LONDON (IT BOLTWISE) – Google hat zum 1. Oktober 2026 die Annahme von Produkt-Vulnerability-Reports über sein OSS-Bug-Bounty-Programm gestoppt. Betroffen sind damit Meldungen zu Sicherheitslücken in Open-Source-Projekten wie Go, Angular und Protocol Buffers, die bisher im Rahmen des OSS VRP auf Geldprämien geprüft wurden. Der Konzern begründet den Schritt mit einem starken Anstieg automatisierter Einreichungen, von denen die überwiegende Zahl nicht gültig ist. Für Zulieferkettensabotage (Supply-Chain) und andere Programmkategorien bleibt der Meldeweg hingegen bestehen.

Google zieht die Bremse bei seinem Open-Source-Bug-Bounty und schränkt gleichzeitig die Art der Meldungen ein: Seit dem 1. Oktober 2026 akzeptiert das Unternehmen über das Open Source Software Vulnerability Reward Program (OSS VRP) keine Produkt-Vulnerability-Reports mehr, die auf Belohnungen zielen. Praktisch heißt das für Sicherheitsforscher, dass sie keine Schwachstellen mehr im Code der gelisteten Projekte wie Go, Angular und Protocol Buffers einreichen können, wenn es dabei um eine „Product vulnerability“ nach den Programmregeln geht. Die Sperre gilt ab dem Stichtag, während Berichte, die vor dem 1. Oktober eingereicht wurden, weiterhin nicht betroffen sind.
Der Hintergrund ist ein Qualitätsproblem, das in vielen Security-Programme inzwischen strukturell auftaucht: Google verweist in einem Beitrag auf X auf einen „significant rise in automated submissions“, bei dem „the vast majority“ nicht gültig gewesen seien. Konkrete Zahlen nennt der Beitrag nicht; ebenso bleibt offen, ob die automatisierten Einreichungen über KI-Tools erzeugt wurden oder ob andere Automatisierungsskripte im Spiel waren. Für Unternehmen und Security-Teams ist das dennoch relevant, weil solche Mengen an Fehlmeldungen die Triagierungs- und Verifikationsschritte belasten – und damit die tatsächliche Lücke zwischen „viele Reports“ und „verifizierte Fixes“ vergrößern.
Technisch setzt das OSS VRP an einem recht klar definierten Vulnerability-Begriff an: Eine Produktlücke ist demnach ein Design- oder Implementierungsfehler in der Open-Source-Software von Google, der die Vertraulichkeit oder Integrität von Nutzerdaten in Software, die mit dem Code gebaut wird, „substantially“ beeinträchtigen soll. Als Beispiele nennt Google etwa Memory corruption in Parsern von Dateiformaten oder Path Traversal. Zusätzlich sortiert das Programm die Projekte in vier Sensitivitätsstufen; aus den gemeldeten Details geht hervor, dass nur die obersten zwei Stufen (Flagship und Important) überhaupt Geldbeträge für Produktlücken auswiesen – genau diese wurden jetzt im Zuge der Änderung zurückgenommen.
Die finanzielle Seite macht die Signalwirkung deutlich: Die Regeln wurden so angepasst, dass für Produkt-Vulnerabilities in den Top-Tiers keine Prämien mehr gelistet sind. Laut den aktualisierten Beträgen wurden für Flagship-Projekte die zuvor genannten Bereiche von $500 bis $7.500 auf „None“ gesetzt; für Important-Projekte verschwinden die zuvor genannten $101 bis $3.133,7. In demselben Regel-Update, das am 30. September auf der öffentlichen GitHub-Kopie der OSS-VRP-Regeln veröffentlicht wurde, wurden die Beträge ebenfalls entfernt. Gleichzeitig listet Googles zuletzt im September gepflegte Repository-Übersicht insgesamt 26 Flagship– und 47 Important-Repos; zum Flagship gehören neben Go und Angular auch Flutter, Bazel und Protocol Buffers.
