PARIS / LONDON (IT BOLTWISE) – Schneider Electric will die Shelly Group übernehmen und dafür 70 Euro je Aktie zahlen. Laut Vereinbarung entspricht das einer Bewertung von rund 1,2 Milliarden Euro und beinhaltet einen Aufschlag von bis zu 27 Prozent. Shelly-Insider unterstützen den Deal, zugleich hängt der Schritt an der Zustimmung der Regulierungsbehörden und an der Zielmarke von mindestens 95 Prozent an Shelly. Bei Erfolg rechnen die Unternehmen mit einem Abschluss im ersten Quartal 2027 und einer anschließenden Herausnahme der verbliebenen Aktionäre.

Der Technologiekonzern Schneider Electric baut seine Position im Smart-Home- und IoT-Umfeld mit einer klaren Kaufabsicht aus: Wie die Parteien vereinbarten, soll die Shelly Group übernommen werden. Im Zentrum steht ein Angebot von 70 Euro je Aktie, das sich auf eine Unternehmensbewertung von rund 1,2 Milliarden Euro bezieht. Für den Markt bedeutet das nicht nur eine neue Größenordnung im SDAX, sondern vor allem die Fortsetzung einer Strategie, die vernetzte Geräte stärker an Software- und Plattformlogik zu koppeln.
Finanziell konkretisiert sich die Transaktion über einen ordentlichen Aufschlag: Nach Angaben aus der Vereinbarung entspricht der Angebotspreis einem Aufschlag von bis zu 27 Prozent. Während Schneider Electric den eigenen Anteil moderat steigerte, kletterten die Shelly-Aktien deutlich. Am Berichtstag lagen die Papiere gegen Mittag um 4,2 Prozent höher bei 67,10 Euro; in der Spitze kam der Kurs auf 68,40 Euro und damit nahe an ein Hoch aus dem Juli heran. Damals hatte Shelly Gespräche mit Schneider Electric erstmals bestätigt, allerdings noch ohne Ergebnisoffenheit auszuschließen.
Entscheidend für das Timing und die Umsetzbarkeit sind die Aktionärsverpflichtungen und die sogenannten Schwellenwerte für eine vollständige Übernahme. Die Shelly-Gründer sollen den Deal unterstützen: Dimitar Dimitrov hat sich verpflichtet, seinen Anteil von rund 29 Prozent anzudienen. Auch Mitgründer Svetlin Todorov, der über rund 28 Prozent verfügt, will sich in zwei Tranchen von den Papieren trennen. Gleichzeitig nennen die Parteien als Hürde, dass Schneider Electric am Ende mindestens 95 Prozent an Shelly direkt oder indirekt halten muss; zudem brauchen die Regulierungsbehörden ihre Zustimmung. Erst wenn beide Bedingungen erfüllt sind, kann die Transaktion wie geplant in die entscheidende Phase gehen.
Parallel zur Kapitalfrage beschreibt der Zusammenschluss auch eine technische und marktstrategische Stoßrichtung. Shelly arbeitet im Internet der Dinge mit vernetzten Elektro-Geräten, die eine automatisierte Steuerung im Haushalt ermöglichen. Das Unternehmen hat sich nach eigenen Angaben vom klassischen Anbieter einzelner vernetzter Geräte hin zu einer softwaregetriebenen Plattform für Home-Energy-Management und Smart Buildings entwickelt. Dazu zählen vernetzte Sensoren, Beleuchtungssysteme und smarte Steckdosen. Schneider Electric kann diese Fähigkeiten im eigenen Portfolio andocken, insbesondere weil der Konzern bereits eine IoT-Plattform namens EcoStruxure betreibt, die in Branchen wie Gesundheitswesen, Freizeitbereich und Handel eingesetzt wird.
Damit verschiebt sich der Fokus von der reinen Gerätekompetenz hin zu vernetzter Systemintegration. Schneider Electric versucht offenbar, sein Privatkundengeschäft mit Smart-Home-Komponenten weiter auszubauen und dabei Software-Schichten stärker zu nutzen, statt nur Hardware-Bestandteile zu ergänzen. Shelly wiederum setzt darauf, mit der Einbindung der eigenen Technologieplattform in das Schneider-Portfolio die Entwicklung des Geschäfts zu beschleunigen. Interessant ist dabei auch die Personal- und Organisationsplanung: Die Belegschaft und Strukturen sollen in Bulgarien erhalten bleiben; außerdem wollen die Parteien, dass Dimitar Dimitrov gemeinsam mit Wolfgang Kirsch weiterhin als Co-Vorstandsvorsitzende Shelly leiten.
Für Investoren und operative Teams ist vor allem der Zeitplan relevant. Die Unternehmen erwarten bei erfolgreichem Verlauf einen Abschluss im ersten Quartal 2027. Danach plant Schneider Electric, die verbliebenen Aktionäre herauszukaufen und Shelly von der Börse zu nehmen. Da die Shelly-Aktien nicht nur in Frankfurt, sondern auch in Sofia gelistet sind, wird die Phase nach dem Merger-Vollzug organisatorisch und kommunikativ besonders anspruchsvoll, selbst wenn das operative Tagesgeschäft bereits auf die Plattform-Nachbarschaft zwischen Shelly und EcoStruxure einzahlt.
Unterm Strich zeigt die Meldung, wie sich der Wettbewerb im Smart-Home-Ökosystem weiter verschiebt: Plattformbetreiber und Industrie-Konzernstrukturen suchen gezielt nach Softwarekompetenz, um ihre IoT-Angebote zu vertiefen. Für Unternehmen, die heute Smart-Building- oder Energiemanagement-Lösungen entwickeln, bedeutet das vor allem eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass Integrationsschichten und Datenflüsse stärker zentralisiert werden, sobald Plattformen unter ein Dach kommen. Gleichzeitig bleibt die Umsetzungslogik an harte Voraussetzungen gebunden, insbesondere an die 95-Prozent-Schwelle und die behördliche Freigabe.
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