LONDON (IT BOLTWISE) – Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung legt für 2025 einen weiteren Rückgang bei den meldepflichtigen Arbeitsunfällen vor. Die Zahl sinkt um 3,1 Prozent auf 689.922 Fälle, während gleichzeitig die Wegeunfälle um 1,0 Prozent zulegen. Besonders auffällig sind die mehr tödlichen Unfälle auf dem Weg zur oder von der Arbeit. Trotz steigender Gesamtkosten bleiben die Beitragssätze für Unternehmen laut DGUV weitgehend stabil.

DGUV 2025: Arbeitsunfälle sinken um 3,1 Prozent, Wegeunfälle steigen leicht
DGUV 2025: Arbeitsunfälle sinken um 3,1 Prozent, Wegeunfälle steigen leicht (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Bilanz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zum Jahr 2025, datiert auf den 22. September 2026, zeichnet ein gemischtes Bild: Beim allgemeinen Unfallrisiko am Arbeitsplatz geht es weiter bergab, doch einzelne Risikobereiche verschieben sich. Konkret meldet die DGUV für 2025 689.922 meldepflichtige Arbeitsunfälle, das entspricht einem Minus von 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig betont der Bericht, dass das Gefahrenprofil nicht vollständig „glättet“, sondern sich in Teilbereichen verändert. Für Unternehmen ist genau dieses Detail entscheidend, weil Prävention nicht nur die Gesamtquote verbessern, sondern auch die treibenden Ursachen gezielt adressieren muss.

Technisch und organisatorisch lässt sich der Rückgang vor allem mit einem klaren Blick auf die gemeldeten Ursachen erklären. Die Statistik nennt als häufigste Ursache den Kontrollverlust über Werkzeuge oder Gegenstände: 171.638 Fälle. Dicht darauf folgen Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle mit 163.430 Meldungen. Solche Muster sind für Sicherheitsverantwortliche gut nutzbar, weil sie in der Praxis weniger in abstrakten Risiken enden und stärker auf konkret prüfbare Faktoren verweisen: ergonomische Arbeitsabläufe bei manuellen Tätigkeiten, Sauberkeit und Beleuchtung als Teil der Wegeführung, oder auch die Frage, ob Werkzeuge und Arbeitsmittel zuverlässig griff- und standsicher sind. Dass der Verband zudem „schwere Unfälle“ positiv hervorhebt, unterstreicht, dass nicht nur kleinere Ereignisse weniger werden, sondern auch die besonders relevanten Schweregrade.

Ein zweiter Schwerpunkt liegt bei den tödlichen Ereignissen und zeigt, wie stark der Kontext den Risikoverlauf prägen kann. Bei den Arbeitsunfällen nennt der Bericht einen Rückgang der Todesfälle von 307 im Vorjahr auf 299. Gleichzeitig treten bei den Ursachen für tödliche Arbeitsereignisse andere Schwerpunkte zutage: Kontrollverlust über Transportmittel führt in 101 Fällen zum Tod von Beschäftigten, während Abstürze mit 53 Todesfällen zu den zweithäufigsten tödlichen Gründen zählen. Das ist für die Umsetzung im Betrieb relevant, weil sich Maßnahmenhierarchien unterscheiden: Während bei Stolper- und Sturzkonstellationen häufig organisatorische und technische Alltagshebel dominieren, verlangen Absturz- und Transportrisiken meist systematische Barrieren, Trainings und ein belastbares Prüf- und Wartungsregime.

