LONDON (IT BOLTWISE) – curl patcht eine HTTP/2-Lücke, bei der ein bösartiger Upload-Server die Speichersituation des Clients gezielt ausnutzt. Die Schwachstelle ist als Use-after-free (CVE-2026-92392) klassifiziert und betrifft curl sowie libcurl von 8.12.0 bis 8.22.0. Der Fix ist in curl 8.23.0 enthalten; wer nicht aktualisieren kann, soll HTTP/2 bis dahin deaktivieren. Kritisch ist vor allem, dass Angriffe über die Server-Seite laufen und nicht zwingend einen fehlerhaften Client voraussetzen.

curl schließt HTTP/2-Upload-Lücke: Use-after-free wird zur Code-Ausführung
curl schließt HTTP/2-Upload-Lücke: Use-after-free wird zur Code-Ausführung (Foto: IT BOLTWISE)
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Mit curl 8.23.0 schließt das Projekt eine HTTP/2-Problematik, die in der Praxis mehr als nur einen Absturz auslösen kann: Ein Angreifer kann über einen präparierten Upload-Server die Speicherlogik im Client so verwirren, dass daraus potenziell Code-Ausführung wird. Technisch handelt es sich um ein Use-after-free, das unter CVE-2026-92392 geführt wird. curl stuft die Lücke auf seiner eigenen vierstufigen Skala als High ein – und begründet das nachvollziehbar damit, dass ein erfolgreiches Ausnutzen präzises Timing und Kenntnisse über Build- und Speicherlayout erfordert. Genau diese Abhängigkeiten sind für viele klassische „Remote-only“-Szenarien der Grund, warum es nicht automatisch als Critical durchgeht.

Der betroffene Umfang wirkt auf den ersten Blick „nur“ auf ältere Versionen, ist aber in der typischen Softwarelandschaft relevant: Die Lücke betrifft curl und libcurl in der Bandbreite von 8.12.0 bis 8.22.0 – also sowohl das Kommandozeilen-Tool als auch die Bibliothek, auf die zahlreiche andere Programme für Web-Transfers setzen. curl hatte das Problem als erstes High-severes Paket seit dem SOCKS5-Heap-Overflow im Oktober 2023 bezeichnet. Um den Fix rasch zu verteilen, verkürzte das Projekt seinen Release-Zyklus um zwei Wochen. Der zentrale Mechanismus ist serverseitig: Der Client muss über HTTP/2 etwa 135 KB hochladen, der Server muss kontrolliert sein und das TLS-Zertifikat muss die Prüfungen des Clients bestehen. Das bedeutet: Angreifer können sich auf die Interaktion während der Upload-Session konzentrieren, statt etwaige Client-Trust-Annahmen zu brechen.

Interessant ist dabei, wie eng die Ausnutzbarkeit an den HTTP/2-Pfad gekoppelt ist. libcurl verhandelt HTTP/2 standardmäßig für https: //-URLs, sofern der Server es anbietet, und die Bibliothek muss mit HTTP/2-Unterstützung gebaut worden sein. Fehlt dieses Build-Feature, kann libcurl gar nicht in den relevanten Upload-Workflow gelangen – die Schwachstelle bleibt dann praktisch „toter Code“. Wer nicht sofort updaten kann, bekommt daher aus der Sicherheitsberatung einen sehr konkreten Ausweg: HTTP/2 nicht verwenden. Auf CLI-Ebene erzwingt --http1.1 HTTP/1.1; in Anwendungen steuern Entwickler die Option über CURLOPT_HTTP_VERSION mit CURL_HTTP_VERSION_1_1. curl weist dabei darauf hin, dass dieser Wert als Anfrageeigenschaft gilt, weil eine bestehende Verbindung unter Umständen wiederverwendet werden kann.

Wie aus der Lücke potenziell Code-Ausführung wird, lässt sich an der beschriebenen Interaktion im HTTP/2-Transfer festmachen. In HTTP/2 laufen mehrere Transfers über eine gemeinsame Verbindung, libcurl verfolgt jeden Transfer mit einem Objekt namens „easy handle“. Während des Uploads blockiert ein bösartiger Server den Transfer, setzt das HTTP/2-Fenster zeitweise auf Null, sendet einen Teil der Antwort und resettet dann den Stream, während die Verbindung offen bleibt. curl interpretiert den Reset als Signal zum Retry. In der Cleanup-Phase passiert dann Entscheidendes: curl informiert zuerst die HTTP/2-Schicht, dass der Transfer abgeschlossen ist, und spült anschließend den Rest des nicht gesendeten Uploads noch in derselben Verbindung. Da dabei der Transfer nicht mehr korrekt registriert ist, werden die übrig gebliebenen Bytes als Start eines neuen Requests gelesen.

