LONDON (IT BOLTWISE) – Strive-CEO Matt Cole hält es für möglich, dass Bitcoin bis 2030 die Marke von 500.000 US-Dollar erreicht. Ausschlaggebend sei ein Szenario, in dem steigende Renditen und wachsender US-Schuldenberg politischen Druck erzeugen, der den Dollar abwerten könnte. Er rechnet dabei mit möglicher Intervention innerhalb von 18 Monaten, warnt aber zugleich vor kurzfristiger Gegenbewegung durch höhere Zinsen. Für Strive sieht Cole die Chance in einer „verstärkten“ Bitcoin-Exposure über bevorzugte Eigenkapital-Strukturen, die an die Finanzierungskosten gebunden sind.

Die Prognose klingt auf den ersten Blick wie eine zugespitzte Schlagzeile, bekommt aber durch den beschriebenen Makro-Mechanismus eine nachvollziehbare Form: Der CEO von Strive, Matt Cole, argumentiert, dass Bitcoin in den kommenden Jahren nicht nur vom typischen Zyklusdenken profitiert, sondern vor allem von einem möglichen Währungs- und Zinsumfeld. In einem Interview auf einem Bitcoin-bezogenen Podcast skizziert Cole ein Bild, in dem der US-Dollar in einem Zeitraum von drei bis sieben Jahren deutlich nachgeben könnte. Als Treiber nennt er eine Kombination aus wachsender US-Staatsverschuldung, Interventionen am US-Treasury-Bond-Markt und einem Umfeld, in dem Treasury-Yields zunächst sogar stärker steigen können, bevor eine politische Reaktion greift.
Technisch betrachtet ist der Dreh- und Angelpunkt dabei weniger „Bitcoin-Logik“ als Marktstruktur: Steigen die Renditen auf US-Staatsanleihen, kann das kurzfristig Kapital in zinsbringende Anlagen lenken und damit riskante Assets unter Druck setzen. Cole beschreibt jedoch eine zweite Stufe der Dynamik. Wenn steigende Zinsen den Schuldenabbau politisch schwieriger machen, könnten laut seiner Einschätzung umfangreiche Ankäufe oder „Bond Buybacks“ folgen, die nicht nur Liquidität bewegen, sondern über den Umweg der Geldwert-Entwicklung den Dollar schwächen. Damit wäre die makroökonomische Passung für Bitcoin besonders günstig, weil Bitcoin häufig als Alternative wahrgenommen wird, wenn das Vertrauen in die Kaufkraft einer Währung leidet.
Auf dieser Basis leitet Cole eine konkrete Kursfrage ab: Könnte Bitcoin bis 2030 500.000 US-Dollar erreichen? Strive selbst wird dabei über eine langfristige Wachstumsannahme eingeordnet: Cole nennt eine Projektion von rund 50% Compound Annual Growth Rate bis 2030. Das ist mehr als eine einzelne Zielmarke, denn diese jährliche Wachstumsrate hängt daran, dass die nächste Phase nicht nur „größer“, sondern auch strukturell anders ausfällt. Er erwartet, dass der nächste Bull Market den vorherigen Zyklus übertreffen könnte. Gleichzeitig wirkt seine Bewertung des letzten Zyklus ernüchternd: Bitcoin habe es demnach nicht geschafft, neue Höchststände relativ zu Gold zu etablieren.
Interessant ist auch, wie Cole Zyklusereignisse in sein Bild einwebt. Er spricht von einer möglichen „Super-Cycle“-Phase, die sich durch kleinere Drawdowns im Bärenmarkt auszeichnen könnte. Konkret nennt er Rückgänge in der Größenordnung von 30% bis 50% statt historischer Einbrüche um etwa 80%. Als Teilbegründung nennt er eine wachsende institutionelle Beteiligung und eine abnehmende Sensitivität gegenüber dem Vierjahresrhythmus der sogenannten Halving-Ereignisse. Dahinter steht die Idee, dass sich das Käuferprofil und die Marktmechanik mit zunehmender institutioneller Adoption verändern und damit extreme Abwärtsphasen möglicherweise weniger häufig oder weniger tief ausfallen.
