YANGPYEONG (GYEONGGI-PROVINZ) / LONDON (IT BOLTWISE) – Hanwha Systems hat bei einer Armeevorführung am 14. Oktober drei Ziel-Drohnen mit zwei Laserwaffen zur Strecke gebracht. Zum Einsatz kam eine stationäre Cheongwang-Luftabwehr sowie ein laserbasierter Träger im 30-kW-Klasse-Fahrzeug. Teil der Demonstration war auch ein gestaffelter Ansatz mit elektronischer Störung und einem gepanzerten Fahrzeug, das ebenfalls auf anfliegende Ziele feuert. Damit rückt die südkoreanische Firma die Kosten-Nutzen-Idee von gerichteter Energie gegen günstige Drohnen stärker in den Fokus internationaler Käufer.

Hanwha-Laser Cheongwang: stationäre Luftabwehr trifft Drohnen im Live-Test
Hanwha-Laser Cheongwang: stationäre Luftabwehr trifft Drohnen im Live-Test (Foto: IT BOLTWISE)
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Bei einer Live-Vorführung der südkoreanischen Armee hat Hanwha Systems am 14. Oktober drei Ziel-Drohnen mit Laserwaffen abgeschossen. Laut Unternehmensangaben zielten dabei zwei gerichtete-Energie-Systeme auf die an der Übung festgelegten Ziele. Für die Technik-Community ist weniger die Zahl der getroffenen Ziele entscheidend als die Kombination aus stationärer Luftabwehr und einem fahrzeugmontierten System innerhalb desselben Demonstrationsszenarios. Genau diese Staffelung wirkt wie ein Praxis-Test dafür, wie Laserwaffen nicht nur „im Labor“, sondern im mehrschichtigen Einsatzkonzept gegen verschiedenartige Drohnen funktionieren sollen.

Im Mittelpunkt stand die stationäre Cheongwang-Laser-Luftabwehr, formal als Laser Air Defense Weapon Block-I bezeichnet. Zusätzlich nahm ein Laser teil, der zur 30-kilowatt-Klasse gehört und auf einem Fahrzeug montiert ist. Die Vorführung fand im Rahmen der TIGER+-Übung „Future Warfare Integrated Combat Exercise“ statt, bei der nach Angaben von Hanwha rund 500 Personen anwesend waren, darunter der Stabschef der Armee, General Kim Kyu-ha. Der Ablauf in Yangpyeong, Gyeonggi-Provinz, zeigt dabei ein typisches Muster moderner Counter-Drone-Tests: Mehrere Bekämpfungswege laufen parallel oder nacheinander, damit sich reale Interaktionen zwischen Sensorik, Zielzuweisung und Wirkungskette unter Stressbedingungen beobachten lassen.

Die Trefferwirkung wurde in der Berichterstattung aus dem Übungsumfeld mit konkreten Beobachtungen beschrieben: Eine der Lasereinwirkungen führte demnach dazu, dass ein anfliegendes Ziel Feuer fing und anschließend zu Boden fiel. Ebenso wurde deutlich, dass Cheongwang nur ein Baustein des Gesamtkonzepts war. Die Demonstration umfasste neben dem Laser auch elektronische Störmaßnahmen (Jamming) sowie den Einsatz eines K21-Panzerfahrzeugs, das gegen eindringende Drohnen vorging. Damit adressiert Hanwha ein Problem, das in der Counter-Drone-Welt seit Jahren im Raum steht: Je besser ein System Funk- und Steuerungslinks unterbricht oder deren Qualität reduziert, desto weniger resilient wird das Ziel gegenüber direkter Energie- oder kinetischer Bekämpfung.

Technisch bleibt in den veröffentlichten Details allerdings offen, welches konkrete Ziel durch welches System zerstört wurde, welche Drohnentypen im Einsatz waren und auf welche Reichweiten man sich jeweils berief. Auch das ist für Entscheider relevant, weil Reichweite und Zuverlässigkeit im Feld stark von Flugprofil, Rumpfmaterial, Zielgröße, Wetter- und Sichtbedingungen sowie der genauen Laserparameter- und Strahlführung abhängen. Gleichzeitig liefert die Preisargumentation einen greifbaren Anker: Hanwha beziffert die Kosten pro Schuss für Cheongwang mit etwa 1,50 US-Dollar. Der Hersteller begründet die Wirtschaftlichkeit damit, dass keine Munition wie bei Geschützen oder missilenabhängigen Abfangsystemen verbraucht wird und der Laser bei vorhandener Energie weiter feuern kann. Für die Praxis heißt das: In Szenarien mit vielen günstigen Drohnen, etwa für Aufklärung oder Angriffe aus kurzer Distanz, kann der Grenzkosten-Vorteil gegenüber „teuren“ Abfängern stärker wirken als in Duellen gegen wenige Hochwertziele.

