ATLANTA / LONDON (IT BOLTWISE) – Zoox hat seine autonome Testflotte in Atlanta vorübergehend gestoppt, nachdem Sicherheitsfahrer Berichte über mögliche Gasexposition in den Fahrzeugen gemeldet hatten. Mehrere Beschäftigte sprachen von Symptomen wie Übelkeit bis hin zu Erbrechen sowie teils auffälligen Gerüchen. Ein Vorgang bei der US-Arbeitsschutzbehörde OSHA wurde eingeleitet; Zoox untersuchte die Vorfälle und ließ medizinische Checks durchführen. Das Unternehmen erklärte, es habe in den betroffenen Fahrzeugen vor allem CO2 gefunden und ergänze nun CO2-Monitore, während der Betrieb in diesem Markt vorerst pausiert.

Zoox stellt die Aktivitäten seiner autonomen Testfahrzeuge in Atlanta ab sofort deutlich enger auf: Die Firma hat seine Testflotte dort vorübergehend geerdet, nachdem Sicherheitsfahrer im vergangenen Monat möglicherweise mit gasförmigen Stoffen aus oder im Fahrzeuginnenraum in Kontakt gekommen sein sollen. Auslöser waren mehrere gemeldete Expositionssymptome wie Übelkeit, Benommenheit und in mindestens einem Fall Erbrechen. In der Folge wurden Fahrzeuge während der Untersuchung quarantänisiert, während Zoox parallel mit der Arbeitsschutzbehörde zusammenarbeitete und medizinische Bewertungen veranlasste.
Die regulatorische Spur begann, als mindestens ein Mitarbeiter eine Beschwerde bei der Occupational Safety and Health Administration (OSHA) einreichte. Laut einem entsprechenden Schreiben an Zoox bezieht sich das potenzielle Expositionsrisiko dabei auf mehrere Personen; Zoox gab anschließend an, die Zahl der Betroffenen liege niedriger als in der ersten Meldung. OSHA forderte Zoox auf, die Ursachen zu untersuchen. In der Zwischenzeit setzte Zoox – zumindest in einem Fall – einen Teil der Fahrer wieder auf die Straße, allerdings in einem anderen Testfahrzeug; auch dort traten später erneut ähnliche Symptome auf, was auf ein systematisches Problem in der Umgebung, im Prozess oder in der Fahrzeugkonfiguration hindeutet.
Besonders bedeutsam ist, dass der konkrete Zielstoff nach wie vor nicht vollständig eindeutig ist. Die Betroffenen beschrieben in einzelnen Fällen auffällige Gerüche; außerdem teilte ein medizinischer Kontext nach Angaben der Betroffenen mit, dass die Symptome zu einer Kohlenmonoxid-Exposition (CO) passen könnten. In der Beschwerde wurde außerdem eine mögliche Kohlenstoffdioxid-Exposition (CO2) genannt. Zoox wiederum erklärte gegenüber OSHA, es habe seine Testfahrzeuge auf CO2 geprüft, unter anderem 12-Volt-Batterien untersucht und gegebenenfalls ersetzt. Damages an solchen Batterien können in bestimmten Szenarien zu der Bildung von geruchsintensiven Gasen führen; Zoox verneinte jedoch das Vorhandensein von Kohlenmonoxid, das geruchslos ist. In einem Schreiben an die Aufsicht erklärte das Unternehmen zudem, dass es lediglich einen einzigen medizinischen Bericht erhalten habe, der eine CO2-Exposition identifizierte, und dass es einen externen medizinischen Experten zur Einordnung hinzugezogen habe.
Technisch rückt damit die Frage in den Mittelpunkt, wie Zoox in seinen Testdepots mit Luftqualität und Abgas- bzw. Infiltrationsrisiken umgeht. Wichtig ist: Anders als viele andere Robotaxi-Entwickler setzt Zoox für seine Testflotte auf modifizierte Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Das bedeutet, dass Abgasbestandteile bei Leckagen im Auspuff- oder Abgassystem grundsätzlich ins Fahrzeuginnere gelangen können; daneben kann sich CO oder CO2 auch in geschlossenen Räumen anreichern, wenn Fahrzeuge über längere Zeit dort betrieben werden. Zoox erklärte, die Abgasanlagen auf Undichtigkeiten getestet und eine „smoke test“-Prüfung zur Erkennung von Kabinen-Eindringwegen durchgeführt zu haben. Zusätzlich betreibt Zoox in den Indoor-Depots offenbar ein System zur Abgasabsaugung, das vom Grundprinzip her an Lösungen erinnert, wie sie in Werkstätten zum Erfassen von Abgasen genutzt werden. Gleichzeitig berichteten Beschäftigte von baulichen Ergänzungen im Innenraum, darunter eine Art „Snorkel“ oberhalb des Infotainmentsystems, die Luft in Richtung der hinteren Sitzreihe drücken soll.
