SAN FRANCISCO / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Startup Ghost bringt mit Core einen kleinen Rechner für KI-Agenten auf den Markt, der Sprach- und KI-Berechnungen ohne Cloud auf dem Gerät ausführt. Für 3.499 US-Dollar erhalten Käufer keinen eigenen Monitor, sondern ein System, das autonome Programme im Hintergrund laufen lässt. Die Steuerung erfolgt über eine Smartphone-App, die auch Spracheingaben verarbeitet. Damit positioniert sich Ghost gegen das Modell, bei dem KI-Anfragen typischerweise über Rechenzentren laufen.

Ghost verfolgt mit Core einen bewusst gegenläufigen Ansatz zur gängigen KI-Nutzung: Statt Prompts und Agentenaktivitäten über externe Rechenzentren zu schicken, soll die lokale Ausführung im Fokus stehen. Das Startup wurde von dem 19-jährigen Zain Javaid gegründet und adressiert vor allem den Moment, in dem viele Nutzer: innen zwar KI-Funktionen erwarten, aber die Konsequenzen der Datenübertragung in die Cloud scheuen. Mit Core liefert Ghost dafür einen Rechner, der nicht als klassischer Desktop gedacht ist, sondern als dauerlaufende Hardware-Basis für KI-Agenten.
Das Gerät kommt ohne Monitor und ohne typische Eingabegeräte wie Maus oder Tastatur. Ghost beschreibt Core daher weniger als „PC zum Arbeiten“, sondern als Plattform, auf der KI-Agenten kontinuierlich im Hintergrund laufen. Diese Agenten sollen dabei Daten aus der Umgebung der Nutzer: innen sammeln und daraus Aufgaben ableiten, während die Bedienung vollständig über eine Smartphone-App erfolgt. Auch die Spracheingabe wird nicht am Rechner selbst verarbeitet, sondern ausschließlich in der zugehörigen App gebündelt und an das System übergeben.
Für die lokalen Berechnungen setzt Ghost auf eine vergleichsweise klare Hardware-Bausteinlogik. In den Spezifikationen nennt das Unternehmen einen AMD-Ryzen-5-7600-Prozessor mit sechs Kernen, der die parallele Vor- und Nachverarbeitung übernehmen soll. Für die eigentlichen KI-Berechnungen wird ein Grafikprozessor aus der Nvidia-RTX-Pro-4000-SFF-Blackwell-Serie eingesetzt; Ghost nennt dabei eine Speicherbandbreite von 432 Gigabyte pro Sekunde. Ergänzt wird das Setup durch 64 Gigabyte DDR5-Arbeitsspeicher sowie eine 1-Terabyte-SSD für Daten und installierte Modelle. Das Gehäuse besteht aus gebürstetem Edelstahl und ist mit einem Lichtdiffusor aus Acryl versehen.
Der Datenschutz-Claim zielt dabei auf ein Kernproblem vieler KI-Workflows: Sobald Dienste Cloud-Ressourcen nutzen, verlagern sich Datenflüsse aus dem Einflussbereich der Endnutzer: innen in Richtung Anbieter-Infrastruktur. Ghost ordnet Core deshalb explizit dem Edge-Computing zu: KI-Berechnungen passieren auf dem Endgerät, nicht in einem Rechenzentrum. Das Unternehmen sagt, lokal gespeicherte Daten würden verschlüsselt abgelegt, sodass auch Ghost als Betreiber keinen direkten Zugriff auf diese Inhalte haben soll. Dazu kommt eine Firewall, die laut Hersteller auf die Aktivitäten der KI-Agenten ausgerichtet ist und jede ausgehende Anfrage der Software ins externe Netzwerk prüft. Ziel ist es, zu verhindern, dass Agenten ungewollt sensible Informationen ausleiten – ein Risiko, das bei autonomen Systemen besonders kritisch wird, weil Agenten nicht nur Antworten generieren, sondern eigenständig über längere Zeiträume handeln.
Auch bei der Modellstrategie setzt Core auf Offenheit statt auf ein fest verdrahtetes Ökosystem. Das System wird laut Ghost ab Werk mit vorinstallierten Sprachmodellen ausgeliefert, darunter Varianten aus den Qwen- und Gemma-Familien. Zusätzlich soll das Betriebssystem die Installation weiterer Modelle erlauben, etwa über gängige Plattformen für Open-Source-Modelle. Damit können Nutzer: innen die verwendeten Sprachmodelle an ihre Präferenzen anpassen, ohne zwingend an ein einziges Dienstangebot gebunden zu sein. Updates für neue Modellgenerationen sollen außerdem automatisiert über das Netzwerk bezogen werden, wodurch der Betrieb nicht bei jedem Versionssprung manuell aufgesetzt werden muss.
Aus Marktsicht ist Core damit weniger eine einzelne Produktankündigung als ein Statement zur Frage, wie „KI als Dienst“ künftig aussehen könnte. Der Preis von 3.499 US-Dollar macht die Einstiegshürde hoch – dafür positioniert Ghost das Setup als Infrastruktur, die dauerhaft läuft und nicht nur für einzelne Chat-Anfragen gedacht ist. Gerade diese dauerhafte Agenten-Nutzung verschiebt die Diskussion: Wer KI wirklich als Assistenz in Prozessen verstehen will, steht früher vor Fragen wie Datenhoheit, Netzwerkverkehr und Sicherheitsgrenzen. Mit Core adressiert Ghost genau diese Punkte, indem es lokale Ausführung, Verschlüsselung und eine agentenorientierte Ausgehfilterung zusammenbringt.
Für Unternehmen und Technikteams wird entscheidend sein, wie gut sich das Konzept in realen Umgebungen betreiben lässt: Wie stabil arbeitet der lokale Agent über Wochen, wie transparent sind die Netzwerkprüfungen, und wie einfach lassen sich Modelle austauschen, wenn sich Anforderungen ändern? Ebenso relevant bleibt, wie Ghost die Balance zwischen Offenheit und Betriebssicherheit organisiert, wenn Nutzer: innen zusätzliche Modelle nachladen. Core zeigt jedenfalls, dass „ohne Cloud-Zwang“ inzwischen mehr sein kann als ein Marketing-Slogan: Es erfordert eine durchdachte Kombination aus Hardware-Compute, lokaler Datenhaltung, Update-Mechanik und einer Sicherheitsarchitektur, die nicht erst bei einem Vorfall eingreift.
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