LONDON (IT BOLTWISE) – Ein Startup aus dem Wärmepumpenumfeld will Etagenheizungen kleiner und nachrüstbarer machen: Das System von Heatpump23 kombiniert eine kompakte Inneneinheit und eine fassadentaugliche Monoblock-Außeneinheit. Die Lösung ist für Wohnungen bis 100 Quadratmeter ausgelegt und soll sich laut Angaben in rund zwei Tagen installieren lassen. Für die Geräte werden inklusive Montage 18.000 bis 25.000 Euro brutto veranschlagt, bevor Förderungen greifen. Entscheidend wird dabei auch der Standortfaktor: An der Fassade kann die Außeneinheit trotz 41 dB(A) aus Nachbarsicht Zustimmung erfordern.

Knapp vier Millionen Etagenheizungen in Deutschland machen die Energiewende in Mehrfamilienhäusern oft zäh: Wo einzelne Eigentümergemeinschaften zentral nachrüsten müssen, scheitert der Tausch gern an Abstimmung und an der technischen Voraussetzung, dass Heizungsleitungen für alle Etagen nachgerüstet werden. Genau dort setzt Heatpump23 an und baut sein Konzept so, dass die Installation eher „in Eigenregie“ möglich sein soll. Statt einer großen zentralen Wärmepumpe mit umfangreicher Infrastruktur bringt das System zwei Komponenten mit, die in der Praxis das Heizungs-Kellerlayout weniger abhängig von umfangreichen Umbauten machen.
Technisch besteht die Lösung aus einer patentierten Inneneinheit und einer kleineren Außeneinheit. Die Inneneinheit ist laut Beschreibung etwa so groß wie eine Gastherme und soll klassisch im Heizungskeller untergebrachte Funktionen wie Wasserspeicher und Umwälzpumpe in einem Gerät bündeln. Der Platz für die Anschlüsse orientiert sich damit an dem, was bei Gasthermen ohnehin vorhanden ist – egal ob die Einheit später in Küche, Bad oder Flur steht. Die Außeneinheit wiederum ist als Monoblock-Wärmepumpe ausgeführt und so dimensioniert, dass sie sich an Fassade, Balkon oder Dach anbringen lässt, also dort, wo Verbraucher bisher häufig auch die Außenmodule von Klimaanlagen positionieren.
Damit diese Trennung überhaupt funktioniert, müssen Innen- und Außenkomponente über Leitungen verbunden werden können; Heatpump23 nennt dafür einen Abstand von bis zu 13 Metern. Für den Einbau braucht es entsprechend Mauerdurchbrüche, was zwar Planung erfordert, aber weniger tief in das Hausnetz eingreift als zentrale Leitungsstränge über mehrere Etagen. Die kompakte Bauweise hat dabei spürbare Konsequenzen: Der Warmwasserspeicher fasst lediglich 86 Liter statt der oft mehrere Hundert Liter bei klassischen Wärmepumpensystemen, außerdem gibt es laut Angaben keinen Pufferspeicher für die Heizung. Um die Regelung trotzdem effizient zu halten, kommt eine speziell für kleine Wärmemengen optimierte Regeltechnik zum Einsatz, steuerbar per App.
In der Leistungsdimensionierung richtet sich das System an kleinere Wohnflächen: Heatpump23 bietet zwei Varianten mit 2,8 und 6,9 Kilowatt Heizleistung, passend für Wohnungen mit bis zu 100 Quadratmetern. Die maximale Vorlauftemperatur liegt bei 55 Grad; für Extremfälle ist ein Heizstab mit zwei Kilowatt integriert. Für die größere Variante nennt der Anbieter bei 55 Grad einen SCOP von 3,33 – daraus leitet sich eine grobe Größenordnung ab, dass mit einer Kilowattstunde Strom etwa drei Kilowattstunden Wärme erzeugt werden können. Beim Preis kommuniziert das Unternehmen Geräte- und Installationskosten von 18.000 bis 25.000 Euro brutto inklusive Montage, abzüglich der Förderung; die Installation durch Partnerbetriebe soll etwa zwei Tage dauern.
