LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Antler-Analyse zeigt, dass in Deutschland nur 24 Prozent der Startups von der Seed- in die Series-A-Phase kommen. Gleichzeitig steigen die typischen Finanzierungssummen deutlich, doch die Zahl erfolgreicher Anschlussrunden sinkt. Als zentrale Hebel nennt der Wagniskapitalgeber vor allem Tempo zwischen Pre-Seed und Seed sowie eine ausgewogene Investorenstruktur mit institutionellem Lead und wiederinvestierenden Pre-Seed-Partnern. Für Gründer wird damit der Zeitraum bis zur nächsten Runde zur operativen Planungsgröße.

Die Seed-Runde wirkt oft wie der Beweis, dass ein Startup das Problem verstanden hat. Der Schritt in die Series A entscheidet dann jedoch darüber, ob aus einer guten Idee ein skalierbares Geschäftsmodell wird – und genau hier hakt es in Deutschland besonders häufig. Laut einer Analyse von Antler schaffen es nur 24 Prozent der deutschen Startups, von der Seed- in die Series-A-Runde zu wechseln. Der Kontext ist dabei ambivalent: Die Finanzierungswelt wird zwar größer, aber der Anteil der Unternehmen, die den nächsten Takt erfolgreich absolvieren, bleibt klein.
Dass die Hürde real ist, lässt sich auch an den Beträgen festmachen. Antler nennt für den Median einer Seed-Runde mittlerweile 4,3 Millionen Euro; 2015 lag dieser Wert noch bei 510.000 Euro. Im Pre-Seed-Bereich stieg der Median von 110.000 Euro auf 1,1 Millionen Euro, während sich bei der Series A der Sprung von 3,6 auf 14 Millionen Euro zeigt. Interessant ist aber nicht nur der Anstieg der Summen, sondern das Muster dahinter: Antler wertete 27.602 Finanzierungsrunden von mehr als 3.000 Startups im Zeitraum 2015 bis 2026 aus und findet zugleich, dass es zwar insgesamt mehr Kapital für frühe Phasen gibt, jedoch weniger Startups den Weg in die Series A schaffen. Genau diesen Widerspruch beschreibt auch Christoph Klink, Partner bei Antler, wenn er einen vergleichsweise guten Zeitpunkt zum Gründen und gleichzeitig eine schwierigere Phase für den Erfolg entlang des Finanzierungspfads gegenüberstellt.
Die Engstelle betrifft zudem nicht nur Deutschland, sondern lässt sich in Europa insgesamt beobachten. Laut den Antler-Zahlen sind die Series-A-Konversionsraten seit dem Höhepunkt 2019/2020 in mehreren großen Märkten gesunken. Für Deutschland gilt dabei: Trotz des Rückgangs liegt die Konversionsrate eines Jahrgangs mit 18,9 Prozent im Vergleich noch vorn. Dennoch wird die Größenordnung der Herausforderung in der heimischen Startup-Landschaft besonders sichtbar, wenn man die Dynamik zwischen Neugründungen und Anschlussfinanzierungen betrachtet: 2025 wurden in Deutschland 3.568 Startups gegründet, aber nur 71 erreichten die Series-A-Finanzierungsrunde. Damit kommt auf ein Unternehmen, das skaliert, grob gesagt eine neue Gründungswelle, die gerade erst startet – das erhöht den Wettbewerbsdruck auf frühe Traction und auf das Timing bei der Kapitalbeschaffung.
Für die Frage, was erfolgreiche Übergänge wahrscheinlicher macht, nennt Antler fünf Kriterien, die in der Auswertung zusammen deutlich wirken. Startups, die alle fünf Bedingungen erfüllen, erreichen demnach in 51,1 Prozent der Fälle eine Series A. Dazu gehört unter anderem eine Seed-Runde von mindestens 2 Millionen Euro sowie ein institutioneller VC als Lead-Investor. Ergänzend braucht es mindestens drei Investoren in der Seed-Runde, außerdem sollte sich ein Pre-Seed-Investor erneut an der Seed-Runde beteiligen. Besonders stark gewichtet Antler auch das Zeitfenster: maximal zwölf Monate sollen zwischen Pre-Seed und Seed liegen. In dieser Logik ist nicht nur Kapital entscheidend, sondern auch die Fähigkeit, Produktentwicklung, Vertriebsaufbau und Key-Metrics in einer engen Taktung so zu verdichten, dass sich ein späterer Übergang finanziell „abholen“ lässt.
Das Tempo zeigt sich in den Konversionsraten sehr konkret. Antler berichtet: Wenn ein Startup innerhalb von sechs Monaten nach der Pre-Seed-Runde die Seed-Finanzierung abschließt, erreicht es später eine Series A in 47,2 Prozent der Fälle. Wartet das Unternehmen länger als zwei Jahre, fällt diese Quote auf 16,3 Prozent. Für die Praxis heißt das, dass die Finanzierung nicht nur „danach“ geplant wird, sondern als Prozessparameter in der Roadmap wirkt. Parallel dazu beschreibt Antler einen möglichen Pfad zur Series A in drei Phasen: Pre-Seed idealerweise zwischen 500.000 und 1 Million Euro, Seed in der Regel als deutlich größere Finanzierungsrunde und schließlich eine Series A, die typischerweise etwa im Bereich von 10 bis 14 Millionen Euro liegt. Zwischen Seed und Series A liegt im Median eine Spanne von 21,5 Monaten, bei neueren Jahrgängen aber inzwischen über 30 Monate; das bedeutet, dass frühe Entscheidungen über Investorenstruktur und Meilensteine langfristig auf den Cash-Runway einzahlen müssen.
In der inhaltlichen Einordnung fällt außerdem auf, dass Antler bestimmte Sektoren häufiger bis zur Series A sieht: besonders häufig sind laut Analyse Climate und Energy, FinTech sowie AI und Data. Zudem deuten die Daten auf einen Vorteil hin, wenn der nächste externe Lead-Investor nicht nur existiert, sondern auch in der Finanzierungshöhe stärker wirkt. Für Gründerteams und Investment-Teams ist das auch eine organisatorische Nachricht: In der Seed-Phase wird der Grundstein dafür gelegt, wer später als Lead auftreten kann, wie schnell Follow-on-Investments möglich sind und ob ein Konsortium geschlossen genug bleibt, um die Verhandlungsposition bei größeren Runden zu stützen. Bei den konkreten Investorennamen nennt Antler unter anderem Cherry Ventures, HV Capital, Atlantic, UVC Partners, Speedinvest und Earlybird. In der eigenen Auswertung führt UVC Partners mit einer Seed-to-Series-A-Quote von 77,3 Prozent, gefolgt von Redalpine (70 Prozent) und Cherry Ventures (67,4 Prozent) – das unterstreicht, dass nicht jeder Geldgeber in jeder Phase gleich stark in den Übergang investiert.
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