MÜNCHEN/WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Geldvermögen privater Haushalte erreicht 2025 weltweit mit +8,6 % einen Rekordwert von 268,4 Billionen Euro. In Österreich steigt es um +5,0 % auf 968,6 Milliarden Euro, während der Wertpapieranteil auf 46,2 % klettert. Die Neuanlagen fließen trotz rückläufiger Sparbeträge zu mehr als der Hälfte in Wertpapiere. Gleichzeitig bleibt die inflationsbereinigte Kaufkraft gegenüber 2021 noch deutlich darunter.

Der Allianz Global Wealth Report 2026 zeichnet für 2025 ein widersprüchliches Bild: Nominal steigen Vermögen spürbar, real bleibt ein Teil des Zugewinns aber auf der Strecke. Weltweit klettert das Geldvermögen privater Haushalte um +8,6 % auf den Rekordwert von 268,4 Billionen Euro; die Studie macht zugleich deutlich, dass ein großer Teil des Zuwachses aus Wertsteigerungen an den Kapitalmärkten kommt. In Österreich zeigt sich diese Entwicklung besonders in der Portfolioausrichtung: Das Brutto-Geldvermögen wächst zwar „nur“ mit +5,0 % auf 968,6 Milliarden Euro, gleichzeitig verschiebt sich die Zusammensetzung deutlich Richtung Wertpapiere. Damit wird aus dem reinen Wachstumsindikator eine Frage nach Risiko- und Ertragspräferenzen in der Breite der Haushalte.
Technisch betrachtet ist die Aussage vor allem eine über Allokation und Bewertung: Wenn „vier von fünf Euro“ des zusätzlichen Vermögens auf Wertsteigerungen zurückgehen, dann spiegelt der Anstieg weniger neue Ersparnisbildung wider als Kurs- und Bewertungsgewinne. In Österreich verläuft der Wandel in den Kennzahlen messbar. Wertpapiere steigen 2025 um +8,0 %, Bankeinlagen um +3,1 % und Versicherungen sowie Pensionen um +1,5 %. Der Wertpapieranteil erreicht mit 46,2 % einen Rekordwert, während der westeuropäische Schnitt bei 36,8 % liegt. Umgekehrt fällt der Anteil der Bankeinlagen auf 37,3 %, einen historischen Tiefstand – ein Signal, dass Haushalte nicht nur investieren, sondern auch die Struktur ihres Portfolios neu gewichten.
Welche Zahlungsströme dahinterstehen, sieht man an den Sparentscheidungen: Die Neuanlagen sinken zwar um 7,6 % auf 27,8 Milliarden Euro, erreichen aber dennoch den zweithöchsten Wert seit Beginn der Datenreihe. Mehr als die Hälfte fließt in Wertpapiere (53,0 %), zusätzlich landet ein großer Block in Bankeinlagen (41,3 %), während Versicherungen und Pensionen mit 5,1 % vergleichsweise klein bleiben. Besonders auffällig sind die Rekorde bei den Wertpapierkäufen: 14,8 Milliarden Euro bedeuten den höchsten Wert der Datenreihe. Davon entfallen 7,6 Milliarden Euro auf Investmentfonds, 5,8 Milliarden Euro auf sonstige Wertpapiere und 1,4 Milliarden Euro auf Aktien. Daniel Mati, CEO der Allianz Österreich, ordnet das als „Allzeithoch an Wertpapieren“ ein: „Das Allzeithoch an Wertpapieren zeigt, dass die Menschen in Österreich renditeorientierter anlegen. Das ist ein positives Signal für den langfristigen Vermögensaufbau. Jetzt gilt es, diesen Schwung auch in die private Altersvorsorge zu tragen, denn Versicherungen und Pensionen wachsen nach wie vor nur verhalten.“
Der zweite, oft unterschätzte Teil der Story liegt in der Kaufkraft. Die inflationsbereinigte Entwicklung fällt deutlich flacher aus: Real wächst das Geldvermögen 2025 nur um +1,4 %. Seit 2019 steigt die Kaufkraft um lediglich +1,7 %; zum Vergleich nennt die Studie für Westeuropa +0,5 % und für den globalen Durchschnitt +23 %. Gegenüber dem Höchststand von 2021 liegt die Kaufkraft in Österreich weiterhin 8,1 % niedriger – der Inflationsschock ist demnach nicht „weginvestiert“. Gleichzeitig präsentiert sich die Schuldenseite relativ stabil: Die Verbindlichkeiten steigen 2025 um nur +0,9 % auf 218,9 Milliarden Euro, Hypothekendarlehen gehen um 0,6 % zurück. Dadurch steigt das Netto-Geldvermögen um +6,3 % auf 749,7 Milliarden Euro und die Verschuldungsquote sinkt von 23,5 % auf 22,6 %. Mit 82.260 Euro pro Kopf bleibt Österreich laut Report im weltweiten Ranking unverändert auf Platz 16.