Der Blick auf die Liefer- und Betriebslogik ist ebenso relevant wie die reine Technik. Fertigungspartner stellen laut Angaben die Inneneinheit in Kaiserslautern her, die Außeneinheit kommt von einem Auftragsfertiger in China; Qualitätskontrolle findet unter anderem in Heilbronn statt. Rund 15 Mitarbeitende arbeiten für das Startup. Ausgeliefert wird seit Anfang des Jahres, zuerst vor allem in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen, inzwischen auch in Hamburg; ein landesweiter Rollout sei „gerade dabei“ umgesetzt zu werden. Da das Kältemittel nur in der Außeneinheit zirkuliert, müssen Installateur: innen nach Angaben keinen Kälteschein besitzen – technisch bedeutet das: Die eigentliche Kältemittelkreislauf-Komponente ist werkseitig gekapselt, was Montageaufwände an der Schnittstelle reduziert.
Genau hier setzt aber auch der regulatorische Hebel an. Als Kältemittel nutzt das System R32 (Difluormethan), das ein rund 700-mal höheres Treibhauspotenzial als CO₂ hat; ab 2027 dürfen Wärmepumpen mit R32 deshalb nicht mehr in den Verkehr gebracht werden. Für eine klimafreundlichere Alternative steht R290 (Propan) bereit, es ist jedoch brennbar und darf nur mit Mindestabstand zu Fenstern eingesetzt werden, wodurch sich die Montagemöglichkeiten einschränken. Heatpump23 kündigt für Mitte nächsten Jahres eine Variante mit R290 und einem entsprechenden Sicherheitskonzept an – damit verschiebt sich der Wert der heutigen Markteinführung von der „letzten Meile“ hin zur Frage, wie schnell die Umstellung auf Alternativen in der Praxis gelingt.
Neben dem Kältemittel ist die Geräuschfrage ein weiterer Faktor, der bei Nachrüstungen für Konfliktstoff sorgt. Heatpump23 nennt 41 dB(A) in einem Meter Abstand; das ist demnach deutlich leiser als viele erwarten würden, aber eben nicht lautlos. In der unmittelbaren Nachbarschaft an der Fassade kann das Summen dennoch auffallen – besonders wenn mehrere Außengeräte nebeneinander hängen wie bei typischen Klimaanlagen. Deshalb wird die Anbringung laut Beschreibung zustimmungspflichtig, und das Unternehmen stellt dazu offenbar sogar eine Beschlussvorlage für die Eigentümerversammlung bereit. Wissenschaftlich begleitet wird das Thema von Fabian Ochs von der Universität Innsbruck, der das Grundkonzept als nicht „super innovativ“, aber „gut und wichtig“ einordnet: Der Schall sei ein kritischer Punkt, jedoch kein KO-Kriterium. Gleichzeitig sieht Ochs als Nachteil, dass es nur zwei Leistungsstufen gibt – die richtige Größe müsse sich erst im Einzelfall zeigen, wofür eine größere Leistungsbreite künftig hilfreich wäre.
Für die Branche steckt in der Mischung aus Größenreduktion, schnellerer Montage und dezentraler Platzierung ein realistischer Hebel: Entscheidend ist, ob sich Etagenheizungen so austauschen lassen, dass Eigentümergemeinschaften weniger Vorarbeiten leisten müssen. Gleichzeitig zeigt der Fall Heatpump23, dass „klein“ nicht automatisch „unkompliziert“ heißt: Lärm, Aufstellort, Kältemittelstrategie und Leistungsbandbreite müssen als Paket betrachtet werden, nicht als Einzelargument. Gerade weil R32 perspektivisch ausläuft, wird das Startup daran gemessen werden, ob der angekündigte Schritt zu R290 ohne neue Hürden bei Einbauorten und Abständen gelingt. Für Hausverwaltungen und Installationsbetriebe wird damit die praktische Frage in den Vordergrund rücken, wie gut sich diese modulare Wärmepumpe in bestehende Wohnungsgrundrisse integrieren lässt – und ob die versprochene Planbarkeit in der Umsetzung tatsächlich bei unterschiedlichen Gebäuden funktioniert.
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