NEW DELHI / LONDON (IT BOLTWISE) – BRICS will die grenzüberschreitende Zahlungsabwicklung zwischen mehreren Mitgliedsländern beschleunigen und dabei stärker in lokalen Währungen abrechnen. Beim Treffen in New Delhi wurde die Arbeit an interoperablen Zahlungs- und Messaging-Kanälen durch eine BRICS Payment Task Force ausdrücklich aufgegriffen. Gleichzeitig ist in der Deklaration kein einheitliches „BRICS Pay“-Konstrukt als fertige Infrastruktur bestätigt. Damit rückt die zentrale Frage für XRP in den Fokus, ob noch ein separates Krypto-Brückenasset nötig ist.

BRICS-„Pay“-Pläne: Was das für XRP als Brückenasset wirklich bedeutet
BRICS-„Pay“-Pläne: Was das für XRP als Brückenasset wirklich bedeutet (Foto: IT BOLTWISE)
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BRICS sucht nach schnelleren Wegen, Geld zwischen Ländern fließen zu lassen – und zwar nicht über Nacht als „ein einziges Netz“, sondern über eine schrittweise Verknüpfung nationaler Zahlungswege. In New Delhi stellten die Staats- und Regierungschefs die Arbeit der BRICS Payment Task Force in den Mittelpunkt: Es geht um mehr Interoperabilität zwischen Zahlungs- und Messaging-Kanälen sowie um eine größere Abwicklung in lokalen Währungen. Das ist inhaltlich nah an dem Ziel, das viele Cross-Border-Use-Cases seit Jahren verfolgen: weniger Reibung, weniger Zwischeninstanzen, kürzere Durchlaufzeiten. Für Marktbeobachter ist damit weniger „neue Krypto-Infrastruktur“ die Schlagzeile als vielmehr die Frage, wie stark man Zahlungsverkehr auch ohne vollständige Ersatzarchitektur für bestehende Systeme neu orchestrieren kann.

Die Größenordnung, mit der BRICS dabei argumentiert, erklärt den Druck auf etablierte Modelle. Laut IMF-Daten zur Purchasing-Power-Parity werden die beteiligten Volkswirtschaften auf etwa 41% des globalen BIP (PPP) beziffert, verteilt auf elf Ökonomien; zur Gruppe werden unter anderem China, Indien, Brasilien, Russland, Indonesien sowie auch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate gezählt. Allein diese Marktmacht macht selbst kleine Verbesserungen relevant. Gleichzeitig ist die Ausgangslage für BRICS nicht bei Null: In mehreren Ländern existieren bereits massentaugliche Instant-Payment-Systeme. Der Artikel nennt dafür konkrete Beispiele aus Indien und Brasilien: UPI erreicht laut angeführter Nutzerzahl über 550 Millionen Nutzer, Pix kommt auf mehr als 170 Millionen. Zusätzlich werden Instant-Payment-Systeme in den Mitgliedsländern über den Zeitraum von 18 Monaten auf mehr als 10 Billionen US-Dollar an verarbeitetem Volumen geschätzt – wobei ihre Nutzung für grenzüberschreitende Zahlungen bislang vergleichsweise begrenzt ist.

Technisch betrachtet meint „BRICS Pay“ in der aktuellen Form vor allem eine Architekturaufgabe: nationale Zahlungssysteme sollen sich gegenseitig ansprechen können, sodass internationale Zahlungen leichter umgesetzt werden. Entscheidend ist dabei die Abgrenzung zu einem fertigen, zentralen Gesamtprodukt. Die New-Delhi-Erklärung kündigt kein abgeschlossenes, BRICS-weites Zahlungsnetz an. Stattdessen wird beschrieben, dass die Payment Task Force „pragmatische Lösungen“ untersucht und dabei besonders darauf achtet, wie bestehende Systeme so interoperabel werden können, dass sich Abwicklungswege in lokalen Währungen ausweiten lassen. Ebenso wird explizit betont, dass es keinen „One-size-fits-all“-Ansatz gibt. Damit verschiebt sich der Fokus von „einem Layer, der alles ersetzt“ zu „mehreren Korridoren mit unterschiedlicher Kopplungslogik“ – was für die technische Bewertung von XRP eine andere Messlatte setzt als bei einer klaren Konkurrenzansage zu Swift.

