AL-MUKALLA / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Vorsitzende des Jemenitischen Präsidialrats, Rashad Al-Alimi, hat den Start groß angelegter Militäroperationen angekündigt, um unter Kontrolle der Huthi stehende Gebiete zurückzugewinnen. In einer im Staatsfernsehen ausgestrahlten Ansprache ordnete er der Regierung und Sicherheitskräften Einsätze an, die so lange dauern sollen, bis die staatliche Autorität wiederhergestellt ist. Parallel dazu wurde eine finanzielle Unterstützung Saudi-Arabiens über mehr als SR224 Millionen für Gehaltszahlungen und laufende Ausgaben genannt. Umkämpft ist vor allem die strategische Verbindung zwischen Taiz und Aden, die Berichten zufolge zeitweise unterbrochen wurde.

Jemen: Al-Alimi startet Großoffensive zur Rückeroberung Huthi-kontrollierter Gebiete
Jemen: Al-Alimi startet Großoffensive zur Rückeroberung Huthi-kontrollierter Gebiete (Foto: IT BOLTWISE)
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Rashad Al-Alimi hat mit seiner Ansage zur „Wiederherstellung“ staatlicher Kontrolle eine Schwelle überschritten, die viele Beobachter in der Region seit Monaten erwartet haben: Die Regierung spricht nun offen von einer großflächigen Militärphase, statt nur auf Verhandlungen zu setzen. Im Zentrum steht dabei nicht eine einzelne Frontlinie, sondern der Anspruch, das gesamte Staatsgebiet wieder unter die Kontrolle der Regierung zu bringen. Al-Alimi positionierte die Offensive zugleich als verfassungsgebundene Aufgabe, die Souveränität der Republik sowie den Schutz der Bevölkerung zu gewährleisten, und knüpfte sie an Beschlüsse des National Defense Council.

Technisch betrachtet ist der Schritt weniger „neu“ als die geänderte Logik in der Einsatzplanung: groß angelegte Operationen bedeuten in der Praxis fast immer koordinierte Mobilisierung entlang mehrerer Achsen, angepasste Nachschubketten und eine priorisierte Nutzung von Kommunikations- und Sicherungsressourcen. Genau diese operative Reihenfolge spiegeln auch die Formulierungen aus der Ansprache wider: Erforderlich seien Missionen entsprechend genehmigter Pläne, ausgerichtet auf das Ende der Huthi-Kontrolle. Gleichzeitig stellte Al-Alimi klar, dass es sich nicht gegen Regionen, Konfessionen oder Stämme richten solle, was politisch vor allem als Signal zur Eindämmung von sektiererischer Eskalation gedacht ist.

Die Regierung verknüpft den militärischen Start mit einem politischen Angebot, das im Konflikt häufig als „defektionsbezogene“ Entkopplung funktionieren soll: Wer die Kämpfe beendet und sich innerhalb der Milizen absetzt, soll von einer Amnestie profitieren. Parallel nannte Al-Alimi als eine der wichtigsten Sofortaufgaben die Wiederaufnahme der Zahlung von Gehältern im öffentlichen Dienst und das Schließen offener Rückstände. Damit verschiebt sich der Fokus vom reinen Gefechtsfeld hin zu den alltäglichen Rahmenbedingungen für staatliche Handlungsfähigkeit – denn ohne Lohnzahlungen und operativen Haushaltsausgleich wird jede Sicherheitsstrategie schnell zur Belastung für Verwaltung und Legitimität.

Saudi-Arabien untermauerte diesen Teil der Gleichung kurz vor der Ansprache mit zusätzlicher finanzieller Unterstützung: Die Regierung erhielt demnach ein Paket von mehr als SR224 Millionen (59,7 Millionen US-Dollar), das helfen soll, Gehälter zu zahlen, Betriebskosten zu decken, das Budgetdefizit zu reduzieren und die Wirtschaft zu stützen. Unmittelbar relevant ist das auch für die Transport- und Versorgungsseite der Offensive: Berichtete Kämpfe verstärkten sich rund um die Straße, die Taiz mit der südlichen Hafenstadt Aden verbindet. Anwohner berichteten, dass die Strecke über Al-Turbah südlich von Taiz durch heftige Gefechte zeitweise abgeriegelt war, während die Huthi versuchten, den Korridor zu kontrollieren und Taiz zu isolieren.

In der politischen Einordnung wird die Großoffensive als Reaktion auf das Scheitern von Bemühungen beschrieben, die Huthi zu einer militärischen Deeskalation oder zu einem politischen Abkommen zu bewegen. Jemenitische politische Analysten und militärische Verantwortliche sagten sinngemäß, die Erklärung großer Operationen spiegele das Ende von Überzeugungsversuchen nach dem UN-vermittelten Waffenstillstand wider, der im April 2022 in Kraft trat, laut den Angaben aber keine nachhaltige Änderung gebracht habe. Unter Bezug auf diese Entwicklung argumentierten Gesprächspartner, der international anerkannten Regierung bleibe „wenig Wahl“, wenn weitere Friedensbemühungen erfolglos bleiben.

Weitere Aussagen aus dem Umfeld der Regierung und aus Medienbeiträgen betonen zudem, dass die Konfrontation zunehmend stärker durch externe Einflüsse überlagert werde. So war von einer Ausweitung des Konflikts über Jemens Grenzen hinaus die Rede, unter anderem durch Angriffe auf internationalen Seeverkehr in Gewässern vor dem Land. Andere Stimmen verwiesen darauf, dass die Huthi ihre militärischen Aktivitäten intern enger mit regionalen Agenda-Themen verknüpften. Für die Regierung und ihre Unterstützer ist das auch deshalb entscheidend, weil der politische Spielraum für „Zwischenlösungen“ kleiner wird, sobald die Front nicht mehr nur als innerjemenitischer Machtkampf wahrgenommen wird, sondern als Teil eines größeren Konfliktgeflechts.

Für die nächsten Stunden und Tage erwarten Offiziere, dass die Ankündigung eine tatsächliche Einsatzbereitschaft freimacht: Eine Mobilisierung in größerem Maßstab und intensivere Schläge würden die Gefechtslage rasch verändern. Entscheidend wird dabei sein, ob die Regierung „real und koordiniert“ auf mehreren Fronten operieren kann, statt nur punktuell Druck aufzubauen. Die Offensive dürfte so weniger ein einzelnes Ereignis sein als eine Neujustierung der Machtlogistik: Kontrolle über Straßen, Nachschub und Kommunikationswege entscheidet oft darüber, ob eine Offensive an Tempo gewinnt – oder im zähen Abnutzungskampf festläuft.

Auch aus Unternehmens- und Infrastrukturperspektive lässt sich der Zusammenhang klarer lesen: Sobald regionale Transportkorridore wie der Taiz-Aden-Abschnitt instabil werden, treffen Störungen nicht nur lokale Märkte, sondern auch Lieferketten, Verfügbarkeit von Gütern und die Fähigkeit öffentlicher Stellen, laufenden Betrieb zu organisieren. Die Kombination aus angekündigter Offensive, finanzieller Unterstützung und Amnestieangebot ist deshalb als Versuch zu verstehen, militärische Kontrolle und staatliche Funktionsfähigkeit wieder miteinander zu koppeln. Ob diese Kopplung aufgeht, hängt jetzt vor allem davon ab, wie schnell die staatlichen Stellen Gehälter und Betrieb wieder verlässlich absichern können und ob die Kampfhandlungen tatsächlich zu einer Reduktion der Huthi-Kontrolle führen.


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