FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Ölpreise und Anleiherenditen bleiben in der kommenden Woche ein spürbarer Dämpfer für den DAX. Gleichzeitig startet die US-Berichtssaison und liefert einen zusätzlichen Impuls für die Richtung am deutschen Aktienmarkt. Wenn die US-Inflationsdaten für September am Mittwoch die Erwartungen bestätigen oder übertreffen, könnte das die Zinserwartungen der Fed im Dezember erneut bewegen. Unklar bleibt damit auch, ob die viel beachtete 25.000-Punkte-Marke kurzfristig stabil bleibt.

Zu Beginn der neuen Woche hängt der deutsche Aktienmarkt sichtbar an zwei Belastungsfaktoren, die sich gegenseitig verstärken können: schwankende Ölpreise und nervöse Bewegungen bei Anleiherenditen. Laut Claudia Windt von der Landesbank Helaba zerren „die beiden zentralen Belastungsfaktoren, Ölpreise und Anleiherenditen, an den Nerven und führen zu Abschlägen bei Aktien und Gold, während die Renditen sowohl im Euroraum als auch in den USA in Nähe ihrer Hochststände verharren“. Für den DAX bedeutet das nicht nur kurzfristige Kursausschläge, sondern auch eine veränderte Risikowahrnehmung, weil Anleger Zins- und Inflationspfade gleichzeitig neu bewerten.
Der dritte Impuls kommt aus den USA. Mit dem Start der US-Berichtssaison rückt die Frage in den Vordergrund, ob Unternehmen den hohen Kostendruck und die insgesamt anspruchsvolle Zinsumgebung in den Zahlen abfedern können. Am Dienstag beginnen JPMorgan, Goldman Sachs und Citigroup mit ihren Quartalsberichten, am Mittwoch folgen Morgan Stanley und Bank of America. Jefferies-Analyst David Chiaverini bleibt optimistisch: „Für die Nettozinserträge des dritten Quartals rechnet er damit, dass die Prognosen erreicht oder leicht übertroffen werden. Zum erwartet er ein starkes Einlagenwachstum und eine stabile Kreditqualität.“ In der Praxis ist genau diese Kombination entscheidend: Nettozinserträge reagieren empfindlich auf das Zinsumfeld, während die Kreditqualität als Frühindikator dafür gilt, ob sich aus der konjunkturellen Unsicherheit über Zeit Probleme in den Bilanzen aufbauen.
Technisch betrachtet wirkt die Zinsseite über mehrere Kanäle auf Aktienmärkte. Steigen die Renditen, steigen oft auch die Finanzierungskosten für Unternehmen und die Diskontsätze für künftige Gewinne. Gleichzeitig kann ein höherer Ölpreis über Energiepreise indirekt wieder Inflationsrisiken verstärken, was wiederum den Spielraum für eine lockere Geldpolitik reduziert. Windt beschreibt deshalb auch die fehlende schnelle Entschärfung bei den öffentlichen Haushaltsdefiziten; sie sagt: „für die aus dem Ruder laufenden Haushaltsdefizite gibt es keine kurzfristige Lösung“ und führt aus, dass solange die Geldpolitik wegen hoher Ölpreise an der Zinsschraube drehen müsse, „werden die Zinskosten weiter zulegen und so die Staatshaushalte belasten.“ Diese Logik erklärt, warum Märkte in solchen Phasen häufig empfindlicher auf einzelne Makrodaten reagieren, selbst wenn die Daten zunächst nur „Einblicke“ liefern.
Für die unmittelbare Kursrichtung dürfte besonders der Mittwochstermin relevant sein, weil dort die Inflationsdaten für die USA im Fokus stehen. Volkswirt Christoph Balz von der Commerzbank erwartet: „Im September sind die US-Verbraucherpreise wohl deutlich gestiegen, wofür hauptsächlich teureres Benzin verantwortlich war“. Damit rückt die Kernfrage ins Zentrum, ob die Fed im Dezember an einer weiteren Zinserhöhung festhalten könnte. Balz formuliert es direkt: „Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel dürfte zwar moderater ausfallen, aber dies wird ihm zufolge die Notenbank Fed wohl dennoch nicht von einer weiteren Zinserhöhung im Dezember abhalten.“ Gerade weil „Kerninflation“ als stabilere Kennzahl gilt als kurzfristige Energieeffekte, kann die Kombination aus beiden Komponenten die Markterwartungen schneller drehen als reine Ölwechsel allein.
Neben den Inflationsdaten liefern die folgenden US-Termine zusätzliche Konjunktur-Signale. Am Donnerstag stehen der Philly-Fed-Index, die Einzelhandelsumsätze und die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten auf dem Programm, am Freitag folgen Daten zur Industrieproduktion. Damit ergibt sich ein zusammenhängendes Bild: Nachfrageindikatoren, Arbeitsmarkt und Produktion können zusammen entweder die Hoffnung auf eine robuste Wirtschaft stützen oder die Erwartung verstärken, dass höhere Zinsen mittelbar stärker wirken. Für Anleger ist das vor allem deshalb wichtig, weil die nächsten Kursbewegungen nicht nur von „Gewinnzahlen“ abhängen, sondern von der Frage, wie nachhaltig die Erträge aus Sicht des laufenden Geschäftsmodells sind.
Auch in Europa bleibt die Unternehmensseite prominent. In Deutschland stehen vor allem Autobauer im Blick: VW liefert am Montag ein Investoren-Update im Umfeld der Paris Motor Show sowie Informationen zum Autoabsatz für das dritte Quartal. Am Dienstag folgen weitere Signale aus dem VW-Umfeld inklusive der Sportwagentochter Porsche sowie Informationen von BMW, jeweils kurz vor der Schweigeperiode. Parallel rückt Airbus am Mittwoch mit letzten Aussagen vor den am 28. Oktober erwarteten Neunmonatszahlen in den Fokus, während Halbleiterwerte durch ASML am selben Tag und TSMC am Donnerstag zusätzlich Aufmerksamkeit erhalten. Gerade bei Tech- und Chip-Werten kann die Marktreaktion besonders stark sein, weil sich dort Erwartungen zu Investitionszyklen häufig früh in Auftrags- und Ausblickskomponenten zeigen.
Ob der DAX die viel beachtete 25.000-Punkte-Marke in dieser Phase stabil halten kann, bleibt damit offen. Laut Ausgangslage gilt: Eine Beruhigung kommt in erster Linie dann in Reichweite, wenn sich die Spannung aus Öl, Renditen und Inflationsdaten gleichzeitig reduziert oder zumindest nicht weiter erhöht. Andernfalls bleibt die Ausgangslage angespannt; Windt formuliert das für den Zeithorizont klar: Sie geht davon aus, dass „die Stimmung noch bis mindestens Anfang November, und damit bis zu den Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten von Amerika, angespannt bleiben wird“. Genau in solchen Zeitfenstern zeigt sich, wie eng Makrodaten und Unternehmenszahlen miteinander verzahnt sind: Berichtssaison liefert die Bestätigung für Erwartungswerte, während Inflations- und Zinsdaten den Bewertungsrahmen setzen.
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