ATLANTA / LONDON (IT BOLTWISE) – Studierende der Georgia Tech haben nach dem Start mit einer SpaceX Falcon 9 erstmals Kontakt zu einem neuen Satelliten aufgenommen. Die Operatoren schickten am Donnerstag um 18:21 Uhr eine Startsequenz („Go Jackets!“) aus dem Space Systems Design Laboratory in Atlanta. Für das Projekt ist eine neunmonatige Demonstration mit täglichen Schichten zur Flugüberwachung und -steuerung geplant. Getestet wird ein weniger toxischer Dual-Mode-Antrieb, der zwischen schnellen chemischen Manövern und effizientem elektrischem Schub umschalten soll.

Der Start wirkt auf den ersten Blick wie ein klassischer Meilenstein im Nachwuchsbereich: Eine Studentengruppe an der Georgia Tech hat einen eigenen Satelliten nach dem Flug ins Zielgebiet „low Earth orbit“ übernommen und die erste Kommunikationsrunde erfolgreich abgeschlossen. Entscheidend ist jedoch nicht nur die erfolgreiche Funkverbindung, sondern die Art des Experiments. Der Satellit trägt den Namen ASCENT Propulsion Dual Mode und soll in den nächsten neun Monaten zeigen, dass sich ein Antriebskonzept im Betrieb umschalten lässt, ohne dafür auf unterschiedliche Treibstoffe setzen zu müssen.
Technisch setzt das Mission-Design genau dort an: Laut den Projektangaben arbeitet das System mit einem einzigen Treibstoff, den die Operatoren je nach gewünschter Bahn- und Leistungscharakteristik in zwei Betriebsarten nutzen. In einer schnellen Phase übernimmt der chemische Modus Manöver mit hoher Schubkraft; in einem zweiten, energieeffizienten Modus wird elektrischer Schub genutzt, der im Alltag eher für feinere Bahnkorrekturen und längere Betriebsfenster taugt. Damit adressiert die Mission ein praktisches Engineering-Thema, das bei realen Satellitenplanung immer wieder auftaucht: Wie kombiniert man „rasche Reaktion“ mit „langem Durchhalten“, ohne dass der Antriebsstrang durch zusätzliche Tank- oder Treibstofflogistik komplexer wird.
Für den operativen Ablauf spielen die Rahmenbedingungen der Umlaufbahn eine zentrale Rolle. ASCENT steigt in eine Bahn nahe 500 Kilometer Höhe auf und kommt damit oberhalb der Internationalen Raumstation. Diese Lage ist nicht nur für den Funklink relevant, sondern auch für die Thermik, die Strahlungsumgebung und die Auslegung von Bahn- und Lagekontrollmanövern. Die Studentinnen und Studenten sollen dafür täglichen Schichtbetrieb fahren und während der Demonstration mehr als 1.000 Stunden der Antriebsprüfung über den Zeitraum hinweg absolvieren. Zusätzlich ist als Ziel eine Nutzung über einen Höhenbereich von 5 Kilometern genannt, also eine Art kontrolliertes „Auf und Ab“ der Bahn, um die Performance über unterschiedliche Bedingungen hinweg zu beobachten.
Der für viele Teams kritische Teil liegt dabei oft nicht im Start, sondern in der Flugvorbereitung: Die Georgia-Tech-Gruppe hat über drei Jahre hinweg konstruiert, getestet und anschließend eine Flug-Zulassungslogik im Bodenbetrieb nachgezogen. Dazu gehörten Schulungen für den Umgang mit der Bodenstation, für das Sequenzieren von Kommandos sowie für die Auswertung der Telemetrie, damit im Orbit nicht nur „irgendetwas“ ankommt, sondern die richtigen Parameter im richtigen Takt ausgewertet werden. An der Spitze steht Ryan McKee als Mission Operations Manager; unterstützt wird das Crew-Setup unter anderem von Ph.D.-Student Andrew Basin. Dass das Team diese Art von Operations bereits aus früheren NASA-nahen Aktivitäten kennt, zeigt sich daran, dass Studierende schon 2021 bei einer früheren CubeSat-Mission in der Mission-Operations-Praxis mitgearbeitet haben.
Für Unternehmen und Universitäts-Partnerschaften ist an dieser Mission vor allem die Verbindung aus Raumfahrtpraxis und konkreter Antriebsexperimentik interessant. Ein weniger toxischer Treibstoff, genannt wird „ASCENT“ als Alternative zu flüchtigeren Hydrazin-basierten Systemen, zielt nicht nur auf Safety-Aspekte, sondern reduziert auch die Hürden für Handhabung und Prozesskette im Umfeld von Entwicklung und Tests. Genau solche Punkte sind in der Praxis oft der Engpass, wenn später Skalierung oder spätere Missionsvarianten geplant werden. Gleichzeitig bleibt die tatsächliche Leistungsfähigkeit im Alltag eine Frage des Monitorings: Welche Kennwerte sich unter realen Umlauf- und Belastungsprofilen stabil zeigen, müssen die Telemetriedaten aus dem laufenden Schichtbetrieb belegen.
Was noch offen ist, betrifft vor allem den Zeitplan im Detail. Die Projektkommunikation nennt zwar den neunmonatigen Charakter der Demonstration und beschreibt erste Kontakt- und Betriebsfenster, aber ein konkretes Enddatum oder fein granulierte Zwischenmeilensteine wurden nicht mitgeteilt. Für das Verständnis der Mission bedeutet das: Beobachter werden in den kommenden Wochen vor allem darauf achten, ob die Umschaltung zwischen chemischem Manövermodus und elektrischem Schubmodus in der geplanten Abfolge gelingt und ob sich die gemessenen Effizienz- und Bahnkorrekturwerte über den angegebenen Höhenbereich hinweg konsistent darstellen lassen.
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