TUKWILA / LONDON (IT BOLTWISE) – Starfish Space bereitet den ersten Orbitalflug seines vollformatigen Servicing-Systems „Otter“ vor, nachdem zwei Prototypen in niedrigeren Maßstäben erfolgreich im All unterwegs waren. Der Start soll frühestens am 1. Oktober von der Vandenberg Space Force Base erfolgen, als Mitnahme-Start im Rahmen der SpaceX Transporter-18-Mission. Otter wiegt 300 Kilogramm, demonstriert Technologien zur Inspektion stillgelegter Satelliten und ist Teil der NASA-Mission „Small Spacecraft Propulsion and Inspection Capability“ (SSPICY). Aus den gewonnenen Erkenntnissen will das Startup künftig auch Docking-Szenarien für weitere Servicing- und Entsorgungsaufgaben ableiten.

Starfish Space startet Otter: Orbitaltests für Satelliteninspektion mit NASA-Förderung
Starfish Space startet Otter: Orbitaltests für Satelliteninspektion mit NASA-Förderung (Foto: IT BOLTWISE)
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Starfish Space macht aus einem technischen Konzept eine konkrete Mission: Der vollformatige Satelliten-Servicer „Otter“ soll nach zwei Tests mit verkleinerten Prototypen nun erstmals in voller Größe ins All starten. Das Ziel ist nicht nur Demonstration im Lehrbuch-Stil, sondern eine wiederholbare Dienstleistung rund um das Inspektieren von Satelliten in der Umlaufbahn. Laut Angaben des Unternehmens ist Otter für das „Nähe dran“-Prinzip gebaut: Nach der Trennung von der Falcon-9-Rakete soll das Raumfahrzeug in einem Freiflug-Abschnitt in Richtung mehrerer Kandidaten manövrieren und sie aus kurzer Distanz beobachten. Damit adressiert Starfish ein praktisches Problem der Raumfahrtindustrie, das in den vergangenen Jahren stärker in den Fokus gerückt ist: Viele nicht mehr betriebenen Satelliten bleiben über lange Zeit im Orbit und erfordern dennoch Monitoring, etwa um Zustand und Alterung besser einschätzen zu können.

Der Zeitplan und die technische Einbettung sind dabei eng mit einer NASA-Förderung verknüpft. Der Flug ist demnach für die Mission „Small Spacecraft Propulsion and Inspection Capability“ (SSPICY) vorgesehen, ein Programm, das mit 15 Millionen US-Dollar dotiert ist und kleinen Raumfahrzeugen einen Leistungsnachweis im Zusammenspiel aus Antrieb, Annäherung und Inspektionsfähigkeit abverlangt. Startbasis ist die Vandenberg Space Force Base in Kalifornien; der geplante Termin liegt frühestens am 1. Oktober. Otter wird mit 300 Kilogramm Masse in den Orbit gehen und entspricht in seinen Abmessungen grob der Größe eines Küchenofens – zuzüglich Solararrays. Dass das Fahrzeug als Teil einer Rideshare-Mission startet, reduziert zwar häufig die Einstiegshürde in den Orbit, verändert aber zugleich die Betriebsplanung: Die Mission muss sich in die Startfenster und die Flugmechanik der Mitnahmelogistik einpassen.

Nach dem Start steht die eigentliche Ingenieursarbeit an: In der Mission soll Otter nach der anfänglichen Inbetriebnahme zu mehreren Satelliten „in Kandidatenlisten“ navigieren und dort aus der Nähe Inspektionsdaten erheben. Starfish verweist dabei auf die Auswahl der Zielobjekte erst unmittelbar im Orbit: Es gebe mehrere infrage kommende Satelliten, die anhand ihrer tatsächlichen Verfügbarkeit und Geometrie bestimmt würden. Der technische Kern liegt in der Kombination aus präzisem Bahn-/Annäherungsmanagement und einer Sensorik, die den Zustand eines fremden Raumfahrzeugs aus sicherer Distanz bewerten kann. Gerade bei decommissioned Satellites, also bei stillgelegten Objekten, entfällt zudem eine heikle Nebenbedingung: Starfish muss nicht gleichzeitig die Aufrechterhaltung einer aktiven Missionsfähigkeit koordinieren. Neben der Inspektion zielt Otter aber auch auf längerfristige Einsatzoptionen, etwa für Servicing-Aufgaben über mehrere Zielobjekte hinweg oder für Docking-Szenarien in späteren Missionen.

