ESSEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Krupp-Stiftung verlängert ihr Programm „Berthold Beitz“ für kostenlose Fahrten nach Berlin. Pro Jahr können zehn Schulklassen aus Essen teilnehmen und vor Ort Orte der deutsch-jüdischen Geschichte besuchen. Das Angebot läuft seit 2023, inzwischen wurden aus Bewerbungen 30 Klassen ausgelost. Für das Schuljahr 2027/28 beginnt die nächste Auswahl ab 26. September, Bewerbungsschluss ist der 19. März 2027.

Wenn Geschichte nicht nur im Klassenzimmer stattfinden soll, sondern unmittelbar „am Ort“ stattfindet, wird Bildung häufig zu einer Frage der praktischen Logistik. Genau daran setzt das Programm der Krupp-Stiftung an: Schulklassen aus Essen können auch in den kommenden Jahren kostenlos nach Berlin reisen und dort zentrale Erinnerungs- und Lernorte besuchen. Damit verknüpft die Stiftung Unterrichtsinhalte mit Erfahrungen, die sich im Alltag kaum simulieren lassen – etwa durch museumspädagogische Angebote oder durch den direkten Besuch von Gedenkorten. Aus Sicht vieler Schulen ist das vor allem deshalb relevant, weil der Projektcharakter die Lernmotivation erhöht, aber gleichzeitig Planungssicherheit erfordert.
Konkret erhalten zehn Schulklassen pro Jahr die Möglichkeit, Berlin zu erleben. Das Programm sieht unter anderem Besuche des Jüdischen Museums vor und erweitert die Perspektive auf weitere Erinnerungsorte wie die Topographie des Terrors. Zusätzlich stehen Besuche der Alten Synagoge sowie des Hauses der Essener Geschichte im Ablauf. Dabei geht es nicht nur um Faktenvermittlung. Die Stiftung formuliert als Ziel, dass Schülerinnen und Schüler sich mit Antisemitismus, Demokratie und Zivilcourage auseinandersetzen – also mit Themen, die in der politischen Bildung typischerweise Diskussionen über Normen, Verantwortung und gesellschaftliche Handlungsfähigkeit auslösen. Gerade weil diese Themen sensibel sind, kann die Kombination aus moderierter pädagogischer Begleitung und einem geeigneten Lernsetting vor Ort ein entscheidender Faktor sein.
Historisch betrachtet greift das Programm dabei einen Ansatz auf, der in der Bildungsarbeit schon länger existiert: Lernen durch Anschauung. Neu ist weniger die Idee der Exkursion als die klare Struktur und die Wiederholbarkeit über mehrere Schuljahre. Das Angebot „Berthold Beitz“ läuft bereits seit 2023. In den vergangenen drei Jahren haben sich 52 Essener Schulen beworben; daraus wurden 30 Klassen ausgelost. Diese Verteilung macht deutlich, dass nicht alle interessierten Schulen zum Zuge kommen, aber die Nachfrage groß genug ist, um eine mehrjährige Fortführung zu begründen. Die Stiftung verweist auf positive Rückmeldungen von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften, weshalb das Projekt um weitere drei Jahre verlängert wird – eine Entscheidung, die in solchen Kontexten häufig als Signal für die Umsetzbarkeit im Schulalltag verstanden wird.
Für die nächste Runde startet die Bewerbung ab Samstag, dem 26. September. Teilnahmeberechtigt sind Klassen der Jahrgangsstufen 8 bis 13. Für das Schuljahr 2027/28 sind erneut zehn auszulosen – ein Kontingent, das das Programm planbar hält, aber zugleich Wettbewerb schafft. Auch der finanzielle Rahmen ist klar umrissen: Die Förderung übernimmt unter anderem die Hin- und Rückfahrt, bis zu drei Übernachtungen mit Verpflegung sowie Eintritte und Führungen in ausgewählten Museen und Gedenkstätten. Genau diese Bausteine sind in der Schulpraxis entscheidend, weil sie die Hürden reduzieren, die sonst häufig aus Zeit- und Budgetdruck entstehen. Gleichzeitig hängt der Erfolg solcher Programme oft davon ab, wie gut sich ein mehrtägiger Termin in die schulischen Abläufe integrieren lässt – etwa durch Abstimmung zwischen Fachunterricht, Klassenleitung und organisatorischer Koordination.
Das Programm trägt den Namen „Berthold Beitz“. Die Stiftung ordnet damit eine biografische Dimension ein: Beitz war langjähriger Vorsitzender der Krupp-Stiftung und rettete während des Zweiten Weltkriegs hunderten jüdischen Menschen das Leben. Die Ehrung erfolgte durch Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“. Dass solche biografisch verankerten Programme weitergeführt werden, hat auch eine kultur- und erinnerungspolitische Wirkung: Der Name dient als Brücke zwischen individueller Handlungsmacht in der Vergangenheit und der Bildungsaufgabe in der Gegenwart. Für Schulleitungen und Lehrkräfte kann das außerdem helfen, den pädagogischen roten Faden gegenüber den Beteiligten transparent zu machen – also warum bestimmte Orte, Inhalte und Methoden zusammenpassen.
Aus Sicht der Bildungsorganisation ist außerdem interessant, wie die Stiftung den Bewerbungszeitraum in einen klaren Rhythmus überführt. Bewerbungsschluss ist der 19. März 2027. Für Schulen bedeutet das: Sie müssen rechtzeitig intern planen, Verantwortlichkeiten klären und geeignete Klassen auswählen, bevor der formale Prozess abgeschlossen ist. Gerade bei Programmen, die inhaltliche Ziele wie Auseinandersetzung mit Demokratie und Zivilcourage haben, spielt die didaktische Vorbereitung eine große Rolle – etwa durch Vor- und Nachbereitung im Unterricht. Dabei können Schulen grundsätzlich auch überlegen, wie sie solche Vorhaben digital unterstützen, etwa durch strukturierte Terminplanung, standardisierte Vorabinformationen oder die Dokumentation von Lernerfahrungen; die konkreten technischen Abläufe, die die Stiftung dafür bereitstellt, gehen aus der vorliegenden Meldung jedoch nicht hervor.
Gleichzeitig zeigt das Programm, wie schnell sich gesellschaftliche Themen in konkrete Bildungsangebote übersetzen lassen, wenn Finanzierung und Rahmenbedingungen stimmen. Wer im Bereich Bildungs- und Schulentwicklung Verantwortung trägt, erkennt an der mehrjährigen Verlängerung vor allem eines: Das Modell wird als funktional betrachtet und nicht nur als einmalige Aktion verstanden. Für die nächste Bewerbungsrunde gilt deshalb: Wer teilnehmen möchte, sollte frühzeitig die Jahrgangsstufen, den zeitlichen Aufwand und die inhaltliche Ausrichtung im Blick behalten. Denn am Ende entscheidet nicht nur die Auslosung, sondern auch, ob die Schule den Exkurs als Teil einer breiteren Lernsequenz nutzt – und genau dort kann der Unterschied zwischen „einem Ausflug“ und nachhaltigem Lernergebnis liegen.
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