LONDON (IT BOLTWISE) – Die BaFin warnt vor Anrufen, bei denen Betrüger sich als Mitarbeiter der Finanzaufsicht ausgeben. Laut Hinweis nutzen sie Call-ID-Spoofing, sodass auf dem Telefondisplay eine echte Nummer der BaFin-Zentrale oder des Verbrauchertelefons erscheint. In der Masche werden teils persönliche und sensible Daten abgefragt und auch Überweisungen gefordert. Besonders heikel ist, dass die Täter so Vertrauen aufbauen und ihre Forderungen dadurch wahrscheinlicher machen.

BaFin-Warnung: Betrüger tarnen sich mit echter Behördennummer per Call-ID-Spoofing
BaFin-Warnung: Betrüger tarnen sich mit echter Behördennummer per Call-ID-Spoofing (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Betrugsmasche beginnt meist harmlos: Ein Anruf erreicht Verbraucher, die Nummer wirkt auf dem Display auf den ersten Blick plausibel. Die BaFin weist darauf hin, dass Kriminelle ihre Identität gezielt mit dem Auftritt einer echten Behörde verknüpfen. Was zunächst wie ein Kommunikationsfehler klingt, wird damit zur technischen Taktik: Durch die Anzeige einer echten BaFin-Nummer versuchen Betrüger, Zweifel sofort zu reduzieren und Gesprächspartner zu schnellen Entscheidungen zu drängen.

Technischer Kern der Aktion ist sogenanntes Call-ID-Spoofing. Dabei lässt sich mit passenden Apps das, was beim angerufenen Smartphone als Absendernummer erscheint, vom ursprünglichen Ruf abkoppeln und auf eine beliebige Zielnummer setzen. Auf diese Weise können Täter ohne direkten Zugriff auf die Telefonanlage einer Organisation den Eindruck erzeugen, der Anruf käme tatsächlich aus deren Leitungsbereich. Die BaFin warnt in diesem Zusammenhang außerdem davor, dass Kriminelle eine vertrauensvolle Quelle ins Spiel bringen, weil der Vertrauensvorschuss am Ende das eigentliche „Eintrittsticket“ ist.

Für die Opfer ist die psychologische Wirkung besonders groß, weil die Nummer auf dem Display „stimmt“ – zumindest im sichtbaren Teil des Aufrufs. Das unterscheidet die aktuelle Masche von vielen früheren Betrugsanläufen, bei denen die Nummer häufig auffällig war oder gar nicht zuzuordnen ist. Zwar ist die Anzeige einer Telefonnummer grundsätzlich kein Beweis für den Absender; im Alltag wird sie aber oft als praktischster Identitätsanker genutzt. Genau diese Lücke schließen Betrüger, indem sie ihre Zielgruppe über die Anzeige in Sicherheit wiegen und anschließend sensible Informationen oder Zahlungsanweisungen nachfordern.

Die BaFin stellt dabei klar, dass sie Privatpersonen nicht unaufgefordert kontaktiert und auch keine Dritten mit solchen Kontaktaufnahmen beauftragt. Zudem empfiehlt sie, am Telefon keine persönlichen und sensiblen Daten preiszugeben. Aus Angriffssicht ist das konsequent: Sobald Daten wie Identifikations- oder Kontoinformationen in falsche Hände geraten, wird aus einem reinen Anruf eine Kette weiterer Schritte – etwa zur Vorbereitung von Überweisungen oder zur Autorisierung weiterer Aktivitäten. Für Betroffene gilt deshalb: Nicht die Displaynummer prüfen, sondern das Gespräch beenden und die Anfrage über offizielle Kanäle verifizieren.

Dass Betrüger dabei immer wieder auf den Namen der BaFin setzen, ist kein völlig neues Muster. In der Vergangenheit wurden bereits ähnlich konstruierte Szenarien gemeldet, bei denen Angerufene mit Kontosperrungen oder Inkasso-Folgen unter Druck gesetzt wurden, wenn bestimmte Geldbeträge nicht unmittelbar überwiesen werden. Auch vermeintliche Schreiben im Stil offizieller Kommunikation tauchten in früheren Fällen auf. Die Wiederkehr des Themas zeigt, dass sich die Betrüger weniger auf technische Hürden als auf ein wiederholbares Vertrauens- und Druckdesign verlassen – nur die technische Umsetzung der Tarnung entwickelt sich dabei weiter.

Besonders auffällig ist laut BaFin auch eine Doppelstrategie: Zuerst wird versucht, Personen in Investments auf nicht lizenzierten Plattformen zu drängen. Wenn das Geld anschließend verloren ist, melden sich die Täter erneut, diesmal wieder mit dem „Deckmantel“ der BaFin, und bieten eine Rückholung an. Die zweite Kontaktaufnahme funktioniert damit wie ein Verlaufshebel: Das Opfer ist bereits emotional gebunden, sucht nach Rettung und ist zugleich anfällig für neue Versprechen. In der Logik der Täter führt das Muster oft dazu, dass im zweiten Schritt erneut Geld abfließt – diesmal nicht als Investment, sondern als „Bearbeitungs- oder Rückzahlungsgebühr“.

Für Unternehmen und deren Sicherheitsverantwortliche liegt die relevante Lektion über die reine Telefonprävention hinaus in der Prozessgestaltung: Das Display allein darf nicht zum Freigabekriterium werden, und Verifikation muss außerhalb des laufenden Telefonats stattfinden. Auch im Privatbereich ist es sinnvoll, Gesprächspartner nicht zu „überzeugen“, sondern den Kontakt abzubrechen, offizielle BaFin-Kanäle zu nutzen und verdächtige Nummern konsequent zu melden. Bei konkreten Betrugsversuchen empfiehlt die BaFin zudem, eine Anzeige bei Polizei oder Staatsanwaltschaft zu erstatten – denn nur so können Muster gesichtet und Ermittlungen gezielt angestoßen werden. Wenn sich Call-ID-Spoofing weiter verbreitet, wird der Unterschied zwischen „nummern-basiertem Eindruck“ und „tatsächlicher Identität“ für viele Zielgruppen noch wichtiger.

Ein zusätzlicher praktischer Punkt betrifft die Häufigkeit solcher Angriffe: Selbst wenn nur ein kleiner Anteil der Empfänger sofort misstraut, erzeugt die Massentaktik mit plausibler Displaynummer eine messbare Wirkung. Genau deshalb sind technische Details wie Call-ID-Spoofing nicht nur für IT-Teams interessant, sondern auch für die Awareness-Arbeit in Compliance, Kundenservice und Personalabteilungen. Präventionskampagnen sollten daher stärker erklären, wie Nummern angezeigt werden können, statt sich nur auf „keine Daten am Telefon“ zu beschränken. Je besser die Zielgruppe versteht, was die Anzeige tatsächlich bedeutet, desto weniger Angriffsfläche bleibt den Betrügern.


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