LONDON (IT BOLTWISE) – Kaffee gilt vielen als Wellness-Boost, anderen als Ursache von Unruhe und Verdauungsproblemen. Laut der Ernährungsexpertin und Naturopathin Laure Hyvernat, PhD, liegt der Unterschied vor allem darin, wie und wann man trinkt. Sie empfiehlt vor allem schwarzen Kaffee ohne Zucker und Milch, warnt aber auch vor Instant, bestimmten Decaf-Verfahren und „verstecktem“ Zucker. Besonders wichtig: Hyvernat rät, Kaffee nicht auf nüchternen Magen zu trinken und nach Mahlzeiten etwa zwei Stunden Abstand zu halten.

Kaffee bringt Menschen nicht nur in Schwung, sondern spaltet die Wellness-Diskussion seit Jahren: In manchen Köpfen gilt er als Stimulus, der Stresshormone erhöht und den Schlaf stört. In der Praxis zeigt sich das Muster jedoch häufig anders. Laut Ernährungsexpertin und Naturopathin Laure Hyvernat, PhD, ist die Frage „Ist Kaffee gesund?“ weniger eine Eigenschaft des Getränks an sich, sondern eine Kombination aus Auswahl, Menge und Timing – also ob der Kaffee bewusst eingesetzt wird oder unbemerkt zur Kompensation von Energie- und Ungleichgewichten dient.
Für die Bestellung im Café nennt Hyvernat eine ziemlich klare Richtung: Wenn es „der gesündeste Kaffee“ sein soll, dann bevorzugt sie starken schwarzen Kaffee wie Espresso oder Ristretto – ausdrücklich ohne Zucker und ohne Milch. Der Grund liegt für sie in der Zusammensetzung: Solche Varianten sind reich an Polyphenolen, bei vergleichbarer Koffeinmenge aber mit kleinerem Volumen verbunden. Dadurch könne die „digitale“ Exposition für den Magen-Darm-Trakt geringer ausfallen als bei größeren Kaffeestilen. Lattes, Cappuccinos und Macchiatos bewertet Hyvernat zwar nicht pauschal als schlecht, sondern macht sie von der Milchsorte, der Häufigkeit und dem individuellen Stoffwechsel- sowie Hormonprofil abhängig – besonders dann, wenn es um Themen wie Insulinresistenz, PCOS, Estrogen-„Dominanz“ im Kontext von z. B. Endometriose oder hormonabhängigen Krebserkrankungen sowie hormonell getriggerte Akne geht.
Bei der „ungesündesten“ Seite des Angebots geht die Empfehlung ebenfalls über den reinen Koffeingehalt hinaus. Hyvernat ordnet Instantkaffee und entkoffeinierten Kaffee als problematisch ein – Instant etwa, weil er laut ihr stärker geröstet wird und dadurch häufiger höhere Acrylamidwerte mit sich bringt, während gleichzeitig schützende Polyphenole sinken. Bei Decaf ist der Produktionsweg entscheidend: Das Wasserverfahren, das als Swiss-Water-Prozess bekannt ist, könne eine Option sein, während bei vielen Herstellern chemische Entkoffeinierungsverfahren zum Einsatz kommen, die Rückstände hinterlassen. Daneben rückt sie „getarnte“ Kaffees in den Fokus, also Drinks mit Sirup, Zucker und saisonalen Aromakompositionen wie Pumpkin-Spice-Varianten oder Caramel Macchiatos. Diese bewertete Hyvernat vor allem über den Effekt auf den Blutzucker: Solche „Zuckerbomben“ würden den Blutzuckerspiegel nach oben treiben und bis in den Vormittag hinein eher müde machen.
Auch die Frage, welche Milch man in den Becher kippt, betrachtet Hyvernat nicht als nebensächlich. Sie warnt vor der Kombination aus Koffein und Laktose, weil beide laut ihr jeweils „große Moleküle“ darstellen, die in der Leber verstoffwechselt werden müssen und dadurch Energie abziehen können. Wer Milch trotzdem liebt, soll nach ihrem Vorschlag nicht zwangsläufig verzichten: Bei fehlender Laktoseintoleranz und ohne relevante hormonelle Störungen empfiehlt sie eher hochwertigere Vollmilch – idealerweise in Bio-Qualität und nicht als UHT-Produkt (Ultra-High-Temperature pasturized) – anstatt auf fettarme Varianten zu setzen. Ebenso wichtig: „Pflanzlich“ ist für sie nicht automatisch „besser“. Manche Alternativen seien nach ihrer Beobachtung mit zusätzlichem Zucker angereichert; deshalb bevorzugt Hyvernat eher ungesüßte Varianten auf Nussbasis wie Mandel-, Haselnuss- oder Kokosmilch gegenüber Getreidealternativen wie Hafermilch, die tendenziell mehr Kohlenhydrate enthalten.
