LONDON (IT BOLTWISE) – US-Präsident Donald Trump hat eine Executive Order unterzeichnet, die in der Bundesverwaltung „künstliche Intelligenz“ durch „Super Intelligence“ ersetzen soll. Die Anweisung gilt für offizielle Korrespondenz, öffentliche Kommunikation, Websites sowie Berichte und Policy-Dokumente. Zugleich sollen Behörden die bisherigen Begriffe „AI“ und „artificial intelligence“ künftig nicht mehr anerkennen. Außerdem soll der für Wissenschaft und Technologie zuständige Präsidentenassistent eine Bundesdefinition für „Super Intelligence“ erarbeiten und weitere Schritte für die Umsetzung vorschlagen.

Trump ordnet „Super Intelligence“ als KI-Begriff an: Definition per Agentur
Trump ordnet „Super Intelligence“ als KI-Begriff an: Definition per Agentur (Foto: IT BOLTWISE)
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Mit seiner Executive Order setzt Donald Trump vor allem eines durch: Sprache als Steuerungsinstrument. Die Anweisung richtet sich an die Bundesbehörden und fordert, den Begriff „artificial intelligence“ durch „Super Intelligence“ zu ersetzen – inklusive der Abkürzung „SI“. Das betrifft nicht nur interne Dokumente, sondern auch offizielle Korrespondenz, öffentliche Kommunikation, Websites, Berichte sowie weitere nicht-gesetzliche Materialien. Entscheidend ist dabei der Umsetzungsdruck: Behörden sollen die bisherigen Bezeichnungen „artificial intelligence“ und „AI“ laut Text der Order nicht mehr „acknowledge“.

Trump begründet die Umbenennung mit einem inhaltlichen Argument: Der Begriff „AI“ treffe nicht mehr den Kern dessen, was moderne Systeme inzwischen leisten. In der Executive Order heißt es, dass die Technologie in ihrer Entwicklung zu schnelleren und breiteren Fähigkeiten führe und „SI“ das Versprechen, das Potenzial und den Fortschritt passender abbilden würde. Damit knüpft die Botschaft an einen politischen Frame an, der Künstliche Intelligenz weniger als reines „Werkzeug“ und stärker als Beginn einer neuen Technologie-Ära rahmt. Die Order verweist zudem auf frühere öffentliche Aussagen Trumps, unter anderem im Kontext der UN-Generalversammlung, in denen er den Wechsel der Terminologie ebenfalls eingefordert hatte.

Technisch verändert so eine Rebranding-Entscheidung zunächst keine Modellarchitektur und ersetzt weder Trainingsverfahren noch Inferenz-Mechanismen. Trotzdem kann sie reale Folgen für die Umsetzung haben, weil Begriffe in föderalen Prozessen Verweisanker sind: Wenn Behörden Unterlagen, Reports oder Policy-Entwürfe an Definitionen koppeln, wird die Semantik praktisch zu einem Teil der Verwaltungsschnittstelle. Genau deshalb geht die Executive Order weiter als nur kosmetische Wortwahl. Sie beauftragt den assistant to the president for science and technology, eine Bundesdefinition für „Super Intelligence“ zu entwickeln und dabei auch zusätzliche Executive Actions zu empfehlen, die für die Umsetzung der neuen Terminologie nötig sind. Für Organisationen, die mit Behörden arbeiten, wird die Frage damit weniger „Wie wird KI heute bezeichnet?“ sein, sondern „Welche Kriterien bindet die künftige SI-Definition an regulatorische oder beschaffungsrelevante Vorgaben?“

Parallel zur Terminologieverschiebung spielt der politische Kontext der KI-Governance eine sichtbare Rolle. Der Text beschreibt, dass Regierungen und Technologieunternehmen weiterhin darüber diskutieren, wie schnell voranschreitende KI-Systeme reguliert werden sollten. Während Trump formale „Guardrails“ für SI ablehnt, wird das Thema Governance nicht ausgeblendet, sondern in Richtung freiwilliger Selbstverpflichtungen verlagert. Im Umfeld eines White-House-Roundtables mit Technologie-Entscheidern wurde zudem ein Dokument unterzeichnet, das als „White House Accord on Super Intelligence“ bezeichnet wird. Laut Darstellung Trumps sei dieses Abkommen „morally binding“ für die unterzeichnenden Executives, begleitet von der rhetorischen Einordnung, es habe etwas wie eine Art „constitution“ für die Gruppe. Der Fokus liegt damit weniger auf verbindlichen gesetzlichen Mechanismen als auf mehrstufigen internen Kontrollen und Prüfprozessen.

Aus Marktsicht ist das ein Signal mit zwei Ebenen: Erstens sendet die Umbenennung ein Messaging an Entwickler, Investoren und Politikpartner, dass der Begriff „KI“ nicht mehr als Leitbegriff gelten soll. Zweitens verschiebt sie den Erwartungsrahmen für interne Compliance-Prozesse in den Unternehmen, auch wenn der Rechtsstatus solcher „Accords“ anders ist als bei Gesetzen oder klaren Verordnungen. Laut den im Text erwähnten Reaktionen eines großen Unternehmenschefs sieht die Gegenseite in der Runde einen „positive step“ und verweist auf robuste interne Kontrollen sowie mehrere Audit- und Review-Ebenen. Auch aus Sicht eines Sprechers des US-Parlaments ging es dabei um ein „right balance“-Prinzip zwischen Interessen der Bevölkerung, technologischer Weiterentwicklung und dem Erhalt des Wettbewerbsvorteils der USA gegenüber China. Für die Industrie bedeutet das: Audits, Test- und Review-Prozesse werden wahrscheinlicher zu einem verbindenden Element von SI-Statements – selbst wenn die Terminologie politisch vorangetrieben wird.

Für Unternehmen und Entwicklerteams entsteht daraus in der Praxis ein dreifacher Handlungsbedarf. Zum einen sollten sie prüfen, wie ihre eigenen Dokumentations- und Kommunikationslinien aktuell Begriffe wie „AI“ oder „artificial intelligence“ verwenden und ob sie ihre Tonalität und Labeling an Behördenkommunikation anpassen müssen. Zum anderen wird die kommende Bundesdefinition für „Super Intelligence“ zum zentralen Referenzpunkt: Selbst wenn es „zunächst“ nur um Sprache geht, kann die Definition Kriterien festlegen, die später an Beschaffung, Risiko-Klassifizierung oder Policy-Readiness gekoppelt werden. Und drittens sollten Teams ihre Governance-Mechanismen so ausrichten, dass sie nicht nur technische Sicherheit adressieren, sondern auch auditierbare Nachweise liefern können, die zu einem mehrstufigen Review-Ansatz passen. Ob die Umbenennung am Ende eher Symbolpolitik oder ein echter Hebel für Verfahren wird, hängt damit unmittelbar daran, wie konkret die erwartete SI-Definition ausformuliert und wie konsequent sie in Verwaltungsprozesse überführt wird.


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