Auch global wird die Marktmechanik sichtbar: Während Wertpapiere weltweit um +12,4 % zulegen, wachsen Bankeinlagen lediglich um +5,7 % und Versicherungen sowie Altersvorsorge um +5,0 %. Ihr Anteil am globalen Geldvermögen steigt auf 46,9 % (ebenfalls ein Rekord). Dass die Neuanlagen dagegen um 5,4 % auf 4,1 Billionen Euro sinken, zeigt: Das Wachstum hängt nicht allein am Sparwillen, sondern stark an Kursentwicklung und Bewertungsgewinnen. Besonders stark profitieren nordamerikanische Haushalte; deren Portfolios bestehen zu 60,7 % aus Wertpapieren, und auf die Region entfallen 51,4 % des weltweiten Vermögenszuwachses. Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Allianz, mahnt dabei zur Interpretation: „Das globale Geldvermögen hat 2025 erneut einen Rekord erreicht – doch nominale Rekorde erzählen nur die halbe Geschichte“, sagt er und ergänzt zur realen Entwicklung: „Seit 2019 ist das nominale Geldvermögen um 50 % gestiegen, real, also bereinigt um die Inflation, jedoch nur um 23 %. In Westeuropa ist die Entwicklung noch schwächer: Dort liegt das reale Geldvermögen lediglich 0,5 % über dem Niveau von 2019. In Nordamerika sind es 21 %, in China 70 %.“
Für 2026 setzt die Studie auf eine Mischung aus Rückenwind und Risiko, wobei Künstliche Intelligenz als zentraler Faktor herausgestellt wird. Allianz Research erwartet ein weltweites Wachstum des Geldvermögens von rund +9 %, gleichzeitig werden schwächeres Wirtschaftswachstum, anhaltender Inflationsdruck, geopolitische Fragmentierung und hohe Staatsschulden als Bremse für Renditeaussichten genannt. Die Kernidee: KI kann Produktivität steigern und Unternehmensgewinne stützen, damit indirekt auch Kapitalmarktrenditen. Doch die Abhängigkeit von KI-getriebenen Marktsegmenten macht Haushaltsvermögen verwundbarer: Die Studie verweist auf die Kursdynamik am S&P 500 seit Ende 2022 und skizziert die Risiken einer spürbaren Korrektur. Katharina Utermöhl, Head of Thematic & Policy Research bei Allianz Research, bringt den Punkt auf eine gesellschaftliche Ebene: „KI könnte zum nächsten großen Motor der Vermögensbildung werden. Doch entscheidend ist, wer die Vermögenswerte besitzt – und damit an den Erträgen teilhat“, und weiter: „Wenn sich die Wertschöpfung durch KI stärker in Richtung Kapital verschiebt, werden eine breitere Beteiligung an Kapitalerträgen und Maßnahmen zur Unterstützung der Beschäftigten beim Wandel entscheidend sein, damit möglichst viele Menschen von der KI-Dividende profitieren.“ Für Unternehmen und Produktanbieter bedeutet das praktisch: KI wird nicht nur als Trend-Story gehandelt, sondern als Signal dafür, wie stark künftige Erträge und Vermögenspfade von Kapitalmarktvolatilität und Verteilungsfragen abhängen.
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