FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Design neuer Euro-Banknoten läuft nur noch bis heute. Bisher haben bereits mehr als neun Millionen Menschen online abgestimmt. Am Ende soll ein Abschlussbericht entstehen, der beim EZB-Ratsvotum einfließt, das Ende 2026 geplant ist. Bis die neuen Scheine wirklich in Umlauf kommen, wird es jedoch noch dauern.

Die Online-Abstimmung der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Design der nächsten Euro-Banknoten biegt in die Zielgerade ein: Nur noch am 21.9. haben Europäerinnen und Europäer die Möglichkeit, Leonardo da Vinci oder Beethoven ebenso wie Eisvogel und Weißstorch anzuklicken. Laut den Angaben aus Frankfurt haben bereits mehr als neun Millionen Personen an der Umfrage teilgenommen – genug, um ein Stimmungsbild über die Motive zu gewinnen, bevor die Entscheidung im EZB-Rat fällt. Diese zeitliche Abfolge ist entscheidend: Die öffentliche Beteiligung ersetzt keine technische Bewertung, sie wirkt vielmehr als zusätzlicher Input in einem Prozess, der erst mit dem Votum Ende 2026 in die nächste Phase übergeht.
Inhaltlich setzt die EZB auf zwei thematische Linien, die beide stark an die europäische Identität gekoppelt sind. Für die Kategorie „Europäische Kultur“ liegen jeweils fünf Vorschläge vor, bei denen auf der Vorderseite bekannte Persönlichkeiten wie Ludwig van Beethoven, Marie Curie und Leonardo da Vinci erscheinen sollen. Die Rückseiten wären dagegen weniger biografisch und stärker in der Breite angelegt: Vorgesehen sind etwa Motive von Straßenkünstlern oder ein Sängerfest. Damit verschiebt sich der Fokus vom einzelnen Porträt auf kulturelle Ausdrucksformen im öffentlichen Raum – ein Ansatz, der sich gut in den typischen Charakter von Banknoten einfügt, weil Vorder- und Rückseite unterschiedliche Blickführungen und Sicherheitslayer unterstützen.
Die zweite Auswahl heißt „Flüsse und Vögel“ und zielt auf die „Widerstandskraft und Vielfalt der natürlichen Ökosysteme Europas“. Auch hier gibt es fünf Umsetzungen zur Auswahl. Unter anderem sollen der Eisvogel und der Weißstorch abgebildet werden, während auf den Rückseiten europäische Institutionen wie das Europäische Parlament, die Europäische Kommission und die EZB selbst vorkommen. Diese Kombination aus Naturmotiv und politischer Institution dient nicht nur der visuellen Abwechslung. Sie ist aus Sicht der Gestaltung auch deshalb relevant, weil Banknoten häufig so geplant werden, dass sich Elemente für unterschiedliche Sicherheits- und Erkennungsfunktionen klar voneinander abgrenzen lassen – etwa für Muster, die bei bestimmten Blickwinkeln wirken, oder für Eigenschaften, die das Erkennen erleichtern sollen.
Parallel zu den Motiven spielt die Sicherheitstechnik eine zentrale Rolle. Die neuen Euro-Scheine sollen zusätzliche Sicherheitsmerkmale erhalten, die das Herstellen von Falschgeld weiter erschweren. Neben der klassischen Frage „Wie schwer ist es zu fälschen?“ steht dabei auch die praktische Anforderung „Wie gut funktioniert die Authentifizierung im Alltag?“. Gerade in der Geldzirkulation entscheidet die Kombination aus Werkstoff, Druckverfahren und Prüfmerkmalen darüber, ob Geldautomaten und Kassenpersonal zuverlässig unterscheiden können. Dazu kommt ein weiterer Punkt aus dem Umfeld nachhaltiger Beschaffung: Die Euro-Währungshüter wollen die Umweltfolgen der Produktion verringern, unter anderem indem die Banknoten länger halten. Längere Lebensdauer bedeutet in der Praxis weniger Austauschzyklen, weniger Material- und Logistikkosten sowie geringere Emissionen über den Lebenszyklus.
Ein Aspekt, der die Anforderungen an die Gestaltung technisch und gesellschaftlich zugleich erweitert, ist die bessere Erkennbarkeit für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen. Wenn Banknoten zugänglicher werden sollen, müssen Sicherheits- und Lesbarkeitseigenschaften so koordiniert werden, dass sie nicht gegeneinander arbeiten. Hier zeigt sich auch der historische Verlauf: Die ersten Euro-Banknoten wurden am 1. Januar 2002 ausgegeben. Seit Mai 2019 ist die zweite Generation der Scheine mit neuen Sicherheitsmerkmalen komplett – ein Meilenstein, der verdeutlicht, wie konsequent der Euroraum Sicherheitsupgrades über Jahre hinweg ausrollt. Die bevorstehende nächste Generation knüpft daran an, nur eben mit dem Zusatz, dass das Design zugleich stärker durch öffentliche Nutzerwünsche gespiegelt wird.
Für den Markt- und Betriebsalltag ist die zeitliche Streckung relevant: Zwischen dem Abschluss einer Umfrage und der tatsächlichen Einführung in den Umlauf liegen offenbar mehrere Schritte, die typischerweise Tests, Produktionsplanung und die Abstimmung mit der Bargeldlogistik umfassen. Das Votum des EZB-Rates ist Ende 2026 vorgesehen; bis die neugestalteten Banknoten in Umlauf kommen, wird es noch eine Weile dauern. Damit bleibt genug Zeit, um auch die Umstellungsprozesse in Zentralbanken, bei Bargeldtransporten und in der Auswertungstechnik vorzubereiten. Gerade diese lange Vorlaufphase ist ein Wettbewerbsfaktor im Sinne „Planbarkeit“: Unternehmen und Dienstleister, die an Druck, Materialprüfung oder Bargeldsoftware gekoppelt sind, können sich auf definierte Zeitfenster einstellen, statt kurzfristig auf Designänderungen reagieren zu müssen.
Für Unternehmen, die Bargeld in Prozessen integrieren – etwa im Handel, in der Finanzbuchhaltung oder in Kassensystemen – ist die EZB-Umfrage damit mehr als ein kulturelles Ereignis. Sie zeigt, dass die nächste Banknotengeneration nicht nur visuell, sondern als Paket aus Sicherheits-, Nachhaltigkeits- und Barrierefreiheitsanforderungen verstanden wird. Gleichzeitig hilft die öffentliche Debatte dabei, Akzeptanz für neue Merkmale aufzubauen: Wenn Motive wie kulturelle Ikonen oder europäische Institutionen im Vordergrund stehen, werden Sicherheitsfunktionen im Alltag weniger als „reine Technik“, sondern eher als Teil eines vertrauten Gestaltungskonzepts wahrgenommen. Am Ende entscheidet der EZB-Rat, doch der Weg dorthin wird mit dem Votum und dem geplanten Abschlussbericht abgerundet – und damit auch die Frage, welche europäischen Bilder sich künftig auf den Händen von rund 358 Millionen Menschen in 21 Ländern der EU wiederfinden.
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