SINGAPUR / LONDON (IT BOLTWISE) – Manus startet mit „Manus 2.0“ eine neue Agent- und Cloud-Architektur und ergänzt das Ökosystem um die Standalone-App „Cue“. In London bringt Jaam Automation „M. by jaam“ an den Start und positioniert die Plattform als Agentic Work Management mit integrierter Context Engine. Beide Anbieter adressieren die Kluft zwischen KI-Nutzung und messbarem Business-Nutzen. Frühzugriff bei Cue ist auf die ersten 1.000 Nutzer begrenzt.

Manus und Jaam: Neue KI-Agenten-Plattformen verbinden Arbeit, Kontext und App-Zugriff
Manus und Jaam: Neue KI-Agenten-Plattformen verbinden Arbeit, Kontext und App-Zugriff (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer KI-Agenten nur als Chatbot-Ersatz betrachtet, verfehlt den Kern der aktuellen Plattformbewegung: Manus und Jaam Automation schieben Funktionen nach vorne, die Agenten eng in Arbeitsabläufe, Datenkontexte und Ausführungsketten integrieren sollen. Im Fokus steht dabei nicht „eine weitere Modellintegration“, sondern ein Betriebssystem für Aufgaben: zuständigkeitsfähig, ereignisgetrieben und so gekapselt, dass Teams Prozesse tatsächlich umstellen können. Genau hier setzen die beiden Ankündigungen an, die zeitlich in kurzer Distanz zueinander erfolgten und beide „Agentic Workflows“ in den Mittelpunkt rücken, aber auf sehr unterschiedlichen Fundamenten.

Jaam Automation liefert mit „M. by jaam“ eine Agentic Work Management Plattform und ergänzt sie um eine „Context Engine“. Entscheidend ist diese Kopplung aus Kontext und Abarbeitung: Agenten bekommen damit nicht nur Anweisungen, sondern einen Rahmen, der den aktuellen Zustand von Systemen und Informationen einbezieht. Laut Jaam Automation nutzen bereits 88 Prozent der Organisationen KI, jedoch nur 7 Prozent hätten sie vollständig skaliert. Außerdem nennt das Unternehmen 80 Prozent der Mitarbeiter als Befürworter, dass KI die Produktivität verbessert, während in der Meldung ein McKinsey-Bezug steht, wonach nur 37 Prozent der Organisationen einen positiven Effekt auf das EBIT verzeichnen. Als Marktsignal verweist Jaam zudem auf Wachstum bei Microsoft-365-Agenten: innerhalb eines Jahres sei deren Zahl um das 15-fache gestiegen. Technisch will „M. by jaam“ dafür auf Azure AI, Copilot und die Power Platform aufsetzen und Agenten-Workflows so in Microsoft-nahe Betriebs- und Datenlandschaften einbinden.

Manus geht dagegen den Schritt von der Plattformarchitektur hin zur skalierbaren Ausführung im Hintergrund und bringt dafür „Manus 2.0“ mit einer neuen Architektur namens „Cascade“ ins Spiel. Dabei handelt es sich laut Darstellung um ein Agent-Harness, das Rechenressourcen je nach Projektbedarf skaliert. Besonders relevant für Entscheider ist, dass Manus konkrete Einsparwerte nennt: In einer getesteten Konfiguration seien 23,2 Prozent weniger verbrauchte Tokens, 28,2 Prozent schnellere Aufgabenerledigung sowie 32 Prozent geringere Betriebskosten erreicht worden. Allerdings bleibt die Testmethodik in der Meldung ohne nähere Beschreibung; zudem seien die Angaben nicht unabhängig verifiziert, was man bei internen Business-Cases unbedingt gegenprüfen sollte. In der Praxis ist genau diese Art von „efficiency claim“ der Punkt, an dem Agentenplattformen im Einkauf enden oder im Betrieb durchstarten: Token- und Latenzprofile bestimmen Kosten pro erledigter Aufgabe, und „Cascade“ adressiert genau diese Stellhebel.

