LONDON (IT BOLTWISE) – Das Ulmer Startup xenko erhält 143.500 Euro EXIST-Förderung für die Entwicklung einer XR-Plattform für den Arbeitsplatz. Die Mittel sollen helfen, Trainingsangebote aufzubauen, die mehr Bewegung direkt im Berufsalltag anleiten. Ergänzende Unterstützung der Universität Ulm fließt in Sachmittel sowie Coaching, während das Projekt bis August 2027 weiterentwickelt wird. Im Fokus steht ein VR-Setup mit Avatar-Training und Echtzeit-Rückmeldung zur Körperhaltung.

Das Ulmer Startup xenko bekommt eine EXIST-Förderung in Höhe von 143.500 Euro, um eine Plattform im Bereich Extended Reality (XR) zu entwickeln. Die Idee ist bewusst arbeitsplatznah: Statt Fitnessprogramme losgelöst vom Alltag zu denken, soll die Software Bewegungsanleitungen dort integrieren, wo Beschäftigte typischerweise lange sitzen oder sich wenig körperlich bewegen. Damit adressiert xenko einen Trend, der im betrieblichen Gesundheitsmanagement seit Jahren stärker wird: Maßnahmen sollen nicht nur informiert, sondern im Moment der Nutzung aktiv angeleitet werden – mit möglichst geringer Hürde bei Zeit und Umsetzung.
Finanziell setzt das Vorhaben auf mehrere Bausteine. Laut Quelle kommen zur Basisförderung zusätzliche Mittel der Universität Ulm hinzu: 30.000 Euro an Sachmitteln sowie 5.000 Euro für Coaching. Der bewilligte Förderzeitraum läuft vom 01.09.2026 bis zum 31.08.2027; in dieser Phase sollen drei Vollzeitstipendien den Weg zur formalen Unternehmensgründung ebnen. Für Teams in der frühen Phase ist gerade diese Mischung aus Entwicklungsbudget und operativer Aufbauhilfe entscheidend, weil ein XR-Produkt nicht nur Programmierung erfordert, sondern auch Entscheidungen zu Content-Design, Nutzerführung, Pilotierung und späterem Vertrieb.
Technisch beschreibt das Konzept eine Kombination aus virtueller Anleitung und direkter Auswertung von Bewegungsabläufen. Kernstück ist ein virtueller Traineravatar, der die Übungseinheiten Schritt für Schritt anleitet. Parallel soll ein Echtzeit-Ganzkörperfeedback Rückmeldung zur Haltung und zur Ausführung geben. Genau diese Rückkopplung ist aus Anwendungssicht ein zentraler Unterschied zu klassischen Video-Trainings: Während man bei statischen oder nur „hands-off“ konsumierten Programmen meist auf eigenes Gefühl angewiesen ist, versucht xenko die Ausführung während der Session messbar zu korrigieren. Damit rückt die Software näher an interaktive Trainingssysteme heran, wie sie aus Fitnessstudios bekannt sind – nur eben skaliert auf digitale Nutzung mit VR-Brille.
Das geplante Übungsspektrum ist dabei breit angelegt, aber auf konkrete Bewegungsmuster gemünzt: Mobilitätsübungen, Einheiten aus Pilates und Yoga sowie Aspekte von Meditation und Regeneration. Nutzerinnen und Nutzer sollen über eine VR-Brille auf das Angebot zugreifen. Für Unternehmen ist der Ansatz dadurch besonders interessant, dass XR-Training als Baustein im betrieblichen Gesundheitsmanagement funktionieren kann, ohne sofort in komplette „Hardware-Projekte“ auszuarten: Typischerweise lässt sich die Einführung organisatorisch steuern, während die eigentliche Übungslogik digital gepflegt wird. Gleichzeitig bleibt der Charakter des Produkts klar an der Zielgruppe „Arbeitstage“ gebunden – die Inhalte sollen flexibel in den Berufsalltag integrierbar sein.
Der Weg zum Produktstart ist allerdings noch nicht abgeschlossen: Ein konkreter Termin für die Markteinführung steht bislang nicht fest. Außerdem liegt für die Plattform nach Angaben der Quelle derzeit noch keine klinische Wirksamkeitsprüfung vor. Für die Entwicklung bedeutet das zweierlei. Erstens muss xenko in der Förderphase den technischen Reifegrad vorantreiben, etwa bei Stabilität, Tracking-Genauigkeit und der Qualität der Feedbackschleifen. Zweitens wird die Frage nach belastbarer Evidenz erst später strategisch bedeutsam – spätestens dann, wenn der Vertrieb stärker in Richtung medizinisch-therapeutischer Wirksamkeitsversprechen kippen könnte. Bis dahin setzt das Team laut Quelle auf technische Weiterentwicklung und den formalen Aufbau des Unternehmens, also auf die Grundlage, um später auch Pilotstudien oder Wirksamkeitsuntersuchungen sauber planen zu können.
Entstanden ist die Idee bereits im Jahr 2024. Zum Team gehören vier Personen: Dr. Jana Funke (Geschäftsführung), ergänzt durch Nadja Pirchheim, Benjamin Bayer und Dr. Jessica Seyfried. Beim Vertrieb denkt xenko zunächst an Unternehmen, die das System im betrieblichen Gesundheitsmanagement einsetzen möchten. Langfristig wird zudem Physiotherapie als mögliches Einsatzfeld genannt – ein Schritt, der strategisch nachvollziehbar ist, aber in der Praxis typischerweise zusätzliche Anforderungen an Validierung, Dokumentation und Anpassung an Therapiebedarfe mit sich bringt. Bis zum Ende des Förderzeitraums im Spätsommer 2027 dürfte vor allem der Nachweis „funktioniert im Alltag“ gegenüber der Breite der Nutzerinnen und Nutzer im Vordergrund stehen: nicht als klinischer Endpunkt, sondern als belastbarer Nachweis, dass das Training in realen Arbeitsumgebungen akzeptiert und zuverlässig durchführbar ist.
Für den Markt ist das Vorhaben auch deshalb spannend, weil XR im Unternehmenskontext derzeit auf zwei unterschiedliche Versprechen ausgerichtet ist: auf immersive Schulungsszenarien und auf interaktive Assistenz in Alltagstätigkeiten. Mit xenko rückt nun der dritte Bereich in den Fokus – gesundheitsbezogene Bewegung, direkt im Büro-Setting. Wenn das Team es schafft, Echtzeit-Feedback so stabil zu machen, dass es die Nutzerführung verbessert und nicht nervt, kann die Plattform eine überzeugende Nische besetzen. Unklar bleibt dabei vorerst, wie schnell der Sprung von „Training als Produktdemo“ zu „rolloutfähigem Unternehmensprogramm“ gelingt; hier entscheiden am Ende Betriebsparameter wie Setup-Aufwand, Content-Pflege und die Unterstützung im laufenden Betrieb. Genau diese Punkte werden in der kommenden Förderphase wahrscheinlich die wichtigsten Engineering- und Produktmanagement-Entscheidungen prägen.
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