WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Die US-Jobzuwächse haben im September die Erwartungen verfehlt: Die Nonfarm Payrolls stiegen um 29.000. Zugleich wurde das Vormonatsergebnis nach unten korrigiert, während die Arbeitslosenquote auf 4,2% kletterte. Trotz dieser Bremse sehen Ökonomen keine plötzliche Verschlechterung des Arbeitsmarkts. Für die Geldpolitik bleibt damit vor allem die Entwicklung der Inflation entscheidend.

Im September hat sich das Bild am US-Arbeitsmarkt zwar eingetrübt, aber nicht gekippt: Die Nonfarm Payrolls wuchsen um 29.000 Stellen und lagen damit deutlich unter der Erwartung von 90.000 nach dem zuvor gemeldeten starken Anstieg im August. Besonders auffällig ist dabei nicht nur der monatliche Wert, sondern auch die scharfe Abwärtskorrektur für die beiden Vormonate. Dass damit weniger Spielraum für weitere geldpolitische Straffungen entsteht, war für viele Marktteilnehmer der zentrale Impuls – auch wenn die Konjunktur insgesamt robust wirkt.
Hinter der „Schwäche“ steckt nach Einschätzung aus dem Bericht vor allem ein saisonales Muster: Fällt der Labor-Day relativ spät in den Monat, performen Payroll-Daten häufig schlechter. Dazu kommen offenbar auch Revisions- und Modell-Effekte rund um die saisonale Bereinigung, weil der Staatseinfluss über ein Modell stattfindet, das saisonale Schwankungen herausrechnen soll. Gleichzeitig fehlten laut den genannten Beobachtungen breite Anzeichen für eine Beschleunigung von Entlassungen. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe lagen demnach weiterhin nahe einem 57-Jahres-Tief – ein Detail, das die These stützt, dass der Arbeitsmarkt nicht in eine schnelle Abkühlung rutscht.
Dass die Arbeitslosenquote dennoch von 4,1% im August auf 4,2% gestiegen ist, erklärt sich laut den Daten des Arbeitsministeriums vor allem über die Dynamik in der Arbeitskräfteerfassung: Mehr Menschen traten in den Arbeitsmarkt ein, ohne dass kurzfristig genügend neue Jobs entstanden. In der kleineren Haushaltsbefragung, aus der die Arbeitslosenquote berechnet wird, nahm die Beschäftigung um 406.000 zu, aber die Zahl der Personen, die in den Arbeitsmarkt drängten, lag bei 485.000. Zusätzlich stieg die Erwerbsbeteiligung auf 61,8% (von 61,6%). Interessant ist auch die Mischlage bei der Unterbeschäftigung: Mehr Menschen arbeiteten aus wirtschaftlichen Gründen in Teilzeit, und die Dauer der Arbeitslosigkeit stieg an, während eine breitere Arbeitslosigkeitskennziffer sank.
Beim Lohnwachstum zeigt sich der zweite wichtige Signalgeber: Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen nur noch um 0,1% gegenüber dem Vormonat nach 0,3% im August. Jahresbezogen ging die Wachstumsrate damit von 3,1% auf 3,0% zurück. Diese Verlangsamung ist laut Einordnung ein Hinweis darauf, dass der Arbeitsmarkt derzeit keine zusätzlichen Preisdruckimpulse liefert. Allerdings erhöht genau das die Aufmerksamkeit auf die Frage, wie nachhaltig der Konsum bleibt, denn wenn Löhne weniger stark wachsen als Preise, greifen Haushalte teilweise auf Ersparnisse zurück. Für die weitere Geldpolitik bedeutet das: Selbst wenn ein Teil der Arbeitsmarktentwicklung die Zinserhöhungsfantasie dämpfen kann, bleibt Inflation der Hebel, der die Fed-Entscheidungen dominiert.
Nach Branchen betrachtet verteilt sich die Veränderung recht klar: Gesundheitswesen bleibt der größte Treiber mit 17.000 neuen Stellen, wobei der Zuwachs in ambulanten Bereichen und in Krankenhäusern zu sehen war. Dagegen gingen Jobs in Pflege- und stationären Pflegeeinrichtungen um 9.000 zurück. Auch im Baugewerbe gab es Zuwächse (+11.000), unter anderem durch nicht-spezialisierte Bauzulieferer. In der Industrie werden zudem Effekte im Zusammenhang mit dem Investitionszyklus sichtbar: Manufacturing Jobs stiegen um 9.000, nachdem die Fabrikbeschäftigung seit dem Tiefpunkt im vergangenen Dezember bereits deutlich zugelegt hatte. Dass „Information“ Jobs abgab (-10.000) und finanzbezogene Aktivitäten Stellen abbauten (-7.000), spiegelt eher eine differenzierte Arbeitsnachfrage wider als einen einheitlichen Abschwung. Parallel bleibt die Arbeitszeit mit 34,4 Stunden im Durchschnitt unverändert – ein weiteres Indiz dafür, dass der Arbeitsmarkt kurzfristig nicht „unter Stress“ steht.
Auch die Marktreaktion zeigt, wie eng Beschäftigungsdaten mit geldpolitischen Erwartungen gekoppelt sind. Anfangs sanken die Wahrscheinlichkeiten für einen weiteren Zinsschritt in der Sitzung am 27. und 28. Oktober auf 13%, bevor sie später wieder auf etwa 23% stiegen. Zwar hatte bereits der Verlauf der Inflationsdaten aus August und Juli die Erwartungen für weitere Straffungen merklich reduziert, doch die jüngste Kombination aus schwächerem Jobwachstum, steigender Arbeitslosenquote und gedämpftem Lohnwachstum führt zu einer Neujustierung der Risikoabwägung. Die Fed hatte zuletzt den Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,75% bis 4,00% angehoben; da die Inflation weiterhin über dem 2%-Ziel liegt, rechnen Ökonomen weiterhin mit weiteren Schritten im späteren Verlauf – aber der Zeitplan hängt zunehmend davon ab, ob die Preisentwicklung das Tempo der Beschäftigungs-Entspannung bestätigt.
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