FRANKFURT AM MAIN/MAINZ / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue ARD/ZDF-Medienstudie zeigt ein starkes Altersgefälle bei KI-Onlinetools. Während gut zwei Drittel der 14- bis 29-Jährigen sie mindestens wöchentlich verwenden, kommen Menschen ab 70 Jahren nur auf 8 Prozent. Insgesamt wächst die KI-Nutzung deutlich, zugleich bleibt das Vertrauen bei vielen Befragten eingeschränkt. Kritisch sehen 54 Prozent die Informationen der KI-Tools, nur 3 Prozent halten sie für sehr vertrauenswürdig.

Die ARD/ZDF-Medienstudie zeichnet ein klares Bild davon, wie Künstliche Intelligenz (KI) bereits heute in den Alltag Einzug hält – aber eben nicht gleichmäßig. Besonders auffällig ist das Altersgefälle: Gut zwei Drittel der 14- bis 29-Jährigen nutzen KI-Onlinetools mindestens wöchentlich, während es in der Gruppe ab 70 Jahren nur 8 Prozent sind. Damit verschiebt sich die Mediennutzung nicht nur im Umfang, sondern auch in der Geschwindigkeit, mit der neue Interaktionsformen mit Informationen selbstverständlich werden.
Der aktuelle Stand liegt dabei deutlich über dem Vorjahr: Laut den Studienangaben geben über alle Altersgruppen hinweg 37 Prozent an, regelmäßig Tools wie ChatGPT, Google Gemini oder Perplexity zu verwenden. Noch vor einem Jahr hatte dieser Wert lediglich bei 22 Prozent gelegen. Auch wenn eine Medienstudie stets Momentaufnahmen abbildet, ist der Trend für Redaktion und Produktentwicklung zugleich ein Signal: KI ist vom Experimentierstadium in die Nutzungsroutine übergegangen, und die Differenz zwischen „erste Neugier“ und „wöchentlicher Arbeits- bzw. Informationsalltag“ wird erkennbar kleiner.
Bemerkenswert ist allerdings die Diskrepanz zwischen Nutzung und Vertrauen. Mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) steht den KI-Tools kritisch gegenüber und hält deren Informationen für weniger oder nicht vertrauenswürdig. Nur 3 Prozent bewerten die Inhalte als sehr vertrauenswürdig. Genau hier entsteht ein praktischer Spannungsbogen, den Medienhäuser in ihren Workflows berücksichtigen müssen: Wer KI als Such- oder Erklärwerkzeug nutzt, erwartet schnelle Antworten, bewertet aber gleichzeitig deren Korrektheit und Einordnung restriktiver als die reine Verfügbarkeit. Für die technische Umsetzung bedeutet das auch, dass Transparenz über Quellen, Unsicherheiten und die Grenzen generativer Systeme in der Nutzerführung an Bedeutung gewinnt.
Für die öffentliche Debatte ist zudem die in der Studie genannte Folgerung zentral: KI wird die Mediennutzung „massiv verändern“, so die Einordnung aus dem Umfeld der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt, die in der Studie zitiert wird. Florian Hager, Intendant des Hessischen Rundfunks, betont dabei, dass insbesondere jüngere Menschen über KI-Tools anders an Informationen gelangen. Diese Verschiebung wirkt doppelt: Einerseits ändern sich Einstiegswege in Inhalte, andererseits verlagert sich die Rolle von redaktioneller Kuratierung – weg vom alleinigen „Was wird angeboten?“ hin zu „Wie wird die Antwortqualität bewertet und eingeordnet?“.
Technisch lässt sich das Altersprofil als Kombination aus Zugang, Gewohnheit und Nutzungszweck interpretieren. Die Studie ordnet die KI-Nutzung in den Alltag ein, während die klassische Verweildauer im linearen Angebot parallel fortbesteht: 71 Prozent schauen mindestens einmal pro Woche das laufende Fernsehprogramm, knapp die Hälfte (46 Prozent) nutzt Streamingdienste. Als meistgenutzter Streaminganbieter bei Videos nennt die Studie YouTube mit rund 71 Prozent Reichweite in der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren; die Streaming-Netzwerke von ARD und ZDF kommen auf 56 beziehungsweise 51 Prozent. Das ist strategisch relevant: Wenn KI-Tools als „Antwort-Schicht“ zwischen Nutzer und Medienangebot treten, wird die Frage nach Wiedererkennbarkeit, Verlinkung und Zitierfähigkeit der Inhalte zu einem Qualitätsmerkmal.
Auch der Studiendesign-Kontext liefert eine wichtige Einordnung: Befragt wurde das Marktforschungsinstitut G.I.M. im Auftrag von ARD und ZDF von 27. Januar bis 19. April knapp 2.500 deutschsprachige Personen ab 14 Jahren. 70 Prozent beantworteten Fragen per Telefon auf Basis einer repräsentativen Stichprobe, 30 Prozent online. Damit wird sichtbar, wie breit das Meinungsbild über die Kanäle erfasst wurde – und zugleich bleibt klar, dass KI-Einstellungen schnell kippen können, wenn sich Nutzererfahrungen oder Tool-Qualitäten ändern. Für Unternehmen und Medienorganisationen heißt das: Sie sollten KI nicht nur einführen, sondern begleitend testen, wie sich Vertrauen, Verständlichkeit und Rückfragenquote verändern.
Für die nächsten Schritte ist aus Studiensicht weniger die reine Nutzungszahl entscheidend als die Qualitäts- und Vertrauenslücke. Öffentlich-rechtliche Anbieter stehen laut Studie vor der Aufgabe, KI „verantwortungsvoll“ zu nutzen und Deepfakes besser einzuordnen. Praktisch bedeutet das: Neben Modellzugang und Prompting braucht es redaktionelle Regeln für Haftung, Kennzeichnung und Faktenprüfung, damit KI-Antworten nicht als unkommentierte Endergebnisse wirken. Wer die KI-Tool-Nutzung besonders bei Jüngeren ernst nimmt, sollte zudem Formate entwickeln, die nicht nur schnelle Antworten liefern, sondern den Weg zur Quelle mit erklären – gerade weil 54 Prozent der Befragten KI-Informationen aktuell skeptisch sehen.
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