Für das Unternehmen ist SSPICY zugleich ein Meilenstein auf dem Weg von „Otter Pup“ zu „Otter“ und damit eine Fortsetzung der eigenen Entwicklungslinie. Otter Pup wurde 2023 als Prototyp in der Größe eines Mikrowellenofens gestartet. Damals verhinderten technische Schwierigkeiten ein erfolgreiches Docking mit dem anvisierten Satelliten, doch das System demonstrierte laut Starfish immerhin seine Fähigkeit zur Satellitenerkennung und -verfolgung. Ein zweiter Otter-Pup-Flug folgte im vergangenen Jahr: Dieser befindet sich aktuell laut Unternehmensangaben in der Annäherungsphase zu einem anderen Ziel, wobei das Zielbild diesmal stärker auf Docking gerichtet ist. Diese Historie ist wichtig, weil sie den Schwerpunkt der Fortschritte zeigt: Nicht nur die Annäherung an ein Objekt ist der Engpass, sondern die wiederholbare Fähigkeit, Tracking-, Bahnkorrektur- und Missionssequenzen so zu integrieren, dass ein zielgerichtetes Servicing- oder Docking-Manöver im Betrieb stabil bleibt.

Was Starfish zusätzlich antreibt, ist eine klare Portfolio-Strategie. Nach SSPICY arbeitet das Startup demnach bereits an weiteren Einsätzen, darunter eine Satelliten-Entsorgungsmission im Auftrag der Pentagon-nahen Space Development Agency, zwei Servicing-Missionen in der geostationären Erdumlaufbahn und zwei weitere Missionen für die US Space Force. Daraus ergibt sich laut Aussage mindestens eine Flotte von sechs Otter-Einheiten, einschließlich des Exemplars, das im Oktober gestartet werden soll. Entsprechend verschiebt sich der Fokus vom einzelnen Demonstrationsflug hin zu Produktions- und Taktungsfragen: Starfish beziffert die Herstellzeit pro Otter derzeit auf rund eineinhalb Jahre. Gleichzeitig formuliert das Unternehmen als Ziel, genau diese Prozessdauer zu verkürzen, um perspektivisch eine „Fleet-Strategie“ realisieren zu können, also mehrere Servicing-Einsätze nicht nur als Einzelprojekt, sondern als planbare Kapazität anzubieten.

Der Mannschaftswachstumsteil zeigt, dass der Schritt zur Flotte nicht allein im Engineering-Design liegt. Starfish gab zuletzt an, die Belegschaft von mehr als 90 auf über 120 Mitarbeitende erhöht zu haben. Das ist in der Wachstumsphase eines Space-Startups zugleich ein Signal für steigende Integrations- und Testaufwände: Mehr Geräte bedeuten mehr Hardware-Revisionen, mehr Validierungszyklen und in der Regel auch mehr Betriebskomplexität in der Mission Operations. Für den lokalen Kontext inszeniert das Unternehmen den bevorstehenden Debütmoment zudem mit einem internen Feiern-Format in Seattle, inklusive Präsentation eines Otter-Mockups. Damit wird sichtbar, dass Starfish die nächsten Schritte auch als Story für den industriellen Standort versteht: Jede gelungene Mission wirkt wie ein „Proof“ für Lieferketten, Kompetenzaufbau und die Fähigkeit, Servicing-Know-how in die Praxis zu überführen.

Offen bleibt vorerst, wie lange die SSPICY-Phase im Orbit dauern wird. Starfish nennt hier keinen festen Endtermin, sondern macht die Betriebsdauer davon abhängig, wie viel Zeit pro Inspektionsfenster benötigt wird und wie groß der Transit zwischen den jeweiligen Folgeobjekten ausfällt. Bei mehreren Clients und potenziell verlängerten Einsätzen wäre genau das der reale Test für den kommerziellen Nutzen: nicht allein die Fähigkeit, ein Objekt anzufahren, sondern die Fähigkeit, eine Inspektionsleistung in einer verlässlichen Folge zu liefern. Für Unternehmen und Institutionen in der Raumfahrt bedeutet das: Wer Servicing und Inspektion im Orbit einkalkuliert, bekommt mittelfristig ein Modell, das technische Daten direkt aus realen Annäherungs- und Beobachtungssituationen in die Planung künftiger Einsätze übersetzt. Starfish versucht dabei, die Brücke zwischen Demonstrator und wiederkehrendem Dienst zu schlagen – und genau daran dürfte sich der Erfolg der nächsten Docking-Schritte messen lassen.


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