MILAN / LONDON (IT BOLTWISE) – Eli Lilly legt mit den vollständigen Phase-3-Daten zu Retatrutid nach und liefert im Triumph-2-Programm deutlichere Kennzahlen zur Gewichtsreduktion. In der 12-mg-Dosis erreichen 34,9% mindestens 25% weniger Körpergewicht; zusätzlich verfehlen über die Hälfte der Teilnehmenden danach die BMI-Kriterien für Adipositas. Auch die Stoffwechselwerte werden differenziert: Der A1C-Rückgang bleibt zwar messbar, zeigt aber im Mittel keinen dosisabhängigen Effekt. Parallel nennt Lilly neue Auswertungen zu kardiometabolischen Risikofaktoren und bereitet die Einreichung bei der FDA für das erste Quartal vor.

Eli Lilly versucht, den Markt für Adipositas-Therapien nicht nur über höhere Wirksamkeit zu bewegen, sondern auch über die Datenqualität in späten Studien. Auf der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Mailand präsentierte der Konzern detaillierte Auswertungen aus der Phase-3-Studie Triumph-2 zu Retatrutid, einem Wirkstoffkandidaten, der als Agonist an GIP-, GLP-1- und Glukagonrezeptoren bindet. Damit verschiebt sich der Fokus weg vom reinen „Topline“-Ergebnis, das Anfang Juli kommuniziert wurde, hin zu einem breiteren Bild darüber, wie stark und wie konsistent die Gewichtsabnahme über das Studienende hinweg ausfällt.
Konkret umfasst das Update Daten von 1.152 Erwachsenen mit Adipositas und Typ-2-Diabetes. Auf der höchsten Dosis von 12 mg berichtet Lilly für Woche 80 eine mittlere Gewichtsreduktion von 20,8%, während die Placebogruppe bei etwa 4% lag. Besonders entscheidend für die klinische Interpretation ist jedoch die Verteilung: In der 12-mg-Gruppe verlieren 34,9% mindestens 25% ihres Körpergewichts und 52% erreichen mindestens 20% Gewichtsverlust. Dazu kommt ein Punkt, der in der Praxis häufig als Meilenstein diskutiert wird: Mehr als die Hälfte der Patientinnen und Patienten erfüllen nach eigenen Angaben nicht mehr die BMI-Kriterien für Adipositas.
Während die Gewichtskennzahlen die öffentliche Aufmerksamkeit anziehen, liefert Lilly im gleichen Datensatz auch eine differenzierte Einordnung für den Blutzucker. Ausgehend von einem A1C-Ausgangswert von 7,7% liegt der Rückgang unter Retatrutid auf den drei Dosen bei 1,4% bis 1,6% bis Woche 80, während Placebo lediglich bei 0,2% landet. Gleichzeitig betont Lilly, dass es keinen dosisabhängigen Effekt auf A1C gebe. Ein Blick auf die Rate „im gesunden Bereich“ ergänzt das Bild: Je nach Dosis erreichen 40% (mittlere Dosis) beziehungsweise 39,3% (Top-Dosis) A1C-Werte unter 5,7%. Das ist ein wichtiger Kontext, weil in einer früheren Studie für den Wettbewerber Tirzepatid bis zu 55,3% dieser Zielspanne erreicht wurden.
Für die Abgrenzung gegenüber dem etablierten Marktführer ist zudem die Vergleichbarkeit der Zielgrößen relevant. Lilly stellt Retatrutid in Beziehung zu Tirzepatid, das im Markt als Mounjaro und Zepbound vermarktet wird. Bei Tirzepatid nennt Lilly für Woche 72, dass 34% der Teilnehmenden mindestens 20% ihres Körpergewichts verlieren; der Anteil mit mindestens 25% bleibt im aktuellen Vergleich allerdings ausgespart. Diese Unschärfe ist für Entscheider nachvollziehbar, aber sie zeigt auch, wie stark sich die Strategie verändert: Statt nur „Gewichtsverlust in Prozent“ zu berichten, versucht Lilly über die genaue Clusterung der Responderraten die Wirksamkeit besser greifbar zu machen. Gleichzeitig bleibt die Botschaft zur Diabeteswirkung eher moderat, was im Wettbewerb um kardiometabolische Gesamtnutzen eine Rolle spielt.
Ergänzend erweitert Lilly das Paket um kardiovaskuläre Risikofaktoren. Für die höchste Dosis nennt der Konzern durchschnittliche Reduktionen von 39,5% bei Triglyceriden, 19,6% bei Nicht-HDL-Cholesterin, 10,8 mmHg bei systolischem Blutdruck sowie 6,7 Inches in der Taillenumfang-Änderung; zudem beziffert Lilly eine Senkung von 58,3% bei hochsensitivem C-reaktivem Protein. Die Sicherheit und Verträglichkeit ordnet Lilly wie zuvor als GLP-1-ähnliches Profil ein. Für die Zulassungsdiskussion ist das deshalb relevant, weil solche Labor- und Entzündungsmarker häufig als unterstützende Evidenz für einen potenziellen kardiometabolischen Nutzen herangezogen werden, auch wenn der primäre klinische Endpunkt stets anders gelagert sein kann.
Mit den Triumph-2-Daten und ergänzenden Auswertungen aus weiteren Studien plant Lilly, Retatrutid im ersten Quartal des kommenden Jahres bei der FDA zur Zulassung einzureichen. Analysten eines Finanzhauses äußerten sich laut dem Bericht mit hoher Erwartung an eine zeitnahe Entscheidung, nachdem bereits die Topline-Daten im Juli vorlagen. Für den Konzern würde eine FDA-Freigabe ein weiteres mögliches Blockbuster-Potenzial in der kardiometabolischen „Franchise“ bedeuten und rivalspezifisch den Wettbewerb erschweren, weil höhere Gewichtsabnahme als Verkaufsargument für die Breite der Indikation gilt. Zugleich bleibt die Konkurrenz aktiv: Auf der EASD wurden Phase-1-Ergebnisse zur 12.-ten Woche für einen triple-G-Agonisten von Hengrui Pharma sowie Kailera Therapeutics vorgestellt; Berichte aus der Investor-Kommunikation deuten darauf hin, dass die Daten im Vergleich „besser aussehen“ als bei Retatrutid. Für Unternehmen und Kliniken heißt das: Die nächste Wettbewerbsrunde dürfte weniger von einzelnen Prozentzahlen geprägt sein, sondern von der Frage, wie konsistent Wirkstoffwirkung, Stoffwechselprofil und Risikofaktoren über Studien hinweg zusammenpassen.
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