Cheongwang ist dabei nicht als reine Messe-Attrappe positioniert. Südkorea habe das System erstmals im Dezember 2024 in Dienst gestellt; bis Juni 2026 soll es etwa fünf Einheiten an wichtigen Regierungs- und Sicherheitsstandorten gegeben haben, darunter laut Berichten auch eine Anlage am Gebäude des Verteidigungsministeriums. Zudem verweist Hanwha auf die eigene Entwicklung unter einem Programm, das von der Agency for Defense Development geführt wurde. Historisch betrachtet ist die Idee „Laser gegen Drohnen“ nicht neu; in früheren Konzeptphasen scheiterten Systeme oft an Durchsatz, Energieversorgung oder an der Robustheit der Sensorik bei wechselnden Zielbedingungen. In der aktuellen Generation rücken daher weniger die grundsätzliche Laserwirkung, sondern die Systemintegration in den Vordergrund: Zielerfassung, Tracking, Strahlformung und das Zusammenspiel mit Stör- und Kettenkomponenten entscheiden darüber, ob ein System im Feld reproduzierbar wirkt.

Für die Exportperspektive nennt Hanwha bereits konkrete nächste Schritte: Das Unternehmen entwickelt für ausländische Kunden zudem einen 50-kW-Laserpanzer im eigenen Haus und zeigte im September auf der MSPO-Verteidigungsmesse in Kielce ein Modell. Auf derselben Messe- bzw. Absatzschiene kündigte das Unternehmen an, einen Prototyp gebaut zu haben und die Serienproduktion bis Ende 2027 starten zu wollen; außerdem seien Gespräche mit potenziellen Kunden in Europa, Asien und dem Nahen Osten über einen Export von Cheongwang im Gange. Parallel dazu soll der südkoreanische Haushalt 2027 Forschungsmittel für eine mobile Block-II-Version von Cheongwang enthalten. Für Unternehmen, die an der Zuliefer- und Integrationskette rund um gerichtete Energie beteiligt sind, bedeutet das: Nicht nur Laserbaukompetenz wird gefragt, sondern auch thermisches Management, Hochleistungs-Energieelektronik, robuste Optik- und Stabilisierungssysteme sowie Software, die Sensorik und Wirkung in Echtzeit koppelt.

Der strategische Hintergrund bleibt dabei eng mit den wiederholten Drohnenverletzungen aus Nordkorea verknüpft. Berichtet wird, dass in der Vergangenheit unter anderem auch Ereignisse bis in den Luftraum über Seoul hinein auftraten, während konventionelle Reaktionsmittel wie Kampfjets, Angriffshelikopter und Warnschüsse die Ziele nicht zuverlässig neutralisierten. Genau hier setzen Laser als potenziell skalierbares Gegenmittel an: Sie können in geeigneter Architektur hohe Abfangraten pro Energieeinheit ermöglichen, während die operative Planung weniger von „knappen“ Abfangmunition abhängt. Ob sich Cheongwang und die angekündigte Fahrzeug- bzw. mobile Weiterentwicklung im realen Alltag gegen unterschiedliche Drohnenklassen durchsetzen, wird letztlich vor allem davon abhängen, wie konsistent sich Tracking und Wirksamkeit bei wechselnder Sicht und bei elektronisch beeinflussten Zielen nachweisen lassen.

Aus Markt- und Techniksicht ist bemerkenswert, dass Hanwha den Schwerpunkt auf ein mehrstufiges Counter-Drone-Setup legt, statt Laser als einzelne Superwaffe zu verkaufen. Für Entscheider in Industrie und öffentlichem Sektor heißt das: Der Nutzen entsteht häufig im Systemverbund aus Erkennung, Störung, Laserwirkung und – je nach Architektur – kinetischen Effekten. Gleichzeitig steigt damit der Anspruch an Interoperabilität: Wenn mehrere Systeme in kurzer Zeit zusammenarbeiten sollen, müssen Schnittstellen, Datenformate und Zeitkritik im Einsatzdesign von Anfang an mitgedacht werden. Die aktuellen Live-Demonstrationen liefern hierfür zumindest einen Beleg, dass die Technologieentwicklung in Richtung „betrieblich einsetzbar“ weitergeht, auch wenn einzelne Leistungskennzahlen bislang nicht vollständig offengelegt wurden.


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