LONDON (IT BOLTWISE) – Zwei Startup-Unternehmen aus Kalifornien haben in der aktuellen Phase des „Drone Dominance“-Wettbewerbs des US-Verteidigungsministeriums die Spitzenplätze belegt. Neros Technologies setzte sich in Tests im eingeschränkten Umfeld durch, während Perennial Autonomy in „Deep-Strike“-Szenarien vorne lag. Das Pentagon nutzt die Ranglisten, um die Menge bestellter Drohnen festzulegen. Insgesamt sollen Neros und Perennial bereits mit 14.000 beziehungsweise 8.000 Systemen zum Zuge gekommen sein.

Im „Drone Dominance“-Programm des US-Verteidigungsministeriums verschiebt sich der Wettbewerb gerade von der reinen Machbarkeitsfrage hin zur Beschaffung in Serie: In einer neuen Test- und Bewertungsrunde haben zwei kalifornische Startups die jeweiligen Kategorien angeführt. Auf der veröffentlichten Rangliste zeigt Neros Technologies die beste Leistung in der Kategorie „confined-environment testing“, also bei Manövern und Missionen im stark begrenzten Umfeld. Perennial Autonomy steht dagegen ganz oben, wenn Operatoren im Rahmen von „deep-strike“-Tests Angriffe außerhalb der Reichweite gegnerischer Abwehrmechanismen anstoßen. Entscheidend ist dabei nicht nur die technische Performance, sondern die Verknüpfung der Bewertung mit der Einkaufslogik des Pentagon: Je höher ein Anbieter platziert ist, desto größer fällt in der Regel das Bestellvolumen aus.
Die Zahlen, die aus den Rankings folgen, wirken für den Markt deutlich: Das Verteidigungsministerium bestellte insgesamt 14.000 Drohnen bei Neros und 8.000 bei Perennial. Neros wird dabei zugleich als Drittplatzierter in der „deep-strike“-Bewertung geführt, was auf eine Breite der Systemfähigkeit hindeutet, statt auf eine punktgenaue Speziallösung. Perennial wiederum konnte sich in der „deep-strike“-Domäne absetzen. Solche Muster sind für Unternehmen besonders relevant, weil sie Rückschlüsse darauf erlauben, wie gut eine Architektur mehrere Einsatzprofile abdecken kann – etwa wenn sich die Missionsannahmen zwischen Nahbereichskampf und weitreichenden Operationen unterscheiden. Für die KI- und Autonomie-Entwicklung bedeutet das: Der Weg führt weniger über einzelne Demonstratoren, sondern über wiederholbare, skalierbare Plattformen mit erkennbarer Lerneffizienz über Testphasen hinweg.
Technisch wird Neros‘ Ansatz vor allem über die Einbindung von „Terminal Guidance“ beschrieben: Laut Hersteller basiert die 10-Zoll-Drohne „Archer AI“ auf Funktionalität, die dem Fluggerät erlaubt, sich selbst zu einem vom Operator ausgewählten Ziel zu navigieren. Genau diese Fähigkeit adressiert ein Kernproblem in „comms-denied environments“, also Situationen, in denen die Funkverbindung unterbrochen oder stark eingeschränkt ist. Wenn die Drohne trotz fehlender oder instabiler Kommunikation zuverlässig in die Zielregion gelangt, verlagert sich ein Teil der Unsicherheit von der Übertragung hin zur Bordautonomie. Der CEO Soren Monroe-Anderson ordnet das zudem in den Produktansatz ein: Die Plattform sei „highly modular“ und lasse sich an Endnutzeranforderungen anpassen, während Teams sowohl reale Rückmeldungen aus dem Einsatz als auch Engineering-Kompetenz zusammenführen. Damit wird ein wiederkehrendes Muster sichtbar, das auch in anderen Bereichen der Robotik zählt: Modularität senkt die Entwicklungs- und Integrationskosten, weil sie Plattform und Missionselemente voneinander trennt.
Perennial Autonomy stellt in den Berichten stärker die Testtiefe heraus: Das System sei über „rigorous find-fix-finish objectives“ in verschiedenen Distanzen „long-range beyond visual line-of-sight (BVLOS)“ geprüft worden. Außerdem seien Operatoren in Tag- und Nachtmissionen eingesetzt gewesen, was in der Praxis die Anforderungen an Sensorik, Hindernisverhalten und die Robustheit der Autonomie erhöht. In der Systemaussage geht es dabei um „operational reliability under heavily contested conditions“ und darum, bei Bedarf eine präzise, autonome Wirkung („autonomous engagement“) zu erreichen. Aus technologischer Sicht ist das mehr als Marketing, denn die Kombination aus BVLOS-Betrieb und stark umkämpften Umgebungen zwingt Designs typischerweise dazu, mit unsicheren Daten, wechselnder Konnektivität und zeitkritischen Entscheidungen umzugehen. Wer in solchen Testumgebungen vorn landet, gewinnt damit nicht nur kurzfristige Aufträge, sondern auch Glaubwürdigkeit für die nächste Iteration der Autonomie-„Pipeline“ aus Software, Sensorfusion und Flugsteuerung.
Das Programm selbst wurde im Dezember 2025 gestartet und folgt einem gestaffelten Bewertungsmodell: Das Pentagon spricht von „Gauntlets“, konkret bislang eineinhalb Phasen, ergänzt durch drei operative Tests. In diesem Verlauf wird Neros als zweiter, dritter und schließlich erster Platzierungsfall in den beschriebenen Wettbewerben geführt, während Perennial ebenfalls in mehreren Runden sichtbar war. Nach Angaben aus den Quellen summieren sich die Bestellungen für Neros seit dem Start in der Größenordnung von „roughly $100 million“ aus den Wettbewerbsrunden. Perennial verweist parallel auf einen früheren Meilenstein, der seine Position in der Beschaffungslandschaft stärkt: Das Unternehmen erhielt demnach im Kontext einer spezialisierten Struktur für Forschung, Tests und Beschaffung für „counter-drone technology“ einen Vertrag über 500 Millionen US-Dollar. Ergänzend dazu stammt Perennials Gründungshintergrund aus dem Umfeld um Eric Schmidt, während Neros 2023 von wettbewerbsorientierten Drohnenracerinnen und -racern aufgebaut wurde. Solche Herkunftslinien sind zwar kein Garant für technische Überlegenheit, erklären aber oft, warum sich Teams früh auf Iterationsgeschwindigkeit und praxisnahe Flugtests fokussieren.
Für die weitere Roadmap steht mit „Gauntlet 2.5“ ab Oktober der nächste Schritt an, bei dem Bomber-Plattformen getestet werden sollen. Die dritte Phase wird für den Zeitraum „next spring“ erwartet, das geplante Ende liegt „next fall“. Für Unternehmen, die in den nächsten Runden teilnehmen oder in die Lieferketten hineindringen wollen, verschiebt sich damit die Planungssicherheit: Wer jetzt in Hardware-Architektur und Autonomie-Software investiert, muss diese so auslegen, dass sie nicht nur in einem engen Testkorridor funktioniert, sondern in der Gesamtlogik der Programmphasen bestehen kann. Gerade weil das Pentagon die Rankings als Einkaufshebel nutzt, wird aus technischen Benchmarks schnell ein operatives Beschaffungsrisiko beziehungsweise -chancenprofil. In der Summe zeigt die aktuelle Runde damit nicht nur, welche Drohnenplattformen die Tests gewinnen, sondern auch, wie sehr sich die Branche auf skalierbare, vergleichbar bewertbare Autonomie-Designs einpendelt.
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