LONDON (IT BOLTWISE) – Das Startup Policy Forum (SPF) in Indien startet mit „DeepVerse“ ein neues Zentrum für Deep-Tech. Die Plattform bündelt einen 18-köpfigen Beirat und zehn Venture-Capital-Firmen, um Hürden für wissenschafts- und engineeringbasierte Unternehmen abzubauen. Auf der Prioritätenliste steht auch Quantentechnologie neben Feldern wie Halbleitern, Raumfahrt und Defense. Im kommenden Bericht soll DeepVerse konkrete Politikempfehlungen für seine Fokusbereiche formulieren.

Indiens Startup-Landschaft bekommt mit „DeepVerse“ eine neue Bühne, die vor allem eines adressieren will: den langen Atem von Deep-Tech. Der Hintergrund ist in vielen Bereichen derselbe: Forschungs- und Entwicklungszyklen dauern oft Jahre, bis Produkte überhaupt marktreif werden. Genau diese Zeitspanne führt in der Praxis zu Reibung bei Regulatorik, Kapitalbereitstellung und Fachkräfteplanung. Mit DeepVerse will das Startup Policy Forum (SPF) Deep-Tech-Unternehmen dauerhaft in die Gestaltung nationaler Rahmenbedingungen einbinden – nicht nur als punktuelle Konsultationspartner, sondern über einen institutionalisierten Kanal.
Technisch und organisatorisch folgt DeepVerse dabei einem klaren Muster aus Policy-Research plus Industriekollaboration. Laut Ankündigung soll das Zentrum Barrieren für Unternehmen adressieren, die auf wissenschaftlichen und ingenieurgetriebenen Innovationen basieren. Dafür bringt DeepVerse Investoren, Gründer, staatliche Vertreter, Technologieunternehmen und akademische Akteure zusammen. Der Aufbau setzt auf einen 18-köpfigen Advisory Board und die Beteiligung von zehn Venture-Capital-Firmen; dadurch entsteht eine Schnittstelle zwischen dem, was im Labor entsteht, und dem, was sich in Investitions- und Go-to-Market-Planungen abbilden lässt. Ergänzend ist vorgesehen, dass ein Bericht Empfehlungen über die fokussierten Technologiesektoren hinweg ausarbeitet.
Dass Quantentechnologie als Priorität aufgenommen wurde, ist vor allem im Kontext der bekannten Skalierungsprobleme von Bedeutung. Quantentechnologie ist in der Regel nicht nur ein „Forschungsfeld“, sondern hängt stark von Ökosystemfaktoren ab: von geeigneten Rahmenbedingungen für Förder- und Projektlogiken über Talente und Know-how bis hin zu Infrastruktur- und Lieferkettenfragen. DeepVerse listet Quantentechnologie explizit neben mehreren weiteren Schwerpunkten wie Halbleitertechnik, Raumfahrttechnologie, Defense Tech, Biotechnologie und Health, Clean Energy, Drones und Aerospace sowie Electric Vehicles, Advanced Manufacturing & Robotics. Für viele dieser Bereiche gilt, dass politische Leitplanken die Geschwindigkeit beeinflussen, mit der Unternehmen Risiken kalkulieren und Entwicklungsbudgets über lange Zeiträume stabil halten.
DeepVerse baut zudem auf einer früheren Initiative auf, die Deep-Tech-Startups systematisch identifizieren und in den Policy-Fokus rücken sollte. SPF berichtet, die Plattform knüpfe an ein Vorgehen an, das 100 indische Deep-Tech-Startups ausfindig gemacht habe. Darüber hinaus wurde angekündigt, dass über einen Zeitraum von acht Monaten Gründerkonsultationen in Innovation Centers unter anderem in Delhi und Bengaluru stattfanden. Die Maßnahme wurde bereits im Juli 2025 angekündigt und im Oktober formal gestartet; im Mai 2026 habe man den genannten Startup-Kohort identifiziert. Die zentrale Idee dahinter: Erst eine belastbare Auswahl der Akteure schaffen, dann die Themen entlang konkreter Hürden in Politikempfehlungen übersetzen.
Auch die Zusammensetzung von DeepVerse zeigt, wie SPF den Mechanismus „Stimme in der Politik“ konkretisieren will. Der Beirat umfasst neben dem Vorsitzenden Shweta Rajpal Kohli weitere Persönlichkeiten aus Investments, Gründungsszenen und öffentlichen wie akademischen Rollen. Unter den Investoren werden beispielsweise Accel India, Avaana Capital, Bessemer Venture Partners, Crane Ventures, Endiya Partners, Iron Pillar, Lightspeed und Speciale Invest genannt; zusätzlich ist Stride Asset Management als weiteres Haus aufgeführt. Bei den Gründern finden sich unter anderem Airbound, Ather Energy, Skyroot Aerospace und Digantara. Auf der Policy- und Academia-Seite tauchen Akteure wie das MeitY Startup Hub, das Office of the Principal Scientific Adviser sowie ein Vertreter von Intel India auf – diese Mischung legt nahe, dass DeepVerse die Übersetzungsarbeit zwischen Technologieentwicklung und administrativer Umsetzbarkeit in den Mittelpunkt stellt.
Für den Markt ist das Timing besonders interessant, weil sich Deep-Tech in Indien derzeit in einer Phase befindet, in der Kapital und Gründerkompetenz stärker werden, während Regeln häufig nicht im gleichen Tempo nachziehen. Kohli, Präsidentin und CEO von SPF, hebt in der Begründung genau diesen Nachholbedarf hervor: Wenn Unternehmen Jahrzehnte planen müssen, brauchen Gründer und Investoren verlässliche Leitplanken und zudem eine Möglichkeit, an der Ausgestaltung mitzuwirken. Gleichzeitig greift SPF Themen auf, die bereits in früheren Konsultationen adressiert wurden – etwa Regulierung, Zugang zu Kapital, Talententwicklung und internationale Expansion. DeepVerse soll daraus eine permanente Arbeitsform machen und den Austausch fortlaufend öffnen, statt ihn auf einzelne Anhörungen zu begrenzen.
Mit Blick auf die industrielle Umsetzung dürfte der kommende Empfehlungsbericht ein entscheidender Hebel werden. Er soll laut Ankündigung die Politikaktionen skizzieren, die DeepVerse in seinen Fokusbereichen anstoßen möchte. Für Unternehmen bedeutet das: Wer im Deep-Tech-Umfeld arbeitet, kann künftig eher damit rechnen, dass Diskussionen nicht nur über allgemeine Innovationsförderung laufen, sondern über konkrete Zuständigkeiten, Hürden und mögliche Anpassungen. Gleichzeitig wird an der Quantentechnologie sichtbar, wie SPF Prioritäten setzt: nicht als isoliertes Spezialthema, sondern als Bestandteil eines größeren Tech-Clusters, in dem Halbleiter, Raumfahrt, Defense und Industrieautomation zusammen gedacht werden. Für die nächsten Monate wird daher nicht nur relevant sein, welche Sektoren adressiert werden, sondern auch, wie tief die Empfehlungen in operative Fragen reichen, die für die Skalierung von Forschung zu Produkten tatsächlich entscheidend sind.
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