LONDON (IT BOLTWISE) – Der CryptoQuant-Gründer Ki Young Ju erwartet für den nächsten Bitcoin-Bull-Cycle eine 3- bis 5-fache Ausweitung des Marktvolumens. Er begründet das nicht mit einem konkreten Kursziel, sondern mit wachsenden institutionellen Beständen und steigender Realized-Capitalization. On-Chain-Kennzahlen wie MVRV und der PnL Index zeigen seiner Einschätzung nach weniger extreme Zyklen. Gleichzeitig macht er klar, dass das auch bedeutet, dass sowohl starke Aufwärts- als auch tiefe Abwärtsbewegungen tendenziell abgefedert werden.

Der nächste Bitcoin-Bull-Cycle dürfte nach Einschätzung von Ki Young Ju nicht in erster Linie durch einen neuen Preisschock getrieben werden, sondern durch eine strukturelle Vergrößerung des Marktes. Der Gründer von CryptoQuant ordnet die erwartete Größenordnung als 3- bis 5-fach ein – ohne daraus jedoch eine feste Preisprognose für BTC abzuleiten. Im Zentrum steht die Frage, wie viel Kapital künftig in die Gesamtpositionierung fließt. Genau diese Skalierung ist in älteren Zyklen weniger relevant gewesen, weil der Markt bei vergleichbaren Phasen deutlich kleiner kapitalisiert war und dadurch schon relativ geringe Zuflüsse sehr große Kursbewegungen auslösen konnten.
Als Kontrast dazu nennt Ju aktuelle Ausgangswerte: Die Marktkapitalisierung liege mittlerweile bei rund 1,75 Billionen US-Dollar. Wenn ein Asset in dieser Größenordnung in einem Bull-Markt zusätzlichen Kapitalzufluss erhält, wirkt die gleiche absolute Geldmenge wie ein kleinerer „Hebel“ auf den Kurs. Der Kern seiner Argumentation lautet daher auch weniger „3-5x Kurs von hier aus“, sondern „3-5x Marktgröße im nächsten Zyklus“. Das ist wichtig für die Interpretation, denn die Quelle stellt ausdrücklich heraus, dass unklar bleibt, ab wann genau die 3–5x-Logik startet und wie sich die Größenordnung zeitlich im Verlauf manifestiert.
Technisch untermauert Ju seine These mit On-Chain-Kennzahlen, insbesondere dem MVRV-Verhältnis (Market Value to Realized Value). Er verweist darauf, dass MVRV in diesem Zyklus über der Marke von 1 geblieben sei. In der Modelllogik bedeutet das, dass der Marktwert des gesamten Angebots über dem realisierten Kostenniveau der jeweiligen Halter liegt – und damit laut Darstellung nicht bis unter die aggregierte On-Chain-Kostenbasis gefallen ist, selbst als es zu den großen Korrekturen kam. Daneben führt er den PnL Index aus CryptoQuant an, der nach seiner Interpretation zeigt, dass sich Zyklusspitzen und -tiefs weniger stark „ausschlagen“ als in früheren Phasen. Bottoms sollen gleichzeitig auf einem höheren aggregierten Halter-Profit-Niveau entstehen, wodurch die typische Dynamik früherer Crash-Extrema abgeschwächt wirken könnte.
Bei aller Datenbetonung bleibt jedoch ein zentraler methodischer Punkt: On-Chain-Metriken können ein Frühwarn- oder Kontextsignal sein, sie liefern aber keine Garantie für die Richtung der nächsten Kursbewegung. Genau das wird in der Argumentation sichtbar, etwa über den Hinweis auf den 365-Tage gleitenden Durchschnitt, der eine „bedeutsame Wendestelle“ nahelege, während die kurzfristige Übertragbarkeit begrenzt bleibt. Zu den weiteren Bausteinen zählt außerdem die Realized-Capitalization: Sie bewertet Coins anhand des letzten real gezahlten Preises je Einheit. Wenn diese Kennzahl weiter wächst, liest Ju daraus, dass weiterhin Geld in den Markt kommt. Gleichzeitig habe jede neue Eintrittseinheit im Vergleich zu früheren Zyklen weniger Einfluss auf prozentuale Preisbewegungen, weil die Basis bereits größer ist.
Ein weiterer Teil der These betrifft die Verhaltensseite großer Marktteilnehmer. Ju betrachtet Whale-Aktivität und leitet ab, dass frühe große Halter mit ihren Verkäufen deutlich nachgelassen hätten. Zusätzlich nennt er, dass große Futures-Trader ihre Long-Positionen nahe dem jüngsten Tief erhöht hätten. Diese Kombination zielt auf ein Muster: Wenn weniger „frühes“ Verkaufsverhalten dominiert und sich gleichzeitig Long-Seite und institutionelle Positionierung stabilisieren, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass der Markt in eine extrem einseitige Liquiditätskrise gerät. Dabei schränkt er selbst ein, dass das nicht zwangsläufig bedeutet, langfristige Wale hätten jede Verteilung vollständig beendet; vielmehr geht es um ein verändertes Gesamtbild im Aggregat.
Damit die These beißt, braucht sie für Ju aber auch institutionelle Teilnahme. In den USA sieht er dafür vor allem zwei Zugangswege: Spot-Bitcoin-ETFs und Käufer aus dem Bereich Corporate Treasury. Aus dieser Perspektive beschreibt er ein Spannungsfeld: Eine größere Kapitalbasis macht es aus seiner Sicht schwieriger, dass es erneut zu einem 10x- oder noch stärkeren „parabolischen“ Schub kommt. Gleichzeitig dürfte eine breitere, institutionell verankerte Kapitalfront laut seiner Logik dafür sorgen, dass die für frühere Zyklen typischen rund 80%-Einbrüche im Bärenmarkt weniger wahrscheinlich werden. Unterm Strich geht es also um eine Kompression der Gegensätze – weniger extrem oben, aber auch weniger extrem unten.
Die Einordnung lässt sich zudem über den zeitlichen Kontext seiner bisherigen Aussagen verstehen. Seit den jüngsten Kommentaren habe sich Bitcoin wieder über 86.000 US-Dollar erholt, nachdem es zuvor etwa am 15. September bei rund 75.600 US-Dollar gelegen hatte. Ju differenziert hier zwischen einem früheren Narrativ, in dem bearish Conditions bis in den frühen Teil des Jahres 2027 hinein möglich erschienen, und der aktuellen Sicht, die mit dem Reifungsprozess des Marktes zusammenhängt. Laut seiner aktuellen Argumentation führen zunehmende Realized-Capital-Werte, höhere Halterprofitabilität und wachsendes institutionelles Ownership zu einer Verengung der Bandbreite – und damit zu Zyklen, die zwar weiterhin volatil sein können, aber weniger häufig in die extremen Ausschläge vergangener Jahre rutschen.
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