LONDON (IT BOLTWISE) – Das FBI und der Secret Service warnen, dass die FortiBleed-Kampagne weiterhin aktiv ist und gezielt internetöffentliche Fortinet FortiGate-Firewalls sowie SSL-VPN-Gateways angreift. Die Angreifer nutzen wiederverwendete oder geleakte Zugangsdaten und eine ältere SHA-256-Passwortspeicherung, um Authentifizierungsdaten in großem Stil zu ernten. Laut den Behörden scannen sie weiterhin zuvor kompromittierte Geräte mit bereits beschafften Credentials. Für betroffene Organisationen bleibt vor allem entscheidend, aktive SSL-VPN- und Administrationssitzungen zu beenden und Passwörter zu wechseln.

FBI/US-Behörden warnen: FortiBleed trifft FortiGate-SSL-VPN und bleibt aktiv
FBI/US-Behörden warnen: FortiBleed trifft FortiGate-SSL-VPN und bleibt aktiv (Foto: IT BOLTWISE)
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Die aktuelle Warnung des FBI und des Secret Service ordnet FortiBleed als anhaltende Credential-Harvesting-Kampagne ein, nicht als abgeschlossene Sicherheitsvorfallserie. Im Kern geht es um kompromittierte Zugriffsdaten, die gegen internetöffentliche Fortinet FortiGate-Systeme sowie SSL-VPN-Gateways eingesetzt werden. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt für Betreiber weg von „Patchen und hoffen“ hin zu einer konsequenten Validierung der eigenen Identitäten und Session-Integrität, denn eine wiederholte Ausnutzung gelingt besonders dann, wenn Zugangsdaten nicht sofort rotiert und bestehende Sitzungen nicht beendet werden.

Technisch beschreibt die Meldung einen typischen, aber konsequent umgesetzten Angriffspfad aus Reconnaissance, initialer Zugangsgewinnung und anschließender Ausweitung. Laut den Behörden laufen Scans auf zuvor exponierten FortiGate-Portalen weiter; dafür werden vorab erbeutete Credentials genutzt. Der Übergang zur Auswertung erfolgt dann in einer mehrstufigen Kette: Nach der kompromittierten Anmeldung sammeln die Angreifer Authentifizierungsdaten sowie Passwort-Hashes. Diese werden anschließend auf einer GPU-gestützten „Cracking“-Infrastruktur mit Offline-Methoden aufbereitet, wobei die Behörden ausdrücklich Hashmat und Hashtopolis als genutzte Tools nennen. Genau diese Kombination ist für Defender wichtig, weil sie erklärt, warum sich der Schaden oft nicht auf den ersten Zugriff beschränkt, sondern später durch zusätzliche, entschlüsselte oder validierte Passwörter weiterwächst.

Auch das Ausmaß der Kampagne wird in der Warnung konkret: Bis zum 19. Juni 2026 soll die russischsprachige Operation mehr als 86.644 funktionierende Geräte-Credentials gesammelt haben, verteilt auf 194 Länder. FortiBleed wurde zuerst im Juni 2026 in einer Analyse dokumentiert und zielte auf „tausende“ Fortinet-Firewalls im Rahmen einer globalen Kampagne. Für Sicherheitsverantwortliche bedeutet das vor allem eines: Die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht nur bei vereinzelten Kompromittierungen bleibt, steigt mit jeder weiteren Welle von Credential-Stuffing- und Password-Spraying-Versuchen auf exponierte Systeme. Besonders kritisch ist dabei, dass die Angreifer wiederverwendete oder geleakte Zugangsdaten mit einer älteren SHA-256-Passwortspeicherung kombinieren, die das Ermitteln von Klartexten bzw. das Verifizieren von Hashes erleichtert.

Aus dem weiteren Vorgehensmodell ergeben sich klare Implikationen für das Incident Response Vorgehen. In der finalen Phase beschreiben FBI und Secret Service Exfiltration von sensiblen Daten aus Netzwerkfreigaben sowie das Persistenz-Setup über gestohlene Session-Cookies, wodurch der Zugriff auch nach einer einmaligen Passwortrotation fortgeführt werden kann. Daneben wird geschildert, dass Angreifer neue Administratorkonten anlegen und in bestimmten Fällen bestehende Konten löschen, um Organisationen am Zugriff zu hindern und die Kontrolle über das Gerät zu sichern. Die Behörden weisen außerdem darauf hin, dass einige Opfer möglicherweise sogar aus ihren Fortinet-Geräten ausgesperrt werden können, falls der Angreifer Passwörter originaler Konten löscht oder verändert, während gleichzeitig neue Konten zur Aufrechterhaltung des Zugriffs erstellt werden.

Die technische Detailtiefe der Empfehlungen zeigt, wo die Behörden die größten Hebel sehen. CISA fordert Fortinet-Kunden mit FortiGate-Appliances unter anderem dazu auf, phishing-resistente Authentifizierung zu aktivieren, aktive SSL-VPN- und Administrationssitzungen zu beenden, VPN- sowie Administratorkennwörter zurückzusetzen und Administrator-Credentials künftig per PBKDF2 zu speichern. Zusätzlich sollen Betreiber ihre Logs auf verdächtige Aktivitäten prüfen. Entscheidend ist dabei der Zusammenhang zwischen Speichermethode und Angriffsrealität: Wenn Kennwörter in einem Modus vorliegen, der das Offline-Cracken vereinfacht, reicht eine kurzfristige Blockade der Online-Anmeldeversuche nicht aus; die Angreifer können mit erbeuteten Hashes weiterarbeiten, bis gültige Credentials erneut nutzbar sind.

Ungewöhnlich ist zudem, wie die Meldung die Rolle des „Downstream“-Ökosystems beschreibt. FortiBleed wird den Angaben zufolge als initialer Zugangsbroker eingeordnet, der die gestohlenen Informationen bündelt und an nachgelagerte Akteure verkauft. Als Indiz nennen die Behörden Operator-Überlappungen, die FortiBleed mit Aktivitäten rund um Ransomware-Operationen in Verbindung setzen könnten. Unabhängig von der exakten Zuordnung zeigt der Mechanismus aber ein wiederkehrendes Muster: Wer erst Zugang und persistente Sessionfähigkeiten erlangt, kann später entweder seitlich im Netzwerk navigieren, Identitäten enumerieren oder Privilegien gezielt ausweiten. In diesem Kontext werden auch Schritte wie Active Directory-Enumeration, Kerberos-Validierung und SMB-Authentifizierung erwähnt, die typischerweise zu weiterem Eskalationspotenzial führen.

Für Unternehmen, die eine mögliche Kompromittierung vermuten, lautet die nächste Handlungskette laut Warnung: betroffene Geräte isolieren, relevante Artefakte und Logs sichern, den Vorfall dem FBI und dem Secret Service melden und die passenden Gegenmaßnahmen umsetzen. Praktisch geht es dabei nicht nur um „Containment“, sondern auch um forensisch saubere Belege, weil Cookie-basierte Persistenz und Account-Manipulation das spätere Wiederherstellen erschweren können. Der wichtigste operative Punkt bleibt: Zugangsdaten, Sessions und Konfigurationen müssen als zusammenhängende Einheit betrachtet werden. Wer nur Passwörter rotiert, aber aktive Sessions bestehen lässt oder die Schwäche bei der Passwortableitung nicht behebt, riskiert, dass ein bereits vorbereiteter Zugriff sofort nach Änderungen erneut funktioniert.


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