MCKINNEY / LONDON (IT BOLTWISE) – KFC eröffnet in McKinney, Texas, das „Open House“ als Testlabor für neue Formate, um im US-Geschäft wieder stärker zu werden. Das Konzept kombiniert Frühstück und späten Betrieb mit einem erweiterten Getränke- und Menümix, darunter Boba-ähnliche Drinks, Crunchy-Milkshakes sowie neue Sides wie fried green beans. Zusätzlich setzt KFC auf ein digitales Ordering mit Kiosk und eine Abholstation, aber mit Fokus darauf, dass Gäste das Essen direkt am Tisch serviert bekommen. Damit will der Konzern das schnelle Hähnchenessen stärker als Erlebnis positionieren.

KFC startet „Open House“ in Texas als Test für ein Comeback
KFC startet „Open House“ in Texas als Test für ein Comeback (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Eröffnung eines neuen KFC-Standorts in McKinney, Texas, wirkt auf den ersten Blick wie eine normale Expansion. Bei genauerem Hinsehen ist es jedoch vor allem ein kontrolliertes Testfeld: Unter dem Namen „Open House“ versucht die Fast-Food-Kette, in ihrem Heimatmarkt ein Stück jener Dominanz zurückzuholen, die sich in den vergangenen Jahren spürbar verschoben hat. Der Zeitpunkt ist dabei strategisch, denn während KFC weltweit weiter wächst, berichten die vorliegenden Angaben vor allem für die USA von Gegenwind durch schneller skalierende Wettbewerber und veränderte Erwartungen an „Chicken“-Angebote.

Technisch und operativ interessant ist, wie das Restaurant den Bestell- und Auslieferungsprozess gestaltet. KFC setzt auf digitale Komponenten wie einen Ordering-Kiosk, ergänzt um eine mobile Pickup-Station und nutzt zudem Double-Drive-Thru-Lanes. Der Kern des Konzepts liegt aber nicht nur in der Effizienz, sondern im Ablauf: Nach der Bestellung können Gäste sitzen und darauf warten, dass Mitarbeitende die Speisen an den Tisch bringen. Diese Gestaltung zielt darauf, den klassischen „Durchlauf“ zugunsten einer längeren Verweildauer zu verschieben – ein Hebel, der sich in der Praxis direkt auf Personalplanung, Küchen-Tempo und Servicequalität auswirkt.

Beim Menü geht KFC spürbar über die vertrauten Bucket-Formate hinaus. Das „Open House“ bietet Frühstück – laut den Angaben eine US-Premiere für KFC – und bleibt bis in die späten Stunden geöffnet. Dazu kommt eine Reihe neuer Getränkeideen, darunter Refreshers mit Boba-Füllung und Milkshakes mit Crunchy-Top, die vor allem auf jüngere Zielgruppen zugeschnitten sind. Auch bei den Speisen setzt KFC auf mehr Auswahl: Ein breiteres Tenders- und Saucen-Sortiment sowie zusätzliche Side-Dishes wie fried green beans und spicy pickles sollen die Produktbreite erhöhen, ohne das Markenkernversprechen komplett zu verwässern.

Die wirtschaftliche Einordnung liefert die eigentliche Motivation: KFC hat es in den USA schwerer, während andere Hähnchen-Ketten in den 2010er-Jahren deutlich an Tempo gewonnen haben. In den vorliegenden Angaben wird für die Jahre ab Mitte der Dekade ein klarer Rückgang bei der US-Marktposition beschrieben: Laut Technomic lag der Anteil von KFC am US-Umsatz der Chicken-Chain-Verkäufe einst bei 20 % (bezogen auf das Jahr 2015), bevor er bis 2025 auf 8 % fiel. Gleichzeitig wuchsen die Gesamtausgaben in der Kategorie stark – ein typisches Muster, wenn die „Kuchen“-Größe steigt, aber nicht jeder Anbieter denselben Anteil halten kann.

Um diesem Muster entgegenzuwirken, stellt KFC nicht nur Produkte, sondern auch das Markenerlebnis in den Mittelpunkt. Die vorliegenden Angaben beschreiben, dass neue Restaurantdesigns darauf abzielen, Fast Food stärker wie ein hochwertiger Retail-Showroom wirken zu lassen – ohne die als belastend empfundenen Schlange- und Stressmomente, die viele Schnellrestaurants prägen. In diesem Zusammenhang wird auch thematisiert, dass KFC Aufgaben wie das Bestellen automatisiert, damit das Personal mehr Zeit für Gastfreundschaft hat. Das ist eine sinnvolle Logik: Je besser Bestell- und Statusinformationen digital abgebildet werden, desto weniger müssen Mitarbeitende den Prozess „im Kopf“ koordinieren, was sich im Restaurantalltag oft in geringeren Wartezeiten und einer konsistenteren Ausgabe niederschlägt.

Historisch lohnt sich zusätzlich der Blick auf die Produktidentität. KFC gilt seit den frühen Tagen als Pionier des gebratenen Hähnchens in der Fast-Food-Welt, und die Marke verweist auch heute auf ihr Erbe über das Rezept von Colonel Harland Sanders. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung des Sortiments, dass „Erbe“ in der Praxis häufig bedeutet, einen Kern beizubehalten und den Rest so anzupassen, dass die Marke wieder in aktuelle Ernährungs- und Lifestyle-Trends passt. Die vorliegenden Angaben nennen dabei sogar konkrete Richtungen: Beverages sollen stärker wirken, weil Studien intern offenbar darauf hindeuten, dass jüngere Konsumenten stärker über Getränke entscheiden, wo sie essen.

Für die Marktstrategie ist entscheidend, wie viel vom „Open House“-Prototyp später skaliert wird. KFC teilt den vorliegenden Angaben zufolge nicht mit, welcher Anteil des Designs oder der Menülogik in die übrigen 3.424 US-Restaurants übertragen wird. Plausibel ist aber, dass insbesondere die Getränkekomponenten schneller wandern könnten, weil KFC vergleichbare Drink-Konzepte bereits in mehreren Ländern getestet hat. Für Entscheider in der Gastronomie und für Lieferanten bedeutet das: Wenn ein Kettenformat gleichzeitig Drive-Thru, digitalen Einkauf, Tischservice und neue Produktstrecken kombiniert, steigt der Bedarf an abgestimmten Prozessen in Küche, Kühlung, Verpackung und Training.

Damit bleibt „Open House“ vor allem eine Frage der Umsetzung: Kann KFC über ein moderneres Bestell- und Serviceerlebnis die Wahrnehmung „alt und abgegriffen“ in Teilen der Zielgruppe drehen, ohne die Erwartungen bestehender Stammkunden zu enttäuschen? Die vorliegenden Angaben deuten darauf hin, dass KFC genau diese Balance sucht – mehr Auswahl und neue Wege, den Besuch zu gestalten, aber weiterhin mit bone-in chicken und Seiten wie Gravy. Ob das Testlabor in McKinney tatsächlich messbar zum US-Comeback beiträgt, hängt letztlich davon ab, wie gut sich die neuen Abläufe in der Fläche reproduzieren lassen und wie schnell die Kette aus dem Pilotbetrieb belastbare Erkenntnisse gewinnt.


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