Für die Einordnung lohnt auch ein Blick auf historische Analogien: In einem früheren Fall untersuchte die US-Verkehrsbehörde NHTSA über Jahre Berichte über CO-Aufbau in bestimmten Fahrzeugen, bei denen Modifikationen und Zusatzkomponenten potenziell Dichtungs- oder Leckpfade beeinflussten. Im Kern zeigt solche Erfahrung, dass selbst scheinbar harmlose Umbauten – etwa für Beleuchtung, Signalgeber oder andere Nachrüstmodule – die Dichtheit von Schnittstellen verändern können. Übertragen auf Zoox bedeutet das: Nicht nur die Existenz eines Abgas- bzw. Erfassungsansatzes ist relevant, sondern die kombinierte Wirkung aus Fahrzeugumbau, Luftführung, Wartungszustand und Betriebsablauf im Depot. Genau hier ist auch die Entscheidung plausibel, CO2-Monitore in den betroffenen Fahrzeugen nachzurüsten: CO2 ist leichter zu instrumentieren als geruchsunabhängige Gase, liefert jedoch nicht automatisch die vollständige Identifikation des ursprünglichen Lecks.
Der Ablauf, wie es zu den ersten akuten Beschwerden kam, deutet zudem auf eine zeitliche Häufung hin. Betroffen war insbesondere ein Trupp von Fahrern, die gemeinsam in demselben SUV fuhren – eine Praxis, die Zoox für das Training neuer Beschäftigter einsetzt. Nach den Schilderungen begannen die Warnzeichen am frühen Morgen, noch bevor die Gruppe die geplante Frühstückspause erreichte. Als ein Kollege kurz darauf erbrach, zog der Vorgang eine sofortige Rückkehr ins Depot nach sich. Später berichteten mehrere Fahrer, dass sie auch nach der Rückkehr erneut in ein anderes Testfahrzeug gesetzt wurden, bevor die Untersuchung abgeschlossen war. Parallel dazu kam es zeitweise zu medizinischen Abklärungen, in denen die Messwerte für Kohlenmonoxid nicht erhöht gewesen sein sollen, während die Symptomatik dennoch als vereinbar mit CO-Exposure bewertet wurde. Am 22. August schließlich sei ein Notruf ausgelöst worden, nachdem ein weiterer Auftragnehmer stark erkrankte – Details dazu, wer den Notruf veranlasste und wie sich der akute Verlauf genau darstellte, bleiben zunächst offen.
Für den Markt ist die Geschichte mehr als eine lokale Sicherheitsdebatte. Zoox expandiert parallel in mehrere US-Märkte, um schneller Reichweite zu gewinnen und gegenüber dem Platzhirsch Waymo aufzuholen. Diese Wachstumsphase erhöht jedoch auch die Wahrscheinlichkeit, dass Betriebsprozesse an neue Standorte „mitziehen müssen“ – und dass Sicherheitsgrenzen erst spät in allen Schichten sichtbar werden. Besonders relevant ist dabei das Zusammenspiel aus der technischen Seite (Fahrzeug- und Depotumbauten, Sensorik, Luftführung) und der operativen Seite (Quarantänelogik, Einsatzentscheidungen, medizinische Triage, Kommunikationswege zwischen Auftragnehmern, HR und Aufsichtsstellen). Aus Unternehmenssicht kann der Vorfall zudem einen verstärkten Fokus auf Monitoring-Strategien beschleunigen: Wenn CO2- und Geruchs- bzw. Leitsignalindikatoren nicht nur im Ausnahmefall, sondern kontinuierlich genutzt werden, lassen sich Muster schneller erkennen, bevor es wieder zu akuten Zwischenfällen kommt. Zoox kündigte an, in diesem Markt die Testfahrzeuge bis zur weiteren Klärung außer Betrieb zu lassen – eine Maßnahme, die zwar den Rollout kurzfristig bremst, aber das Vertrauen in Sicherheitsprozesse schützt.
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