Genau an dieser Stelle wird die XRP-Frage für viele Anleger – und auch für viele Entwickler – unangenehm konkret: XRP wurde in dem beschriebenen Narrativ als Brückenasset verstanden, das Liquidität zwischen Währungen bereitstellen und internationale Abrechnung effizienter machen soll, ohne dass Institute in jeder Zielwährung umfangreich vorgefundete Konten vorhalten müssen. BRICS geht jedoch eine verwandte Problemlösung an, aber über eine andere Richtung. Laut Darstellung soll eine stärkere Kopplung der vorhandenen Zahlungsinfrastrukturen, ergänzend durch CBDCs (Central Bank Digital Currencies) oder Direktabrechnung in lokalen Währungen, die gleiche Art Reibung reduzieren. Was dabei nicht „automatisch“ verschwindet, sind die Bestandteile, die bei Cross-Border-Transaktionen oft unabhängig von der reinen Zahlungsoberfläche sind: Wechselkursmechanismen, Liquiditätsmanagement und die Frage, wie endgültige Abwicklung (final settlement) bei ungleichen Zahlungsflüssen zwischen zwei Währungsräumen organisiert wird. Gerade weil BRICS-Mitglieder unterschiedliche Kapitalverkehrsregelungen, Währungen und geopolitische Prioritäten haben, können diese Fragen in einer tieferen Vernetzung besonders komplex bleiben; der Artikel verweist zudem darauf, dass für solche Korridore Währungs-Swap-Arrangements nötig sein könnten.

Für XRP-Inhaber ist der wichtigste Punkt laut Quelle zugleich der einfachste: In der New-Delhi-Deklaration gebe es keine Hinweise, dass BRICS XRP in seine zukünftige Infrastruktur einbinden will. Auch eine Ankündigung eines einheitlichen BRICS-Kryptosystems, das XRP, Swift oder den US-Dollar ersetzen soll, wird nicht genannt. Stattdessen beschreibt die Darstellung eher ein Spektrum möglicher Verbindungen zwischen nationalen Zahlungssystemen, lokalen Währungen und potenziell CBDCs. Das verschiebt die Konkurrenzlogik von „BRICS Pay vs. XRP“ hin zu einem Vergleich von Architekturentscheidungen: Wer löst Cross-Border-Liquidität und finalen Settlement am effizientesten, abhängig von Korridor, Rechtsrahmen und Implementierungsgrad? Wenn die beteiligten Länder in ausreichend vielen Fällen ihre nationalen Rails in großem Maßstab direkt koppeln und die Abrechnung in lokalen Währungen funktioniert, kann die Notwendigkeit für ein unabhängiges Brückenasset entlang dieser Strecken geringer werden. Bleibt dagegen Liquidität fragmentiert, bleibt auch das Grundproblem bestehen, das XRP im Narrativ adressieren soll – und damit bleibt der Bedarf an einem „Vermittler“ zumindest konzeptionell offen.

Für die Praxis ist zudem relevant, dass BRICS nicht nur auf Deklarationen setzt, sondern parallel konkrete Integrationsschritte vorbereitet. Der Artikel nennt dabei eine Vereinbarung vom 11. September, bei der ein russischer Investmentfonds, eine BRICS- Pay-bezogene Gesellschaft und BRICS Pay India die Prüfung einer Anbindung des BRICS-Pay-Projekts an indische Zahlungsinfrastruktur sowie Pilotdienste für grenzüberschreitende Angebote erwähnen. Außerdem wird berichtet, dass Indien eine Kopplung von Zentralbank-Digitalwährungen über BRICS-Ökonomien hinweg vorschlägt. Das sind keine Beweise für XRP-Nutzung, aber sie zeigen den Charakter des Vorhabens: weniger ein einzelnes „Netzwerk-Launch“, mehr ein Portfolio aus Pilot- und Integrationspfaden. In dieser Landschaft können Krypto-Brückenassets entweder in Nischenrollen auftauchen oder schlicht an Bedeutung verlieren, je nachdem, wie schnell sich echte Settlement-Ketten in lokalen Währungen operationalisieren lassen.

Für Unternehmen, die grenzüberschreitend mit Zahlungsdaten, Liquidität und Abwicklungsfenstern arbeiten, liefert die Entwicklung damit vor allem eine Planungsannahme: Cross-Border-Zahlungsverkehr wird zunehmend als Verbund aus miteinander verknüpften nationalen Systemen gedacht, nicht als monolithisches Ersatzprojekt. Wer heute Integrationen über etablierte Mittler aufsetzt, sollte die technische Flexibilität erhöhen, etwa indem Messaging- und Routing-Fähigkeiten so gestaltet werden, dass unterschiedliche Interoperabilitätsansätze genutzt werden können. Gleichzeitig bleibt die Frage nach Liquiditätstransparenz und finalem Settlement zentral, unabhängig davon, ob die „Brücke“ aus einem Asset, einem Swap-Mechanismus oder einer Systemkopplung besteht. Der eigentliche Wettbewerb, der sich hier anbahnt, spielt sich daher auf Architektur-Ebene ab: Welche Kopplung reduziert Kosten und Zeit – und welche schafft neue Engpässe, etwa bei Wechselkurslogik oder Abwicklungsrisiken? Genau diese Antworten werden entscheiden, ob XRP im Markt noch als notwendige Brücke wahrgenommen wird oder eher als Option neben anderen Verschaltungsformen endet.


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