LONDON (IT BOLTWISE) – Volkswagen meldet für das dritte Quartal spürbar rückläufige Auslieferungen, getrieben vor allem durch einen starken Einbruch in China. Konzernweit sinken die weltweiten Verkäufe im Zeitraum Juli bis September um 14,3 % auf 1,87 Millionen Fahrzeuge. Auch bei AUDI beschleunigt sich der Abwärtstrend: Die Kernmarke liefert 19,7 % weniger aus. Gleichzeitig zeigt das Lkw-Geschäft mit Traton ein anderes Bild, während vollelektrische Modelle insgesamt unter Druck bleiben.

Die Zahlen wirken wie ein Stresstest für die Konzernstrategie: Volkswagen kommt im dritten Quartal nicht nur wegen schwankender Nachfrage unter Druck, sondern vor allem wegen der Dynamik in China. Für Juli bis September weist der Konzern 1,87 Millionen Fahrzeuge aus, das entspricht einem Minus von 14,3 % im Vergleich zum Vorjahr. Auf die ersten neun Monate hochgerechnet liegt der Absatzrückgang bei 9,0 %, hier summieren sich die Auslieferungen auf 6,01 Millionen Fahrzeuge. Dass sich die Entwicklung nicht regional glättet, zeigen die Treiber im Detail: In China fällt der Absatz im Quartal um 38,5 % auf 405.800 Fahrzeuge.
Auch außerhalb Chinas ist die Lage weniger entspannt als der erste Blick auf einzelne Märkte vermuten lässt. In Westeuropa hält sich der Rückgang zwar mit -2,8 % auf 780.000 Einheiten im Rahmen, in Nordamerika sinken die Auslieferungen jedoch um 5,8 % auf 232.700 Fahrzeuge. Unter den Marken fällt vor allem auf, dass Volkswagen Pkw und AUDI jeweils Rückgänge von fast 20 % melden, während SKODA den Absatz in etwa stabilisiert. Für die Konzernkommunikation bedeutet das: Die Volumenmarken tragen aktuell einen größeren Teil der Belastung, während die Marke mit breiterem Modellportfolio kurzfristig besser durch die Marktphase kommt.
Technisch und kaufmännisch interessant ist, dass der Konzern nicht nur über Verbrenner berichtet, sondern auch die E-Mobilität separat sichtbar macht. Die Auslieferungen von vollelektrischen Fahrzeugen sinken im dritten Quartal um 4,7 % auf 240.200 Einheiten. In Europa legt diese Schiene hingegen um knapp ein Fünftel zu, während China im selben Zeitraum um 30 % zurückfällt. Genau diese Gegenbewegung erklärt, warum sich die Gesamtkennzahlen trotz regionaler Erfolge bewegen: Das europäische Wachstum kompensiert den chinesischen Abschwung aktuell nicht im gleichen Tempo.
Bei der Tochter AUDI verschärft sich der Trend weiter. AUDI liefert im dritten Quartal insgesamt 314.905 Fahrzeuge der Kernmarke an Kunden aus, das sind 19,7 % weniger als im Vorjahr. Damit beschleunigt sich der Abwärtssog: Im zweiten Quartal lag der Rückgang noch bei rund 8 %. Auf die ersten neun Monate gerechnet kommt AUDI damit auf 1,04 Millionen Auslieferungen, 11,4 % weniger als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig wird betont, dass AUDI in Deutschland und Europa für diesen Zeitraum leicht im Plus liegt – der kritische Unterschied liegt also klar in den Regionen, in denen das Wachstum derzeit am stärksten gebremst wird.
Als operative Gründe werden gleich mehrere Faktoren sichtbar, die in der Praxis oft zusammenwirken. Laut Darstellung verschärfen sich die Auswirkungen durch Modellwechsel bei den Volumenmodellen A1 und Q2; solche Übergänge verändern kurzfristig die Liefer- und Bestandslogik, weil Nachfrage, Produktion und Händlerverfügbarkeit nicht nahtlos in der gleichen Taktung laufen. Dazu kommt der Wettbewerbsdruck in China, der für deutsche Hersteller über Jahre hinweg besonders spürbar ist, wenn lokal entwickelte Wettbewerbsmodelle technologisch aufholen und gleichzeitig preislich aggressiver auftreten. Ergänzend wird in der Quelle herausgestellt, dass US-Zölle den Autobauer hart treffen, weil anders als etwa bei manchen Wettbewerbern keine eigene Produktion in den USA aufgebaut ist.
Die Folgen dieses Mixes werden in den regionalen Schätzgrößen besonders deutlich. Für die ersten neun Monate nennt der Text, dass AUDI in China knapp ein Viertel weniger Autos verkauft, während es in den USA rund ein Sechstel weniger sind. Dass sich das nicht nur in einzelnen Monaten zeigt, sondern sich durch die Quartale zieht, wird zusätzlich daran erkennbar, dass ein Vergleich mit dem dritten Quartal 2023 einen starken Bruch offenbart: Damals lieferte AUDI im Kernmarkenbereich noch knapp 480.000 Autos aus – heute rund die Hälfte. An der Börsenreaktion wird diese Spannung ebenfalls sichtbar: Im vorbörslichen Handel über Tradegate zeigt sich die VW-Aktie stellenweise mit einem Plus von 1,52 % auf 69,26 Euro, trotz der klar negativen Absatzsignale.
Währenddessen liefert das Lkw-Geschäft mit Traton ein Gegengewicht, das für Investoren häufig wichtig ist, weil es die zyklische Schwankung im Konzernprofil abfedert. Traton mit den Marken Scania, MAN und Volkswagen Truck & Bus steigert den Absatz im Quartal um gut 10 % auf 78.900 Fahrzeuge. Damit bestätigt sich ein Muster, das in der Automobilindustrie regelmäßig beobachtet wird: Nutzfahrzeuge reagieren nicht 1:1 auf die gleiche Nachfragedynamik wie Pkw, vor allem weil Flottenentscheidungen oft über längere Planungshorizonte laufen und die Nachfrage stärker von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie Logistikzyklen abhängt.
Für die nächsten Schritte heißt das in der Unternehmenspraxis vor allem: Anpassung von Timing und Kapazitätssteuerung in den Märkten mit dem größten Druck. Modellwechsel wie bei A1 und Q2 sind in der Regel planbar, aber die Effektivität hängt davon ab, wie schnell die nächste Produktgeneration nach Produktionsanlauf in den Handel gelangt und wie stabil die Nachfragekurve bleibt. Gleichzeitig dürfte der Konzern intern weiter daran arbeiten müssen, die regionale Mischung der E-Mobilität zu stabilisieren, denn der Zielkonflikt zwischen europäischem Wachstum und chinesischer Schwäche bleibt kurzfristig ein zentrales Steuerungsproblem. Mit Blick auf Anleger entsteht damit ein eher zweigeteiltes Bild: Die kurzfristigen Absatzzahlen setzen den Takt, die relative Stabilität im Lkw-Bereich und die regionalen Unterschiede im E-Segment bieten jedoch Ansatzpunkte für eine Neubewertung – ohne die grundlegende Marktfrage in China damit schon gelöst zu haben.
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