WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Oesterreichische Nationalbank lädt am 24. September zum OeNB-Dialog 2026 in den Kassensaal ein. Im Mittelpunkt stehen Prof. Hans Gersbach, Eva Landrichtinger und OeNB-Gouverneur Martin Kocher. Sie diskutieren, wie digitale Transformation die internationale Rolle des Euro verändern könnte. Zusätzlich geht es um die Frage, welche Rolle der digitale Euro und die wachsende Verbreitung von Stablecoins für die Stabilität des europäischen Finanzsystems spielen.

Wenn Zentralbanken über die Zukunft des Euro sprechen, geht es längst nicht mehr nur um Zinsentscheidungen und Inflationsdaten. Beim OeNB-Dialog 2026, der am 24. September ab 18:00 Uhr im Kassensaal der Oesterreichischen Nationalbank in Wien stattfindet, rückt eine technische und zugleich geopolitische Dimension in den Vordergrund: Wie beeinflussen digitale Zahlungswege, die internationale Nutzung von Währungen und neue Formen digitalen Geldes die strategische Bedeutung des Euro? In der Einladung wird das europäische Finanz- und Geldsystem als Akteur in einem Umfeld beschrieben, das sich durch neue Technologien und politische Verschiebungen spürbar verändert.
Technisch betrachtet adressiert die Veranstaltung gleich mehrere Schichten. Neue Technologien verändern, so die Themenstellung, die Abwicklung von Zahlungen, die Vergabe von Krediten und die Art, wie Währungen grenzüberschreitend eingesetzt werden. Das klingt abstrakt, bedeutet aber in der Praxis: Digitale Zahlungsinstrumente verändern Geschwindigkeit, Kostenstruktur und Datenverfügbarkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Gleichzeitig wächst der Druck, dass digitale Geldformen nicht nur funktionieren, sondern auch als Infrastrukturen belastbar sind – etwa bei Systemausfällen, bei Spitzenlasten oder wenn sich regulatorische und marktseitige Rahmenbedingungen kurzfristig ändern. Genau an dieser Schnittstelle von Technologie, Betriebsstabilität und Geldpolitik knüpft der Dialog an.
Die Gesprächslinie wird zudem klar geopolitisch aufgezogen: Die internationale Rolle des Euro steht angesichts geopolitischer Entwicklungen vor neuen Herausforderungen. Damit sind nicht nur Handelsströme gemeint, sondern auch die Frage, welche Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmechanismen sich in Krisenzeiten durchsetzen. Der digitale Euro wird dabei explizit als möglicher Verstärker der internationalen Stellung diskutiert. Ergänzend kommt die wachsende Verbreitung von Stablecoins ins Spiel – also kryptobasierte Token, die ihren Wert an Referenzgrößen koppeln sollen – und damit die Frage, ob und wie solche Instrumente für Europa relevant werden, ohne das Vertrauensfundament des Finanzsystems zu untergraben.
Dass dabei Wissenschaft und Praxis zusammenkommen, spiegelt sich im Moderator- und Sprecherteam: Neben Prof. Hans Gersbach von der ETH Zürich, der als Co-Direktor der KOF Konjunkturforschungsstelle arbeitet, tritt Eva Landrichtinger als Geschäftsführerin der Bundessparte Bank und Versicherung der WKO auf. Martin Kocher, Gouverneur der OeNB, rundet das Panel aus. Gersbachs Profil verknüpft makroökonomische Modellierung mit Innovations- und wirtschaftspolitischen Fragestellungen – ein Ansatz, der gut zu der übergreifenden Leitfrage passt, ob der Euro in einem globalen Umfeld an Bedeutung gewinnt oder verliert. Aus Sicht der KI-Entwicklung – also der Künstlichen Intelligenz, die etwa bei Betrugserkennung, Risikosteuerung oder Automatisierung im Bankwesen bereits heute breite Anwendung findet – entsteht zudem ein zusätzlicher Sog: Je stärker Systeme automatisiert werden, desto wichtiger wird, dass auch digitale Geldinfrastrukturen robust, auditierbar und operativ kontrollierbar bleiben.
Historisch betrachtet hat das Thema „digitales Geld“ mehrere Iterationen durchlaufen: Von frühen Formen elektronischer Zahlungsabwicklung über regulatorische Frameworks für Zahlungsdienste bis hin zu den aktuellen Debatten über CBDCs. Der zentrale Unterschied zum früheren Status quo liegt darin, dass digitale Geldformen nicht mehr nur als „Transportmedium“ für bestehende Wertströme betrachtet werden, sondern als potenzielle Grundlage für neue Interaktionsmodelle zwischen Zentralbank, Geschäftsbanken und Endnutzern. Der OeNB-Dialog nimmt genau diese Perspektive ein, indem er diskutieren will, wie neue Formen digitalen Geldes die Rolle von Zentralbanken und Geschäftsbanken verändern und wie das europäische Finanzsystem in Zukunft aussehen könnte.
Für Marktteilnehmer und Entscheider ist dabei vor allem die praktische Umsetzungsfrage entscheidend: Wie lassen sich digitale Instrumente skalieren, ohne dass die Kontroll- und Sicherheitsmechanismen darunter leiden? Im Bankensektor heißt das typischerweise, dass sowohl Backend-Prozesse als auch Frontend-Nutzerflüsse über klare Schnittstellen verbunden sein müssen, während Geschäftsbanken weiterhin zentrale Rollen – etwa bei Kreditvergabe, Liquiditätssteuerung und Risikomanagement – ausfüllen. Genau hier wirken auch Stablecoins als potenzieller Wettbewerbs- oder Ergänzungsfaktor: Sie sind nicht automatisch „gut“ oder „schlecht“, aber sie erhöhen die Komplexität, weil Wertübertragung und Liquidität anders organisiert sein können als im klassischen Bankensystem. Der Dialog verspricht deshalb weniger eine binäre Debatte, sondern einen Vergleich der Anforderungen an Stabilität, Effizienz und politische Steuerbarkeit.
Auch die formale Ausgestaltung signalisiert, dass der Dialog auf Austausch zielt. Die OeNB-Gastprofessur ist eine Kooperation zwischen der Universität Wien und der Oesterreichischen Nationalbank und soll es ermöglichen, international renommierte Wissenschaftler: innen einzuladen und den öffentlichen Diskurs zu wirtschaftspolitischen Fragen zu fördern. Für Interessierte ist der Anmeldelink in der Einladung genannt, der Ort ist mit Otto-Wagner-Platz 3, 1090 Wien, präzise angegeben, und es gibt Rückfragekontakte für Öffentlichkeitsarbeit sowie für die OeNB. Für Unternehmen in Finanz- und Technologiebranchen ist das Event damit nicht nur ein akademischer Ausblick, sondern ein frühes Signal, welche Themen in den nächsten Monaten wahrscheinlich an Relevanz gewinnen: digitales Bezahlen, digitale Geldformen, Stablecoins und die strategische Bedeutung des Euro – und damit auch die Frage, wie viel Daten- und Automatisierungsintelligenz (inklusive KI-gestützter Verfahren) künftig in den Kernprozessen von Geld und Banken stecken wird.
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