LONDON (IT BOLTWISE) – Schneider Electric hat seine Prognose für 2026 zum zweiten Mal angehoben und nennt nun ein Umsatzwachstum von zwölf bis 14 Prozent. Das operative Ergebnis soll ohne Zukäufe um 18 bis 21 Prozent steigen. Im dritten Quartal meldet das Unternehmen ein organisches Umsatzplus von 17 Prozent auf 11,46 Milliarden Euro und spricht vom stärksten Quartal der Unternehmensgeschichte. Als Haupttreiber nennt Schneider den weiter wachsenden Bedarf an Rechenzentren, während der schwache US-Dollar als Gegenwind wirkt.

Schneider Electric hat im dritten Quartal nicht nur geliefert, sondern auch den Erwartungen einen Schritt voraus gearbeitet: Der Umsatz stieg organisch um 17 Prozent auf 11,46 Milliarden Euro. Analysten hatten 11,13 Milliarden Euro erwartet. Damit bleibt das Signal klar, dass die Investitionswelle in Rechenzentren weiter in die Realwirtschaft durchschlägt – und zwar nicht nur bei Chip- oder Netzwerkherstellern, sondern bei der physischen Infrastruktur, die Rechenzentren überhaupt erst betreibbar macht.
Der Konzern verfeinert seine Planung gleich doppelt nach oben: Für 2026 erwartet Schneider nun ein Umsatzplus von zwölf bis 14 Prozent. Zuvor hatte das Unternehmen zehn bis 13 Prozent in Aussicht gestellt. Beim operativen Ergebnis legt Schneider ohne Zukäufe auf 18 bis 21 Prozent (nach 14 bis 19 Prozent) Zuwachs fest. Die Entwicklung seit Jahresbeginn macht den Trend gut greifbar: Im Februar nannte Schneider ein organisches Umsatzwachstum von sieben bis zehn Prozent; im Juli folgte die erste Anhebung beim Gewinn von zehn bis 15 auf 14 bis 19 Prozent. „Wir haben das stärkste Quartal in der Geschichte von Schneider abgeliefert“, sagte Finanzchef Nathan Fast.
Dass das Tempo im dritten Quartal noch einmal angezogen hat, zeigt sich auch im Vergleich zum ersten Halbjahr: Dort lag das organische Umsatzwachstum bei 14 Prozent auf 21,23 Milliarden Euro. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Amortisation (EBITA) stieg um 22 Prozent auf 4,09 Milliarden Euro, die Marge lag bei 19,3 Prozent und der Nettogewinn bei 2,49 Milliarden Euro. Diese Zahlen sind für Anleger vor allem deshalb relevant, weil sie die Belastbarkeit der Margenlogik untermauern: Wenn bei höherem Umsatzwachstum auch die Profitabilität stabil bleibt oder steigt, verschiebt das die Bandbreite für zukünftige Projektionen.
Als strategischer Kern des Ausbaus nennt Schneider den Bedarf an Rechenzentren. Der Konzern beschreibt seinen Wandel weg von klassischen Komponenten wie Sicherungen und Schaltern hin zum Ausrüster der gesamten Infrastruktur: Dazu gehören Kühlsysteme, Serverschränke und die Stromverteilung. Rechenzentren und Netzwerke machen rund 30 Prozent der Aufträge aus. Im Februar hatte Schneider bereits ein dreistelliges Wachstum im reinen Rechenzentrumsgeschäft gemeldet. Zusätzlich spielt auch Zukaufgeschäft hinein: Unter anderem nennt das Unternehmen Motivair, einen US-Anbieter für Rechenzentrumskühlung, was zeigt, dass Wachstum nicht nur organisch getrieben wird, sondern durch Ergänzungen im Produkt- und Systemportfolio.
Gleichzeitig setzt der Konzern klare Risikopunkte. Als Gegenwind führt Schneider den schwachen Dollar an. Für das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen mit einem Währungseffekt, der 400 bis 500 Millionen Euro Umsatz kosten könnte. In der Praxis ist das mehr als ein Buchungsthema: Wenn Umsätze und Kosten in unterschiedlichen Währungen anfallen, beeinflussen Wechselkurse die Vergleichbarkeit der Performance und können damit auch die Wirkung von operativen Verbesserungen überlagern. Für das laufende Geschäft bedeutet das, dass die Rechenzentrums-Nachfrage zwar stark bleibt, die Ergebnisqualität aber währungsgesichert eingeordnet werden muss.
Für den Markt ist besonders interessant, wie eng der KI-Ausbau und die „Infra-Kette“ inzwischen zusammenhängen. Die Investitionen in Rechenleistung ziehen Strom, Kühlung und Verteilung nach sich – und genau diese Engpässe sind im aktuellen Wachstumszyklus ein werttreibender Faktor. Damit rücken Unternehmen wie Schneider Electric, aber auch Siemens, ABB und Legrand stärker in den Fokus, solange die Rechenzentrumsinvestitionen weiterlaufen. Aus Investorensicht folgt daraus eine doppelte Pflicht: Wer in solchen Wellen engagiert ist, sollte nicht nur auf Quartalszahlen schauen, sondern auf die Auftragslage im Rechenzentrumsgeschäft, die Entwicklung des Währungseffekts und den Ausblick für 2027.
Auch die Kapitalmarktpsychologie darf man dabei nicht unterschätzen: Zwei Anhebungen binnen weniger Monate erhöhen die Erwartungshaltung, und der „Baseline“-Effekt steigt. Wenn die Finanzierung von KI-Projekten ins Stocken gerät – wie es sich bei Kreditmärkten und Börsengängen in dieser Woche andeutet – können verzögerte Budgets anschließend direkt in der Bestellhistorie der Infrastrukturhersteller sichtbar werden. Klar ist: Die Meldung liefert einen operativen Rückenwind, aber sie erwähnt keine konkrete Kursreaktion. Entsprechend bleibt die nächste Entscheidungsgrundlage, ob sich die Nachfrage nach Strom- und Kühlinfrastruktur für Rechenzentren in den kommenden Quartalen ähnlich stabil fortsetzt wie im dritten Quartal.
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