LONDON (IT BOLTWISE) – Ein CEO sieht Chancen für Bitcoin und andere alternative Assets, obwohl er zugleich vor steigenden Renditen bei US-Staatsanleihen warnt. Er rechnet damit, dass 10-jährige US-Treasuries innerhalb von vier Jahren bis auf 8% steigen könnten. Der Kern seiner These: Dauerhaft höhere Finanzierungskosten belasten vor allem schulden- und „Long-Duration“-Positionen, während bestimmte Alternativen ohne klassische Schuldverpflichtungen profitieren könnten. Für Anleger mit ETF-Zugang steht dabei der regulierte Handelsweg im Fokus.

Die Diskussion um Bitcoin-ETFs bekommt neue Energie, weil eine Renditeprognose für US-Staatsanleihen die Argumentationslogik vieler Portfolios neu ordnet. In einem Interview ordnet Steven McClurg, CEO von Canary Capital, die nächsten Jahre weniger als „Automatik“ ein, bei der steigende Zinsen automatisch Kryptowährungen helfen, sondern als Zusammenspiel aus Kreditkosten, Anleihebewertungen und Liquidität. Besonders auffällig ist die Richtung der Warnung: Er erwartet, dass die Rendite 10-jähriger US-Treasuries innerhalb von vier Jahren bis auf 8% steigen könnte. Damit würde der Zinsdruck nicht nur die laufenden Erträge beeinflussen, sondern vor allem die Bewertung bestehender, länger laufender Anleihen über die Dauer („Duration“).
Technisch betrachtet trifft ein Renditeanstieg Unternehmen häufig zweifach: erstens über höhere Finanzierungskosten für Neuemissionen und Refinanzierungen, zweitens über den Bewertungsabschlag im Kapitalmarkt, wenn Investoren länger laufende Forderungen neu bepreisen. McClurg stellt dabei ausdrücklich die These in den Vordergrund, dass „alternativen“ Assets, die nicht denselben Schuldmechanismen unterliegen, eine andere Rolle zukommen kann. Zu den in seinem Ansatz genannten Gruppen zählen TIPS, Aktien bzw. Unternehmen mit solider Kapitalausstattung, außerdem Rohstoffe. Kryptowährungen grenzt er in einem Kernpunkt ab: Bitcoin und verwandte Krypto-Assets „begeben“ nach seiner Darstellung keine Schuldtitel, die im klassischen Sinn Zinslasten oder Covenants erzeugen.
Der spannendere Teil seiner Argumentation ist jedoch nicht die reine Gegenüberstellung zu Aktien oder Anleihen, sondern der Blick auf die globale Geldmenge. McClurg argumentiert, dass Bitcoin-Zeiträume in seinen Beispielen häufiger mit der Entwicklung der weltweiten Geldmenge (Global M2) korrelieren als mit dem einfachen Aktien- oder Anleihe-Mechanismus. Er verweist dabei auf ein Wachstum im Bereich von rund 7% und verknüpft die Wahrscheinlichkeit weiterer Preisimpulse mit dem Szenario, dass Zentralbanken in der Schuldenbedienung stärker zur Liquiditätsbereitstellung greifen müssten. Genau hier wird sein Ansatz für Anleger greifbar: Der Renditedruck allein ist nicht der Hebel, sondern die Frage, ob steigende Zinsen gleichzeitig durch eine expansive Liquiditätsentwicklung „abgefedert“ werden.
Für die Marktmechanik heißt das: Höhere Treasury-Renditen können Bitcoin durchaus unter Druck setzen, wenn sie mit einem stärkeren US-Dollar, höheren Realrenditen oder einer gesunkenen Risikobereitschaft („Risk Appetite“) einhergehen. Anders gesagt: Wenn die restriktiven Finanzierungsbedingungen dominieren, ist Kryptowährung nicht automatisch der Gewinner der Story, obwohl Staatsverschuldung und Verteidigungsausgaben laut seiner Einordnung tendenziell langfristigen Renditedruck erzeugen können. Er bringt zudem den laufenden, kapitalintensiven KI-Ausbau als Faktor ins Spiel, der die Finanzierungsnachfrage stützen könnte. Aus Portfoliosicht verschiebt sich damit die Diskussion von „Bitcoin als Zinshebel“ hin zu „Bitcoin als Liquiditäts-Asset“, dessen kurzfristige Performance dennoch stark von Makrobedingungen abhängt.
Für Anleger, die statt direkter Krypto-Verwahrung lieber börsengehandelte Produkte nutzen, nennt McClurg konkrete ETF-Optionen. Er verweist auf den iShares Bitcoin Trust ETF (NASDAQ: IBIT) sowie den Fidelity Wise Origin Bitcoin Fund (BATS: FBTC). Beide verfolgen das Ziel, den Bitcoin-Preis abzubilden, sodass das Exposure über ein Broker-Setup statt über eigene Custody-Prozesse entsteht. Außerdem nennt er als Sponsor Fee eine 0,25%, die Anleger als laufende Kosten indirekt berücksichtigen müssen. Interessant ist auch die Kostenlogik: Während er bei ETFs auf enge Handels-Spreads verweist (typisch ein sehr geringer Spread im Bereich von 2 bis 4 Basispunkten als Größenordnung), stellt er dem die potenziell höheren Handelskosten beim Spot-Handel an Kryptobörsen gegenüber, die laut seiner Darstellung erheblich schwanken und auch in Bereichen von 40 bis 150 Basispunkten liegen könnten. Wichtig bleibt dabei: Die realen Gesamtkosten hängen vom Handelsplatz, der Transaktionsgröße und der Marktlage ab, und ETF-Investoren zahlen zusätzlich Fondskosten sowie gebietsabhängig den effektiven Bid-Ask-Effekt.
Am Ende läuft die Entscheidung für ETF-Anleger auf eine einzige Frage hinaus: Kann sich die Liquiditätsseite so entwickeln, dass Bitcoin trotz höherer Treasury-Renditen eine Aufwärtsdynamik behält? McClurgs Szenario ist nicht zwingend, weil eine expansive Geldpolitik zwar Liquidität liefern kann, aber zugleich die makroökonomischen Gegenkräfte – stärkerer Dollar, steigende Realrenditen, Risikoaversion – nicht ausblendet. Genau diese Unsicherheit macht die praktische Bedeutung für Investmenthäuser aus: Wer Bitcoin-ETFs als strategische Beimischung betrachtet, muss die Makrolage aktiv beobachten und darf den Renditekanal nicht isoliert betrachten. Für CIOs und Portfoliomanager bedeutet das, dass die US-Renditetrajektorie zwar ein Frühindikator sein kann, die eigentliche Entscheidungsgrundlage aber aus dem Zusammenspiel von Geldmengendynamik, Währungsfaktoren und Risikoprämien abgeleitet werden sollte.
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