Beim Süßen setzt Hyvernat ebenfalls auf eine Zweidimensionalität: Zucker im Kaffee bedeutet für sie nicht nur den Blutzuckeranstieg, sondern geht auch mit einer erhöhten Cortisolbelastung einher. Praktisch leitet sie daraus ab, dass „ungesüßt“ die beste Option bleibt – selbst dann, wenn es sich um „natürliche“ Süßungsmittel wie Stevia oder Honig handelt. Wer trotzdem nicht ohne ein wenig Süße kann, soll laut Hyvernat seinen Kaffee strategischer einbinden: am besten nach einer proteinreichen Mahlzeit oder in Kombination mit Ballaststoffquellen, etwa mit einer kleinen Menge Flohsamenschalen (Psyllium) im Smoothie. Interessant ist dabei der von ihr beschriebene Zusammenhang mit Hunger und Verlangen: Patienten, die regelmäßig Kaffee und Zucker kombinieren, verspürten ihrer Erfahrung nach häufiger gegen 11:00 Uhr neue Cravings.
Am stärksten verdichtet sich der Ansatz schließlich beim Timing. Hyvernat rät, Kaffee nie auf nüchternen Magen zu trinken, weil dies den Verdauungstrakt reizen, die Magensäure erhöhen und Cortisolspitzen verstärken kann – und Cortisol ohnehin morgens bei vielen Menschen erhöht ist. Darüber hinaus empfiehlt sie Abstand zu Mahlzeiten, weil Koffein die Aufnahme bestimmter Nährstoffe beeinflussen kann. In ihrem praktischen Zeitfenster nennt sie: idealerweise mindestens zwei Stunden nach einer Mahlzeit warten, um den Effekt auf die Aufnahme essenzieller Nährstoffe wie Eisen und Vitamin C zu begrenzen. Konkreter wird sie bei Eisen: Koffein könne laut ihr die Aufnahme von Nicht-Häm-Eisen um bis zu 40 % reduzieren. Besonders relevant sei das für menstruierende Personen, Athletinnen und Athleten sowie Vegetarier. Sie verweist außerdem darauf, dass Koffein mit bestimmten Medikamenten interagieren kann, darunter L-Thyroxin, einige Anti-Angst-Medikamente und Herzmedikamente – hier sei individuelle medizinische Beratung wichtig.
Für viele ist der „beste“ Zeitpunkt daher weniger eine Lifestyle-Regel als ein Versuch, den Körperrhythmus zu respektieren. Hyvernat nennt als idealen Kaffeepausenbereich etwa 10:30 bis 11:00 Uhr. Selbst beim Gefäß macht sie noch eine Lücke zwischen Alltag und Technik auf: Kunststoffbehälter, so ihr Hinweis, seien als Endokrinstörquellen bekannt und hätten zudem eine sehr kurze Lebensdauer, bevor sie entsorgt werden. Als unkomplizierte Alternative empfiehlt sie, einige Minuten Zeit zum Sitzen einzuplanen oder im Alltag eine Lösung wie eine kleine Edelstahl-Tasse zu nutzen, die man in der Tasche mitführen kann. Und schließlich stellt sie die wahrscheinlich wichtigste Frage: Sollte man Kaffee täglich brauchen? Trotz antioxidativer Vorteile bleibt Kaffee aus ihrer Sicht ein Stimulans. Wenn Menschen ihn primär nutzen, um „funktionieren“ zu können, verschiebe sich das Muster von Energie zur Maskierung. Als Hinweis nennt sie Symptome einer Gewohnheitsabhängigkeit wie das unmittelbare Bedürfnis nach Kaffee beim Aufwachen, nachmittägliche Müdigkeit, Reizbarkeit, Angstzustände, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen und Zucker-Cravings. Ihr Fazit ist dann bewusst minimalistisch: maximal eine Tasse pro Tag, im Zweifel sogar nur einmal pro Woche – nicht als Verbot, sondern als Check, warum man zum Becher greift.
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