12 auf 24 Prozent verdoppelt. Im Importbereich werden von 783 Milliarden US-Dollar (2003) auf 4,92 Billionen US-Dollar (2024) genannt; der Anteil an den weltweiten Importen wächst von 10 auf 20%. Noch stärker wirkt die Dynamik innerhalb der Gruppe: Intra-BRICS-Exporte klettern von 84,2 Milliarden US-Dollar (2003) auf 1,17 Billionen US-Dollar (2024) bei einer durchschnittlichen jährlichen Rate von 13,3% über dem Welthandel (5,7%) und dem gesamten Süd-Süd-Handel (9,5%). Für IT- und Infrastrukturanbieter bedeutet das: Wenn Handelsströme steigen, wächst gleichzeitig der Bedarf an Standardisierung, digitalen Dokumenten- und Zahlungswegen sowie leistungsfähiger Logistik und Energieversorgung.
Im Ergebnis verschiebt Indiens BRICS-Ansatz den Schwerpunkt von einer allgemeinen „Kooperationsagenda“ hin zu adressierbaren Plattformen und technischen Bausteinen – von KI-gestützter Datenverarbeitung bis zu Repository- und Netzwerkstrukturen. Besonders bei der Modernisierung von Energienetzen und der Einbindung von Satellitendaten sowie beim Aufbau klimaresistenter Städte entsteht ein Umfeld, in dem sich Projekte schneller an wiederverwendbaren Komponenten ausrichten können. Für Unternehmen ist das Chancen- und Umsetzungszugleich: Wer Smart-Grid-Software, Datenintegration, digitale Identitäten oder betriebsnahe KI für Planung und Betrieb liefert, kann sich an den geforderten Schnittstellen orientieren. Gleichzeitig bleibt die praktische Herausforderung, die im Plan angedeutete Interoperabilität in heterogenen nationalen Landschaften wirklich belastbar zu machen.
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