Wichtig ist die Abgrenzung: Die Sperre bezieht sich ausdrücklich auf Produkt-Vulnerability-Reports im Rahmen des OSS VRP. Supply-Chain Compromises bleiben hingegen prämienfähig – also Schwachstellen, die es ermöglichen können, den Quellcode oder veröffentlichte Pakete eines Projekts zu manipulieren. Ebenso gelten andere Sicherheitsprobleme weiterhin als eingereicht und bewertet, etwa Leaks von Credentials, die Schreibzugriff ermöglichen. Damit verschiebt Google den Fokus weg von klassischen „Bug melden“-Einreichungen für die Top-Projekte hin zu Kategorien, die typischerweise besonders hohen Schaden im Ökosystem verursachen, weil kompromittierte Abhängigkeiten in der Softwarekette massenhaft weiterwandern.
Für den weiteren Meldeweg nennt die Mitteilung drei Alternativen. Erstens gibt es den Cloud VRP: Dort können Produkt-Vulnerability-Reports für bestimmte Google-Cloud-Repositories akzeptiert werden, allerdings ohne dass die Notice die betroffenen Repos namentlich aufführt. Unter diesen VRP-Regeln wird eine Schwachstelle im OSS-Kontext, die Cloud-Produkte betrifft, maximal auf IT3b eingestuft; diese Stufe gilt für Akquisitionen und Produkte mit geringerer Priorität, sofern die Produktlisten nicht explizit etwas anderes festlegen. Zweitens verweist Google auf Patch Rewards, die nicht für Vulnerability-Reports, sondern für Security-Patches ausgezahlt werden; dafür muss der Patch durch die Maintainer akzeptiert werden und eine Mindestverweildauer von einem Monat erfüllen, bevor die Einreichung möglich ist. Drittens sollen Forscher prüfen, ob die Meldung in andere Belohnungsprogramme fällt; dabei wird auch empfohlen, Schwachstellen, die eng mit Google Cloud oder KI-Produkten verknüpft sind, über die entsprechenden VRPs einzureichen.
Damit ordnet sich der Schritt in eine breitere Entwicklung der letzten Jahre ein: Google startete das OSS VRP im August 2022, erhöhte aber bereits im März 2026 den Druck auf die Einreichungsqualität, indem es in einigen Tiers stärkere Nachweise verlangte. Ein bereits gemergter Patch gilt dabei als akzeptierte Form von Proof. Parallel dazu adressiert das Go-Projekt seit Anfang September explizit den Umgang mit Reports, die durch große Sprachmodelle (LLMs) generiert wurden: Die Policy fordert, solche Meldungen nicht einfach ungefiltert weiterzugeben, weil LLMs sowohl reale Sicherheitslücken als auch frei erfundene Schwachstellen zuverlässig „nacherzählen“ können. In der Summe zeigt Google damit, wie Security-Bounty-Programme nicht nur technische Triagierung, sondern auch Prozess-Design gegen Spam und Automatisierung betreiben müssen – und wie stark die Auszahlungslogik von überprüfbaren Fixes und klaren Schadensmustern abhängen kann.
Unterm Strich ist die Nachricht weniger eine generelle Abkehr von Open-Source-Sicherheit als eine Neukalibrierung des Risiko-zu-Aufwand-Verhältnisses: Wer Produktlücken in den Flagship- und Important-Projekten meldet, stößt aktuell auf eine harte Grenze; wer hingegen die Kategorien „Supply Chain“ oder überprüfbare Patches adressiert, findet weiterhin definierte Wege. Google kündigt zudem ein Update bis ins erste Quartal 2027 an, während das Unternehmen die betroffene Programmkomponente überarbeitet. Für Teams, die Security-Reports koordinieren, bedeutet das konkret: Dokumentation, Verifikation und ein sauberer Übergang in die passenden Programme oder Patch-Prozesse werden jetzt noch wichtiger, weil ein Teil der Meldungen nicht mehr nachträglich „durchgewunken“ werden kann.
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