In eine weitere Richtung geht Cole’s These zur US-Schuldenfrage und zu potenziellen Produktivitätsgewinnen durch KI. Seine Argumentation lautet, dass KI-getriebene Effizienzsteigerungen möglicherweise nicht in ausreichendem Maß steuerliche Einnahmen erzeugen, um das strukturelle Problem der Staatsfinanzen dauerhaft zu lösen. Wenn damit weniger politische Spielräume für einen „normalen“ Schuldenabbau entstehen, könnte eine Abwertungstendenz als politisch-ökonomischer Ausweg wahrscheinlicher werden. Für Bitcoin wäre das aus seiner Sicht langfristig vorteilhaft, weil eine Währungsabwertung den relativen Nutzen von knappen, nicht zentral gesteuerten Assets erhöhen kann.
Für die Investor-Perspektive bei Strive wird der Ansatz anschließend konkret über eine Treasury-Strategie: Cole sagt, Strive wolle eine „verstärkte“ Exponierung auf Bitcoin aufbauen, bei der etwa 50% Amplified Exposure konstant gehalten werden. Das soll laut Beschreibung über preferred equity financing umgesetzt werden. Als zentrales Instrument nennt er SATA mit einer Finanzierungskostenrate von 13%. Entscheidend ist dabei die Schwelle: Wenn Bitcoin langfristig Renditen oberhalb dieser Finanzierungskosten realisiert, kann die Konstruktion – vereinfacht gesagt – die Gewinne von Strive im Vergleich zu einem direkten Bitcoin-Hold vorteilhaft „hebeln“. Gleichzeitig betont Cole das Risiko, dass steigende Treasury-Yields die Kursentwicklung zunächst bremsen und damit auch die kurzfristige Wirkung solcher Finanzierungsstrukturen belasten könnten.
Marktseitig lässt sich daraus eine zweigeteilte Erwartungsstruktur ableiten: Erstens die Möglichkeit einer kurzfristigen Gegenbewegung durch höhere Renditen und einen stärker werdenden Dollar, der Bitcoin zeitweise unter Druck setzt. Zweitens die Hoffnung auf eine spätere politische bzw. marktstützende Intervention, die das Makro-Regime dreht und damit den Boden für eine stärkere Rally bereitet. Besonders in diesem Punkt ist Cole’s Timing-Ansatz bemerkenswert, weil er Intervention innerhalb von 18 Monaten als möglich bezeichnet. Dass er zugleich auf den 2024/2025-Zyklus Bezug nimmt, zeigt zudem, dass er nicht nur eine einzelne Kursformel im Kopf hat, sondern eine Abfolge von Marktphasen erwartet.
Für Unternehmen und institutionelle Entscheider ist dabei nicht nur die Zielmarke relevant, sondern die Logik, wie Makrodaten, Währungsentwicklung und Finanzierungskosten in eine Portfoliostruktur übersetzt werden. Wer Bitcoin als Asset-Klasse bewertet, landet häufig beim Spannungsfeld zwischen Liquidität, Realzinsen und der Rolle von Staatsanleihen in der Risikoallokation. Cole’s Ausführungen bündeln diese Faktoren in einem Szenario, das testbar bleibt: beobachten müssten Anleger vor allem die Entwicklung der Treasury-Yields, die Dynamik am Bond-Markt und Signale, ob politische Maßnahmen tatsächlich in Richtung großflächiger Bond-Interventionen zielen. Ob daraus ein „Super-Cycle“ mit kleineren Drawdowns wird, bleibt offen. Aber die Begründung macht deutlich, warum das Thema für Treasury-Verantwortliche und Portfoliomanager nicht nur als Kurswette, sondern als Liquiditäts- und Finanzierungsgeschichte wahrgenommen wird.
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