Die Funktionsbreite von „Manus 2.0“ zeigt außerdem, wie stark der Anbieter auf Umsetzung statt Theorie setzt. „Cloud Computer“ stellt dazu eine dedizierte Cloud-Umgebung für persistentes Computing bereit, allerdings gegen Aufpreis. „Automations“ sollen geplante Aufgaben auslösen, die durch Ereignisse wie neue E-Mails, Änderungen bei Ad-Performance, Kalendertermine, Slack-Nachrichten oder Notion-Updates getriggert werden. Auffällig ist zudem die neue Desktop-App „Manus Studio“ als Ersatz für die bisherige Anwendung: Sie deckt Dokumente, Tabellen, PDFs, Präsentationen, Websites, Code, Spiele und Video ab. Ein integrierter Video-Editor soll 30- bis 60-sekündige Videos mit Timeline-Funktion erzeugen und dabei einen „Alchemy-Modus“ nutzen, während ein Game-Dev-Modul Multiplayer-Spiele aus Vorlagen generiert und einzelne Assets bearbeiten lässt; Angaben zu Serverkapazität und Uptime fehlen jedoch, was bei produktionsnahen Projekten ein konkreter Klärungsbedarf bleibt.

Im selben Atemzug betont Manus, dass viele KI-Systeme als Hochrisiko eingestuft werden könnten und Unternehmen daher bei der Implementierung neuer Workflows Compliance sicherstellen müssen. Für IT- und Rechtsabteilungen bedeutet das in der Praxis: Nicht nur Datenflüsse und Zugriffskontrollen müssen geklärt werden, sondern auch, welche Risiken ein Agent im jeweiligen Nutzungskontext auslösen kann und wie sich Entscheidungen, Aktionen und Protokolle nachhalten lassen. Ergänzend nennt die Meldung eine Remote-Control-Funktion, die das Steuern eines PCs per Smartphone in natürlicher Sprache oder über eine autorisierte Sitzung erlaubt, in der der Agent freigegebene Dateien, Browser und Apps nutzt. Genau solche „Human-in-the-loop“-Varianten sind häufig der Übergang von Pilot zu Betrieb, weil sie Sicherheits- und Freigabeprozesse nicht komplett aushebeln, sondern im Ablauf verankern. Gleichzeitig verschiebt sich der Aufwand: Je mehr Agenten eigenständig erledigen, desto wichtiger wird die saubere Abgrenzung, welche Aktionen wirklich automatisiert sind und welche nur unterstützt werden.

Mit „Cue“ ergänzt Manus das Setup schließlich um eine eigenständige App für persönliche Agenten, die eine neue Interaktionsschicht für den Endnutzer bildet. Jeder Agent soll dabei eine eigene E-Mail-Adresse, Telefonnummer, ein Wallet sowie einen eigenen Computer erhalten; die Agenten können demnach Nachrichten versenden, Zahlungen innerhalb eines Budgetrahmens ausführen, Anrufe entgegennehmen und zusammenfassen sowie Aufgaben eigenständig erledigen, wobei auch Gruppen mehrerer Agenten möglich sind. Cue startet im Early Access mit dem Invite-Code „MEETCUE“ kostenlos und ist nach dem „first come, first served“-Prinzip auf die ersten 1.000 Personen begrenzt. Die App ist für Web, Desktop und Mobile vorgesehen; für iOS steht die Freigabe im App Store noch aus. Auch „Manus 2.0“ soll über Web, Desktop und Mobile verfügbar sein, mit Desktop-Downloads für macOS mit Apple-Silicon-Chips sowie für Windows, während Preisangaben bislang fehlen. Insgesamt wirken die beiden Releases wie zwei komplementäre Strategien: Jaam setzt stark auf Kontext und Work-Management innerhalb etablierter Ökosysteme, Manus kombiniert Agent-Execution (Cascade) mit einer breiten App-Umgebung (Studio, Video, Remote Control) und adressiert damit den Weg vom funktionierenden Demo-Workflow zum wiederholbaren Betrieb.


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