Der Proof-of-Concept beschreibt genau diese „Verwechslung“: Der Upload enthält ein Muster, das beim erneuten Interpretieren wie Request-Zeilen wirkt. Sobald ein neuer Stream aufgesetzt wird, wird dabei erneut ein Stream-Objekt geöffnet, das einen Pointer auf das easy-handle speichert. Der Retry läuft über eine neue HTTP/1.1-Verbindung, woraufhin die Anwendung das Handle freigibt. In der alten HTTP/2-Verbindung bleibt der gespeicherte Pointer jedoch erhalten; sobald der Server dort später Frames für diesen Stream schickt – etwa in einem Moment, in dem das Programm gerade beendet wird – kann die alte Verbindung den Handle-Pointer erneut verwenden. In dem beschriebenen Exploit landen die vom Server gelieferten Daten in dem Speicherbereich, der bereits wiederverwendet wurde; zusätzlich wird ein Funktionszeiger überschrieben, sodass curl anschließend eine manipulierte Adresse aufruft. Für diese Kette muss der Angreifer nach curl-Angaben die exakte curl-Version, Architektur, libc-Allocator und die Heap-Anordnung des Zielsystems kennen und außerdem den Payload auf ungefähr 23 Byte passend ausrichten. curl betont zugleich, dass der wahrscheinlichste Ausgang eines realen Angriffsversuchs eher ein Crash ist.

Der eigentliche Fix wird als sehr kleine Codekorrektur beschrieben: Er umfasst im Kern eine sechszeilige Neuordnung in lib/multi.c. Die Änderung stellt sicher, dass die HTTP/2-Schicht die Referenzen auf das handle erst nach dem Flush der verbleibenden Upload-Daten aufgibt, nicht davor. Diese Reihenfolge sorgt dafür, dass kein Stream mehr auf Pointer zugreift, die schon freigegeben wurden. Der Veröffentlichungszeitpunkt fällt auf den 14. Oktober; dort wurde auch die öffentliche Advisory mit dem reproduzierenden Container-/Server-Setup ausgerollt. Das Projekt hatte die Reparatur zuvor angekündigt und den kommenden Fix als High-severes Update für die nächste Veröffentlichung „pre-announced“, wobei der Sicherheitsprozess laut Beschreibung innerhalb weniger Stunden bestätigt worden war. Ergänzend nennt curl eine Maschine-lesbare Advisory mit weiteren Fixständen für drei ältere Release-Linien sowie Hinweise zu Distributionen: Debian 13 (trixie) erhält laut Paket-/DSA-Informationen Updates für die betreffenden 8.14.x-, 8.16.x- und 8.20.x-Zweige, während Debian 12 (bookworm) nicht die verwundbare Codebasis enthält.

Für Betreiber und Entwicklungsteams ergibt sich daraus vor allem eine klare Priorisierung: curl 8.23.0 bzw. die entsprechenden libcurl-Updates müssen zeitnah in CI/CD und in den Rollout-Plan. Da die Veröffentlichung 24 CVEs im Release zusammenfasst und die übrigen 23 als Low bewertet werden, wird die HTTP/2-Lücke zum zentralen Handlungsgrund. Gleichzeitig liefert die Empfehlung „HTTP/2 bis zum Update nicht nutzen“ einen praktikablen Zwischenhebel für Umgebungen, die einen sofortigen Austausch nicht schaffen. Spannend ist auch der Hintergrund der Meldung: Daniel Stenberg erläuterte den Bug in einem begleitenden Beitrag; als Reporter werden Luna Tong von Anthropic sowie ein internes OSS-Scanner-Programm genannt, das Ergebnisse ohne menschliche Review priorisiert und Reproducer inklusive möglicher Patches versendet. Stenberg ordnet das zudem in seine wiederkehrende Einschätzung zur Qualität von automatisierten KI-gestützten Sicherheitsbeiträgen ein – gerade dort, wo Use-after-free-Lücken auftreten, zählt am Ende jedoch weniger die Herkunft der Idee als die präzise Überprüfung des Codepfads und das Timing im Experiment.


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