LONDON (IT BOLTWISE) – Starfish Space schickt in diesem Herbst den „Otter“ ins All, um für die NASA erstmals kommerzielle Trümmerkontrollen durchzuführen. Im NASA-Demo „SSPICY“ soll das Raumfahrzeug nahe an mehrere ausrangierte US-Satelliten heranfliegen und deren Zustand aus Hunderten von Metern Entfernung erfassen. Für die Inspektionsmission zahlt die NASA 15 Millionen US-Dollar, gestartet wird im nächsten Monat auf einer Falcon-9-Transporter-Variante. Das Unternehmen setzt dabei auf präzises Rendezvous, inspizierende Sensorik und perspektivisch ein Refueling per Wasserantrieb.

Nach sieben Jahren Aufbauphase wird aus dem Namen „Otter“ nun eine reale Fähigkeit im Orbit: Starfish Space plant, in diesem Herbst den ersten vollwertigen Otter-Raumflugkörper zu starten. Entscheidend ist dabei weniger der Zeitpunkt an sich, sondern der Anwendungsfall, der im Umfeld moderner Satellitenkonstellationen immer dringlicher wird. Im Fokus steht eine Mission, die bereits auf dem Papier zeigt, wohin sich das kommerzielle Weltraumgeschäft bewegt: weg von reinem Starten großer Nutzlasten und hin zu Services rund um Inspektion, Wartung und Lebensverlängerung bestehender Assets.
Die anstehende NASA-Demonstrationsmission heißt SSPICY, was für „Small Spacecraft Propulsion and Inspection Capability“ steht. Otter fliegt dabei auf einer Transporter-Variante der Falcon 9 in den Orbit; der Raumfahrzeugbus wird in der Größenordnung eines großen Haushaltsgeräts beschrieben und hat eine Masse von ungefähr 350 kg. Das Missionsziel ist eine Annäherung an mehrere ältere, nicht mehr aktive Satelliten im erdnahen Orbit. Otter soll dabei innerhalb von Hunderten Metern an die jeweiligen Ziele herangehen und Informationen sammeln, etwa zu Spin-Raten und aktuellen Bedingungen des Objekts. Damit ist es zugleich eine Art „Erstes Kapitel“ für die Raumfahrt-Industrialisierung von Rendezvous- und Inspektionsfähigkeiten, weil NASA ausdrücklich erstmals eine kommerzielle Debris-Inspektionsmission finanziert und Starfish dafür 15 Millionen US-Dollar erhält.
Technisch lässt sich der Ansatz als Kombination aus präziser Bahnführung, Navigations- und Kontrollsoftware sowie einem Antriebskonzept verstehen, das langfristige Operationen begünstigt. Starfish hat dafür den Weg gewählt, zunächst nicht nachzutanken, aber die Architektur von Anfang an so zu planen, dass Refueling später möglich ist. Als Treibstoff entscheidet sich das Unternehmen für Wasser, weil es als relativ reichlich verfügbar beschrieben wird – insbesondere im Kontext möglicher Nutzungsketten entlang des Sonnensystems. In der Praxis bedeutet das für den Entwicklungsfokus: Das System muss nicht nur „ans Ziel kommen“, sondern auch station-ähnliche Manöver und sichere Annäherungsprofile über längere Zeiträume beherrschen, ohne die Betriebsparameter zu destabilisieren.
Dass dieser Fokus realitätsnah umgesetzt wird, zeigt der Blick auf die bisherigen Demonstrationen. Otter Pup 1 startete 2023, allerdings gab es bei dem externen Orbital-Transfer-Vehikel eine Störung: Das System schleuderte die Otter-Pup-1-Einheit vorzeitig aus, noch dazu bei einer gemeldeten Spinrate von 330 Grad pro Sekunde. Das Team konnte das Raumfahrzeug anschließend über Wochen wiederherstellen, später fiel jedoch ein Schubtriebwerk aus. Zwei spätere Demo-Missionen verliefen erfolgreicher: Otter Pup 2 wurde 2025 in eine Phase gebracht, in der das System bereits in relativer Nähe zu einem Zielobjekt im niedrigen Erdorbit manövriert. Bisher reichte die Distanz bis auf etwa 1 km; wenn die nächsten Schritte planmäßig funktionieren, soll in den kommenden Monaten ein Andocken folgen. Ergänzend dazu arbeitete Starfish mit Impulse Space zusammen und setzte dessen Software auch bei der Mira-Mission ein, nachdem das Ziel seine Hauptaufgaben abgeschlossen hatte – ein Signal, dass die Softwarekomponente nicht nur im eigenen Testkorridor funktioniert.
Für den Markt ist SSPICY deshalb mehr als nur ein Regierungsauftrag im Testmodus. Der operative Kern liegt in der Fähigkeit, große, wachsende Satellitenpopulationen im erdnahen Raum nicht nur zu verwalten, sondern Zustände zu überwachen und damit Risiken für Verkehr, Raumfahrtinfrastruktur und verbleibende Lebensdauer besser zu kalkulieren. Genau an dieser Stelle wird auch der Business Case von Starfish sichtbar: Das Unternehmen hält sich mit rund 120 Mitarbeitenden und berichtet von insgesamt etwa 150 Millionen US-Dollar eingesammeltem Kapital bewusst als schlanke Organisation. Statt riesiger Fertigungslinien setzt Starfish auf die Beschaffung des Raumfahrt-Busses von Astro Digital und verlagert die kritische Entwicklungsarbeit auf Software und Manövriersysteme, die für präzises Rendezvous, Docking und eine dauerhafte Präsenz im Orbit ausgelegt sind.
Die bevorstehende NASA-Inspektion bringt allerdings einen Punkt mit sich, der viele Teams in der Startphase spüren: Es ist das „erste Mal“, dass ein bestimmtes Capability-Set in genau dieser Form fliegt. Starfish betont selbst die Spannung zwischen Nervosität und Aufregung rund um den Erstflug, weil Start-zu-Orbit-Realität selten mit Simulationen identisch ist. Auf der anderen Seite sind bereits weitere Otter-Einheiten in Produktion – fünf zusätzliche Fahrzeuge sollen Folgeeinsätze ermöglichen, bei denen Docking, De-Orbit-Optionen und Lebensverlängerung demonstriert werden. Für Unternehmen und Betreiber im Orbit bedeutet das: Wer künftig in der Lage sein will, näher an fremde Ziele zu manövrieren, braucht nicht nur Triebwerke, sondern vor allem robuste Leit-, Navigations- und Kontrollsoftware sowie ein nachhaltiges Betriebsmodell. Otter zielt genau auf diese Lücke – und macht damit den nächsten Schritt von der „Satellitenproduktion“ zur „Orbit-Service-Industrie“ konkret.
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