LONDON (IT BOLTWISE) – Ein Szenario aus dem Jahr 2026 zeigt, wie ein Super-Blackout in Deutschland und weiten Teilen Europas durch kompromittierte Wechselrichter von Photovoltaik-Anlagen möglich geworden wäre. Grundlage dafür waren offenbar Cloud-Zugriffe, die Angreifer mit wenigen Handgriffen hätten missbrauchen können. Die IT-Sicherheitsfirma Jakkaru meldete die Schwachstelle an den Hersteller, der sie kurz darauf per Hotfix schloss. Entscheidend bleibt jedoch, wie der EU-Regelrahmen zur Cyberresilienz solche Komponenten als Gesamtverbund bewertet.

Das Stromnetz ist auf Stabilität ausgelegt, aber es reagiert empfindlich auf plötzliche Last- und Einspeisewechsel. Genau daran setzt die neue Sicherheitsdiskussion an: Für den August 2026 wird beschrieben, dass Hacker: innen über einen Cloud-Zugriff auf Wechselrichter von Photovoltaik-Anlagen das Netz so stark hätten stören können, dass ein großflächiger Kollaps wahrscheinlich gewesen wäre. Entscheidend ist dabei weniger die Idee eines „Angriffs auf Kraftwerke“, sondern die Möglichkeit, die vielen dezentralen Einspeiser in Summe zu destabilisieren.
Als technischer Kern werden die Wechselrichter des chinesischen Herstellers Sungrow genannt. In Deutschland seien davon rund 250.000 Anlagen im Einsatz, in Europa fast eine halbe Million. Die zugehörigen Solaranlagen hängen dem Bericht zufolge an der Cloud des Herstellers; dadurch existiert ein zentraler Anknüpfungspunkt, über den sich sehr viele Geräte indirekt steuern lassen. Wenn Angreifer in eine Admin-Umgebung vordringen, reicht eine geringe Anzahl erfolgreicher Schritte, um das Verhalten zahlreicher Komponenten gleichzeitig zu beeinflussen.
Wie nah dieses Szenario an der Praxis gewesen sein soll, wird im Zusammenhang mit einer IT-Sicherheitsfirma konkretisiert: Marlon Starkloff, Geschäftsführer der IT-Sicherheitsfirma Jakkaru, und sein Team hätten ohne Passwort auf die Cloud zugreifen können. Von dort aus sollen sie so tief in den Admin-Bereich vorgedrungen sein, dass sie eine zentrale Steuerung aller verbundenen Geräte gefunden hätten. In der Folge wird skizziert, dass weltweit etwa 2,2 Millionen Solaranlagen dadurch hätten abgeschaltet oder in Richtung Schadsoftware hätten missbraucht werden können – also nicht als einzelne manipulierte Inselanlage, sondern als koordiniertes System.
Das Ausmaß leitet sich aus den Leistungszahlen ab. Allein in Deutschland erreichen Solarpaneele laut Quelle eine Spitzenleistung von knapp acht Gigawatt, in ganz Europa etwa 18 Gigawatt. Wird ein so großer Anteil plötzlich vom Netz genommen, kann das Gesamtsystem die Schwankungen nicht ohne Weiteres ausgleichen. Für den Bericht heißt das: Weite Teile Deutschlands und Europas wären betroffen gewesen – und nicht nur für kurze Zeit, sondern mit einem Zeitraum, der über Minuten oder Stunden hinausgeht, weil sich die Netzstabilisierung in solchen Kaskaden deutlich verzögern kann.
Auf der positiven Seite: Jakkaru habe die Sicherheitslücke an den Hersteller gemeldet, und Sungrow habe innerhalb eines Tages einen Hotfix nachgereicht. Seitdem soll die Schwachstelle nicht mehr ausnutzbar sein. Gleichzeitig bleibt ein strukturelles Thema bestehen, das in der Diskussion häufig übersehen wird: Das größere Problem liege weniger im konkreten Bug, sondern darin, dass Produkte ähnlicher Wechselrichter im Rahmen des Cyberresilienzgesetzes offenbar nicht als „kritisch“ im Sinne strengerer Sicherheitsvorgaben eingestuft werden. Begründet wird das in der Quelle damit, dass einzelne Geräte einzeln nie die nötige Wirkung erreichen würden, um das Stromnetz zu stören – aber genau dieser Annahme widerspricht die Realität des vernetzten Gesamtverbunds.
Für Unternehmen in Energie, Industrieautomatisierung und IT-Betrieb ergibt sich daraus eine verschärfte Risikoarchitektur: Angriffe müssen nicht immer auf „die Leitstelle“ zielen, sondern können über Hersteller-Ökosysteme und zentrale Cloud-Dienste in die Fläche wirken. Damit rückt auch die Frage in den Vordergrund, wie Regulatoren Verbundeffekte bewerten, also den Effekt vieler gleichartiger Komponenten, die gleichzeitig reagieren. Laut Quelle könnte sich hier etwas ändern, wenn die EU-Richtlinie für Cybersicherheit in nationales Recht überführt wird; das soll erst im kommenden Jahr soweit sein. Bis dahin ist das praktische Gegenmittel für Betreiber vor allem ein konsequentes Schwachstellen- und Update-Management entlang der gesamten Lieferkette – einschließlich Firmware, Cloud-Accounts und der eingesetzten Fernsteuerprozesse.
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