Besonders aufmerksam machen muss der Bericht jedoch die Entwicklung außerhalb des reinen Arbeitsplatzgeschehens. Die Zahl der Wegeunfälle steigt um 1,0 Prozent auf 170.306 Fälle, und bei den tödlichen Wegeunfällen verschärft sich das Bild deutlich: 231 Menschen kamen auf dem Weg zur oder von der Arbeit ums Leben, 17 Todesfälle mehr als im vorangegangenen Jahr. Gleichzeitig meldet die DGUV bei den Unfallversicherungsdaten auch ein Umfeld, in dem Prävention oft zu knapp geplant wird – etwa im schulischen Bereich: Schulunfälle klettern auf 1.032.546 (+2,0 Prozent), Schulwegunfälle steigen auf 90.663 (+3,8 Prozent), und die Zahl der Todesopfer erhöht sich von 15 auf 25. Für Betriebe heißt das indirekt: Viele Organisationen steuern Sicherheitsketten bis zu Lieferwegen, Schulkooperationen oder Pendelroutinen von Auszubildenden mit, auch wenn die Primärverantwortung formal an anderen Stellen liegt.

Neben den Unfallzahlen adressiert die DGUV auch die Finanzierung und damit die betriebswirtschaftliche Planbarkeit. Für die gewerbliche Wirtschaft bleibt die Belastung trotz gestiegener Gesamtkosten „stabil“: Der durchschnittliche Beitragssatz liegt bei 1,08 Euro je 100 Euro Lohnsumme, nach 1,09 im Vorjahr. Das Umlagesoll für 2025 beziffert die DGUV auf 14,7 Milliarden Euro, ein Plus von 2,7 Prozent. Entscheidender Mechanismus: Der Anstieg wurde laut Bericht durch die positive Entwicklung der Lohnsummen ausgeglichen, sodass der Beitragssatz nur leicht nachgibt. Für Unternehmen ist das vor allem ein Signal, dass sich Präventionsinvestitionen und Arbeitsschutzorganisation nicht in einem „Kosten-nicht-planbar“-Narrativ verstecken sollten, sondern sich als strukturelle Aufgabe betrachten lassen, die das Risiko und damit letztlich auch die Schwere von Ereignissen reduziert.

Auch bei Berufskrankheiten verschiebt sich das Bild in verschiedene Richtungen. Insgesamt gab es 91.250 Anzeigen (+0,6 Prozent), wobei 24.340 Fälle anerkannt wurden – das entspricht einem Rückgang um 9,3 Prozent. Die häufigste anerkannte Berufskrankheit war lärmbedingte Schwerhörigkeit mit 9.819 Fällen, gefolgt von Hautkrebs durch UV-Strahlung (3.899) und Infektionskrankheiten (2.656). Bei den Todesfällen durch Berufskrankheiten sank die Zahl auf 1.772, während erstmals gezahlte Renten in diesem Bereich um 4,3 Prozent auf 5.413 stiegen. Zusätzlich zeigt die Statistik, dass es bei Berufskrankheiten nicht nur um „weniger“, sondern auch um „welche“ Fälle geht: Anerkennung, Schwere und Langzeitfolgen folgen nicht zwingend denselben Trends wie reine Anzeigen.

Aus der Perspektive von Arbeitssicherheit und Compliance ergibt sich damit eine klare Priorität: Analysen müssen rechtssicher und belastbar sein, weil die Ursachen nicht nur statistische Kategorien bleiben. Die DGUV benennt als zentrale Hebel Kontrollverlust, Stolpern, Rutschen und Stürze – also Risiken, die sich durch Gefährdungsbeurteilungen, organisatorische Standards und technische Schutzmaßnahmen mit Prüfpfad abbilden lassen. Für Unternehmen bedeutet das in der Praxis, dass sie ihre Beurteilungen nicht als einmalige Pflichtübung betrachten, sondern als kontinuierlichen Abgleich mit tatsächlichen Schadensdaten: Wenn Wegeunfälle und tödliche Wegeereignisse zunehmen, gehört das Thema Pendel- und Wegeorganisation genauso in die Risikomatrix wie Arbeitsabläufe auf dem Betriebsgelände. Wer diese Schritte konsequent umsetzt, kann nicht nur die Kennzahlen verbessern, sondern vor allem die schwerwiegenden Fälle reduzieren, die in den DGUV-Daten überproportional sichtbar bleiben.


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